Die Kriminalfälle Fritzl oder Kampusch verstören die Menschen. Niemand rechnet damit, dass die Nachbarn, die man gut zu kennen glaubt, sich als wahre Monster entpuppen.
Bei derartigen Ereignissen erwachen tiefste innere Ängste und Fragen: Kann jeder von uns zum Killer werden? Ab wann werden Fantasien und dunkle Wünsche zur realen gefährlichen Bedrohung? Lauern in uns allen Abgründe, von denen wir nichts wissen möchten?
Unsere Kindheit ist der Schlüssel zu unserem Wesen und macht uns zu dem, was wir sind. Aber lässt die mörderische Triade Bettnässen, Tierquälerei, Brandstiftung unweigerlich Psychopathen heranwachsen?
Das Buch erzählt über die scheinbar ganz Normalen , verschiedenste Abstufungen von Auff älligkeiten und vom Abstieg in schwärzeste Schluchten menschlichen Verhaltens.
Nach der Lektüre dieses Buchs werden Sie Ihre Nachbarn mit anderen Augen sehen
Ich hatte meine Zweifel, ob Bücher von einer Psychologin, die über *Erdgeistchen-Methoden* schreibt und die in – zumindest mir – höchst unbekannten Verlagen publiziert, etwas taugen könnten. Allerdings wollte ich mir auch nicht vorwerfen, Informationen über das allerneuste Interessensgebiet – Psychopathen – nicht gelesen zu haben und erstand das Buch bei Tauschticket.
Ich formuliere es einmal so: Meine Erwartungen haben sich erfüllt.
Mich störte bereits im ersten Kapitel deutlich, dass von Unmenschen die Rede ist. Gerade ein Psychologin sollte wissen, dass menschliche Verhaltensweisen eine sehr große Bandbreite aufweisen. *Unmenschlich* kann ein Mensch an sich nicht handeln, und auch wenn man dies gerne im Alltag verwendet – es macht einen Unterschied, ob ein Psychologe so etwas sagt / schreibt oder ein Laie etwas daher schwatzt.
Ich habe ziemlich schnell angefangen, von Kapitel zu Kapitel zu springen und einfach nur noch den Kopf geschüttelt. Eine Frau wird von ihrem Mann in jeder erdenklichen Art und Weise misshandelt, gegen ihren Willen geschwängert und tötet ihre Kinder. Diagnose: Soziopathin. Auch wenn ich nicht ausschließen kann, dass es in diesem Fall so war, ginge mein Urteil irgendwo Richtung Überforderung und Notwehr.
Als Beispiel für eine Weichenstellung in eine ungünstige Richtung nennt Handler die auf Unterordnung gedrillte Susanne Hecht, die, als Jugendliche geschwängert, den Kindesvater, der sie eigentlich ablehnt, zur Eheschließung nötigt. Hecht versucht das Herz ihres Angetrauten mit ihrer Fügsamkeit doch noch zu gewinnen. Indem sie sich ihm unterordnet und sich sexuell anbietet, hofft sie, ihm doch noch ein bisschen emotionale Wärme zu entlocken. So wird Hecht zum perfekten Opferlamm, das sich alles vom Ehemann bieten lässt. Nach dem dritten Kind verbietet Georg Hecht seiner Frau jede weitere Schwangerschaft. Doch Susanne hat scheinbar nicht genug. Sie entbindet neun weitere Kinder und tötet sie allesamt heimlich nach der Geburt.
Zusammenfassung einer Amazon-Rezi des Falles.
Ganz toll war die Erkenntnis, dass normales Verhalten situationsbedingt ist – da hat sich das Psychologiestudium richtig bezahlt gemacht. Alleine wäre wohl so schnell niemand auf die Idee gekommen, dass die Kleidung, die beim Christopher Street Day getragen wird, bei einer Bäckereifachverkäuferin deplatziert wäre. (Es sei denn, sie befände sich auf dem Event.)
Oder die Allgemeinplätze, dass sich kein Kind ausgesucht hätte, welche Eltern es bekäme und ob es überhaupt gezeugt werden wollen. Tja, Terminvereinbarungen sind da leider nicht möglich. Schön auch die geschwollene Ausdrucksweise, dass das Kind *10 Monde* ausgetragen würde. Ich dachte, die gängige Lehrauffassung wären 9 Monate. Auch die Tatsache, dass komplizierte Geburten nicht sonderlich förderlich für die weitere Entwicklung sind, weiß ich selbst. Genau wie, dass Erwachsene (in aller Regel) Babys deswegen mögen, weil sie knuffig aussehen und ihren Willen nur sehr bedingt zum Ausdruck bringen können. (Das böse Erwachen kommt für die Eltern dann, wenn die Kinder es wagen größer zu werden.)
