Der französische Schriftsteller Gilles Perrault beschreibt in seinem neuen Buch „Geheimakte 51″, soeben deutsch in der „edition q“ erschienen, Unmenschliches über die Anwerbung eines Franzosen durch die CIA. Die Geschichte spielt in keiner realen Zeit, sie spielt immer, auch heute.
Ich fragte Perrault, ob die Verantwortlichen der Agenturen, auch diejenigen, die diesen Mann anwarben, der sich schließlich zum Fenster hinausstürzt, gar keine Beziehung zur Wirklichkeit besäßen?
Und: Ist die Anwerbung eines Agenten heute das gleiche, wie die Anwerbung von Agenten zum Kampf gegen Hitler im 2. Weltkrieg? Spielen der XX. Parteitag, der Tod Stalins 1953, die Folgen: Chrustschow, Gorbatschow etc. irgend eine – und welche – Rolle im Kopf oder wenigstens in der Wahrnehmung dieser Leute?
Quasi um Verzeihung bittend antwortete Perrault: „Gar keine, sie haben gar keine Ahnung, was in der Welt geschieht, es geht sie auch überhaupt nichts an.“
Warnung von Gilles Perrault an den Leser: Dies ist eine kalt-nüchterne Geheimakte. Wer sie aufschlägt, tappt in eine Falle: Er wird ihrer Fazination nicht mehr entkommen.
Im Mittelpunkt der dokumetarischen Monatge – Fortsetzung des Romans mit anderen Mitteln – steht ein junger Diplomat: *Kennziffer 51*, die Zielperson eines fremden Geheimdienstes, der sein Netz über ihm auswirft.
Rückentext
Gilles Perrault (eigentlich Jacques Peyroles; * 9. März 1931 in Paris) ist ein französischer Journalist und Romancier.
Perrault besuchte das Institut d’Etudes politiques in Paris, wurde Rechtsanwalt und übte diesen Beruf zunächst fünf Jahre aus. Nach dem Erfolg seines Essays ‘Les Parachutistes’ (Die Fallschirmjäger), der von seinem Militärdienst in Algerien inspiriert war und für den er den Prix Aujourd’hui erhielt, wandte er sich dem Journalismus zu (Reportagen über das Indien Nehrus, die Olympischen Spiele in Tokio und das Problem der Schwarzen in den USA). Danach unternahm er Recherchen über unbekannte Aspekte des Zweiten Weltkrieges, darunter auch ein Standardwerk über die Rote Kapelle.‘Le Secret du Jour J’ (1964) erhielt einen Preis vom Comité d’action de la Résistance und wurde ein internationaler Bestseller. ‘L’Orchestre Rouge’ (1967) wurde ein noch größerer Erfolg. 1969 hat Perrault einen Roman, ‘Le Dossier 51′, veröffentlicht. Ein neueres wichtiges Buch war seine Darstellung des Folterregimes von Hassan dem Zweiten, des damaligen Königs von Marokko, über den wegen seiner engen Beziehungen zum Westen vorher nur in schmeichelhafter Weise berichtet worden war. Das Buch Le garçon aux yeux gris diente als Vorlage für André Téchinés Film Les Égarés. Einige Bücher Perraults wurden auch ins Deutsche übersetzt.
Erster Satz:
Jean de Marlarielle, bevollmächtigter Gesandter im auswärtigen Dienst, wurde zum Botschafter Frankreichs in Kopenhagen benannt.
Letzer Satz
Wahrscheinlich war die Aufstellung fehlerhaft.
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Sehr verwirrend an dem Buch ist, dass weder von den Agenten noch von der Familie bzw. von der Zielperson Klarnamen verwendet werden; die Abteilungen der Geheimorganistion werden mit antiken Götternamen bezeichnet, alle anderen Personen sind durchnummeriert; 52 ist die Ehefrau von 51, 52a ihr Liebhaber, 53 und 54 die Kinder ect.. Ich habe das Problem so gelöst, dass ich mir die Personenliste, die dem Buch vorangestellt ist, kopiert habe.
Es ist fazinierend zu sehen, wie der Geheimdienst immer tiefer in die Biographie der Personen eindringt, andere Agenten in den Umkreis einschleust, dabei aber auch von inneren Querelen nicht verschont bleibt. Allerdings ist es ebenfalls sehr trocken, was die Motivation weiterzulesen trübt.
Der Leser, als Mitwisser eingeweiht, fühlt sich von dieser Geheimakte angezogen und angewidert, doch öffnet sich die Augen dafür, wie ein Mensch manipuliert, funktiostüchtig gemacht wird für antihumanistische Zweke.
Klappentext
Fazit:
Ein Agententhriller der ganz anderen Art.
384 Seiten
