“Cranford”, im Jahre 1853 in Buchform veröffentlicht, ist kein Roman im eigentlichen Sinne des Wortes. Es gibt weder Helden noch eine Fabel. Wir haben es vielmehr mit einer Folge von teilweise abgeschlossenen Episoden zu tun. Eine Mischung von Humor, Sentimentalität und Tragik durchzieht das Buch. Diese Miniaturmalerei einer zurückgebliebenen Kleinstadt und ihrer schrulligen Bewohner erinnert an ein Spitzweg-Gemälde, an ein Idyll, das nicht frei ist von Pathos.
Über den Autor
Elizabeth Gaskell, geb. 1810 als Elizabeth Stevenson in London, aufgewachsen in Knutsford (Cheshire) bei ihrer Tante, heiratete 1832 William Gaskell, einen unitarisch freikirchlichen Geistlichen und Universitätsdozenten in Manchester, mit dem sie fünf Kinder hatte. Während sich ihr Mann für die Bildung der Arbeiter engagierte, ist in Elizabeth Gaskells Korrespondenz immer wieder von den sozialen Härten des Frühkapitalismus die Rede. Ihr Erstlingsroman ‘Mary Barton’ verhalf ihr zur Bekanntschaft mit Dickens, für dessen Zeitschrift ‘HouseholdWords’ sie von nun an literarische Beiträge lieferte.
Ihr Erfolg brachte dem nicht gerade reichlich ausgestatteten Haushalt der Gaskells eine finanzielle Entlastung; nun konnte die Schriftstellerin Reisen unternehmen und in den literarischen Salons von London verkehren. Ein halbes Dutzend Romane und rund vierzig Erzählungen entstanden, außerdem eine Biographie von Charlotte Bronte. Sie starb 1865.
Das Buch ist faszinierend: Wie man es schafft Seite um Seite und Kapitel um Kapitel zu füllen, ohne das irgendetwas passiert, ist große Kunst. Nur ist es leider keine, die den Leser fesselt, da es absolut keinen Konflikt gibt, der es unterhaltsam machen würde, die Geschichten zu lesen. Eine Geschichte handelt von einem Sohn, der seinem Vater einen Streich spielt und dafür verprügelt wird – das war das einzige Bemerkenswerte auf 166 Seiten, die ich durchgehalten habe.
Ansonsten könnte man sich das Leben einer beliebigen Person nehmen – ohne Ehemann, Kinder oder Job – und ihren Alltag schildern. Natürlich darf diese Person nur gleichartige Freundinnen haben und als Höhepunkt des Tages zum Kaffee eingeladen werden.
Fazit:
Ich habe das Buch gekauft, weil mir die Serie gut gefiel, aber es ist eine fast unglaubliche Zumutung. Das Buch ist einfach nur schlecht, auch wenn das Leben der Mittel- / Oberschicht vermutlich genauso ablief.
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich die Serien zum Geburtstag bekam – und weil ja die Bücher noch besser als die Filme bzw. Serien sind.
Auf dieses Buch trifft das nicht zu. Wer die Serie nicht kennt ist sicher ganz zufrieden, aber ich habe mehr erwartet. Es fehlt der Witz, es fehlt die Ironie, es fehlt an Inhalt. Das Buch liest sich teilweise wie eine Einkaufsliste und ich musst mich zeitweise sehr bemühen weiter zu lesen. Andererseits wird in drei Sätzen ein ganzer Handlungsbogen erzählt, über den man als Leser gerne mehr Details erfahren hätte.
Für mich gilt: Einmal gelesen, danke, brauch ich nicht mehr. Es gibt bessere Literatur aus dieser Zeit.
Amazon-Rezi
Gebundene Ausgabe: 298 Seiten
Verlag: Nikol Verlag (August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868201149
ISBN-13: 978-3868201147
Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 13,2 x 2,8 cm