Kommen wir zum eigentlichen Grund der Lektüre, den Psychopathen. Entweder hat Dutton in seinem Buch *Psychopathen : Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann* entweder eine Menge Mist von den führenden Psychopathen – Forschern wie Robert Hare zusammengetragen, oder die Autorin schreibt Mist, wenn in dem Buch steht, dass Psychopathen kein Angst empfinden können. Dass stimmt nicht, sie können nur das Gefühl der Angst nicht mit der Zukunft verknüpfen und leben eher nach dem *Wird schon gutgehen* – Prinzip. Außerdem habe ich immer noch meine Probleme mit den Psychopathen – Regeln (Link oben), da sie im Grunde nur vernünftig sind. Und wenn ich die anwenden würde, könnte ich mich in einigen Gruppen nicht mehr bewegen. Ich weiß nicht, wozu diese durchaus erfolgreichen Leute in der Lage wären, aber die Empfehlung, sich bei seinem Nachbarn kein Mehl und keinen Zucker zu leihen, finde ich leicht übertrieben.
Was auch der Grund ist, warum ich nach wie vor an meinem Testergebnis zweifele – wo der eine meint, sich rücksichtslos zu verhalten, hat der andere noch nicht einmal angefangen. So bringt die Autorin auch die Arte – Doku über Sam Vakim (Link oben) zur Sprache und wie seine Frau es mit ihm aushält.
Angesichts eines Bilderbuchpsychopathen in entfernter Umgebung und mit ähnlicher Konstellation sehr interessant. Die krasseste Geschichte von der ich gehört habe war, dass sie im Bett lagen und er sich – ihre Hand umschlossen – ein Messer mit den Worten *Wenn ich jetzt zudrücke, dann bin ich zwar tot, aber du kommst in den Knast* an den Hals hielt. Genau wie die Frau nicht das WC in der Wohnung benutzen darf, oft schon bei Nacht und Nebel floh und auch ihre Mutter schon psychisch von ihm misshandelt wurde. Und genau wie in der Doku – Sam Vakim demütigt seine Frau auch ständig – fragte ich mich: Wie hält sie das aus. Wie die Autorin schreibt, sind solche Partnerinnen Meisterinnen im Verleugnen – was passt. Die Dame meinte zu mir, als er sie vor versammelter Mannschaft als *faltiges, altes Arschloch* bezeichnete, er meine sie nicht. Wen denn sonst? Auch in wirtschaftlicher Hinsicht – meiner persönlichen Meinung nach von Insolvenz und einer Anzeige wegen Insolvenzverschleppung bedroht – sollen sie zumindest nach außen größte Zuversicht ausstrahlen. Ich gehe dort nicht mehr hin, ich habe keine Lust, bei einem falschen Wort ein Messer in den Bauch zu kriegen. *Unendliche Hoffnungsressourcen* trifft es bei ihr jedenfalls in mehrerlei Hinsicht.
Dazu kommen reißerische Bezeichnungen, so wird aus der Dunklen Triade eine Mörderische Triade, wobei die Dunkle Triade verschiedene Persönlichkeitstypen beinhalten und ihre Mörderische Triade Bettnässen, Brandstiftung und Tierquälerei. Wenn alle geschätzten eine Millionen Psychopathen in Deutschland Brandstiftung begingen, sähen unsere Städte anders aus. Den Ausdruck findet man im Internet nur im Zusammenhand mit ihr oder ihren Beispielen.
Fazit
Die Autorin reiht Fallbeispiele und Allgemeinplätze zu einem recht unbekömmlichen Brei zusammen. Dass die Autorin als klinische Psychologin arbeitet, lässt mich Mitleid mit ihren Patienten spüren. Wobei in den Kliniken wahrscheinlich die ganzen Nulpen unterkommen, die sich auf dem freien Markt trotz Mangel an Therapeuten nicht durchsetzen konnten. Von einer Psychologin, die Bettnässer zu potentiellen Mördern erklärt und mit Wörtern wie *Unmensch* oder *Monster* hantiert, möchte ich mich nicht unbedingt behandeln lassen. Auch die Erklärung, dass nicht jeder mit einer Persönlichkeitsstörung gefährlich ist, macht das Buch nicht besser.
Das Buch ist ein einziges Ärgernis.
Mag. Beate Handler ist Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Arbeitspsychologin und Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Sie verfügt über fundiertes Wissen über menschliche Verhaltensweisen und deren Abgründe.
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Goldegg; Auflage: Erstauflage (Oktober 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3902729457
ISBN-13: 978-3902729453
Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,4 x 3 cm
