(DVD) Master of the Universe

Durch seine Hände gingen Milliarden. Er selbst gerät ins Staunen, wenn er laut über staatliche Rettungsaktionen von Banken nachdenkt. Die Finanzwelt ist zwar eine gläserne Welt und dennoch kaum zu durchschauen. Wer kennt sich schon aus in Finanztheorien? Reichtum, Macht und Herrschaftswissen schließen den Großteil der Bevölkerung aus. Das Jonglieren von unermesslichen Geldbeträgen bleibt einer kleinen Minderheit vorbehalten. Der deutsche Filmemacher Marc Bauder beschäftigt sich in seinen Filmen immer wieder mit der Welt des Geldes. Sein neues Werk feierte in Locarno gerade Weltpremiere. Darin erklärt der Ex-Banker Rainer Voss eindrücklich das Innenleben von Banken. Bauder stellt die richtigen Fragen, gibt sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Sein Film ermöglicht glasklare Einsichten ins Finanzwesen. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, obwohl die Fakten alle bekannt sind. Rainer Voss berichtet von seinem eigenen Aufstieg in den 1980er Jahren, zeitgleich mit den Banken. Der ehemalige Investmentbanker weiß, wie es sich anfühlt, »Master Of The Universe« zu sein, sehr viel Geld zu verschieben und daran selbst viel zu verdienen. Er kennt das geschlossene System von innen, war lange Zeit ein Teil davon…

Die Kathedralen des Kapitalismus unterscheiden sich in nichts von den kirchlichen Kathedralen des Mittelalters und deren Bestimmung: Ihr wesentlicher Zweck besteht darin, den gläubigen Jüngern ihre zwergenhafte Unzulänglichkeit aufzuzeigen, auf dass sie nicht aufbegehren gegenüber den Gesetzen, die sie zeit ihres durch und durch abhängigen Lebens lenken und führen... Kommentar Nr. 14 Ich war vor einiger Zeit in Frankfurt. In der Nähe des Römers sieht man den Dom und gegenüber das Hochhaus der Commerzbank, dessen Spitze nachts grüngolden leuchtet, fast wie ein Heiligenschein. Man könnte fast glauben, dass Gott umgezogen ist. Oder dass ein neuer Gott aufgetaucht ist, der mächtiger ist als der, der im Dom wohnt. Kommentar Nr. 16 _____ Frankfurter Skyline von der Deutschherrnbrücke aus gesehen, im Vordergrund Main und Flößerbrücke ____ Foto: Roland Meinecke

Die Kathedralen des Kapitalismus unterscheiden sich in nichts von den kirchlichen Kathedralen des Mittelalters und deren Bestimmung:
Ihr wesentlicher Zweck besteht darin, den gläubigen Jüngern ihre zwergenhafte Unzulänglichkeit aufzuzeigen, auf dass sie nicht aufbegehren gegenüber den Gesetzen, die sie zeit ihres durch und durch abhängigen Lebens lenken und führen…

Kommentar Nr. 14
Ich war vor einiger Zeit in Frankfurt. In der Nähe des Römers sieht man den Dom und gegenüber das Hochhaus der Commerzbank, dessen Spitze nachts grüngolden leuchtet, fast wie ein Heiligenschein. Man könnte fast glauben, dass Gott umgezogen ist. Oder dass ein neuer Gott aufgetaucht ist, der mächtiger ist als der, der im Dom wohnt.
Kommentar Nr. 16
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Frankfurter Skyline von der Deutschherrnbrücke aus gesehen, im Vordergrund Main und Flößerbrücke
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Foto: Roland Meinecke

Ein ehemaliger Banker erzählt 88 Minuten lang über seinen Beruf. Das klingt unheimlich langweilig, tatsächlich habe ich jede Minute an seinen Lippen gehangen. Und bedauert, dass Filme wie eine Einbahnstraße funktionieren. Ich hätte Rainer Voss so gerne noch Fragen gestellt, vor allem weil er a.) sehr sympathisch wirkt und b.) die Dinge so erklären kann, dass auch ein Laie sie versteht. Ich habe z.B. nie verstanden, warum Kommunen überhaupt spekulieren.

Es ist auch keine Dokumentation, die sich abnutzt, sondern ich habe eher den Eindruck, je mehr man über das Thema weiß, um so bereichernder ist sie, wenn man sie sich noch einmal ansieht. Auf jeden Fall darf die DVD bei mir alt werden. Ich empfand sie als eine sehr gute Zugabe zu *Tod eines Investmentbankers* oder auch dem Film *Unter dir die Stadt*, ob sie für sich alleine funktioniert, werde ich dann wissen, wenn ich sie von meiner Familie zurückbekomme.

Was mir sehr gefallen hat, war die Ausgewogenheit der Informationen, so wird die Arbeit der Banker nicht verteufelt. Im Gegenteil, ich bedauere inzwischen sehr, dass ich mein Schülerpraktikum bei einer (reinen) Investmentbank nicht ernster genommen habe. Oder überhaupt ernst. Aber war damals sauer, dass der Schuldirektor meinte, dass man für einen Job als Pferdewirt a.) kein Abitur braucht und b.) ich ohne Führerschein nicht zu den Ställen käme. Ganz davon abgesehen, dass ich c.) ohnehin in der Bank nichts Sinnvolles machen konnte. (Ich kenne ohnehin niemanden, der gute Startbedingungen hatte und so wenig daraus gemacht. Rückblickend ist mein Leben mehr als absurd.)

Fazit

Ich hätte nie gedacht, dass es funktioniert, wenn jemand 88 Minuten nur redet. Am Schluss hätte ich gerne die restlichen 35 Stunden auch noch gesehen.. Schade, dass Voss nach eigenen Bekunden kein Buch schreiben möchte, ich würde es sofort kaufen.

Darsteller: Esther Schapira, Michel Klöfkorn, Börres Weiffenbach, Marc Bauder, Hansjörg Weißbrich
Komponist: Bernhard Fleischmann
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Indigo
Erscheinungstermin: 11. April 2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 88 Minuten

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