Bücher in der Schuler, für einige sind sie eine Qual, andere freuen sich darauf, im Unterricht mal über ihr großes Hobby, das Lesen, sprechen zu können. Dazu gibt die Literatur eines Landes natürlich auch Einblicke in seine Kultur. Aber wie viel Sinn macht es eigentlich, Schüler quasi dazu zu zwingen, Bücher zu lesen, die sie sonst nie angefasst hätten? Sind (Nicht-)Leser dadurch motiviert, insgesamt mehr zu lesen oder ein bestimmtes Genre weiter zu verfolgen? Ich habe Marcel (18), Pascal (25), Birte (26) und Anna-Lisa (27, Eine unendliche Geschichte) gebeten, ihren eigenen Deutschunterricht noch einmal Revue passieren zu lassen und ihre Meinung zu den dort gelesenen Büchern mit uns zu teilen.
Nachdem meine Kommentare bei Streetread nicht freigeschaltet werden**, hier meine Erfahrungen zur Schullektüre:
Wer danach noch liest, muss lesen wirklich mögen; in den Schulen findet eine regelgerechte *Leseaberziehung* statt. Jedes Jahr rufen bei mir mehrere potentielle Nachhilfeschüler an, ob ich nicht bei *Sansibar oder der letzte Grund* helfen könne, das Buch wäre unverständlich – was mir sagt, dass es eher am Buch liegt, als an den Schülern. Und dass ich das Buch vielleicht mal lesen sollte, um die zumindest zeitweise abzukassieren.
Auch beliebt: *Der Schimmelreiter* – es gibt sogar ein ca. 70 – Seiten-starkes Aufgabenheft zu dem Buch, welches die Schüler hier im Ort (benotet) durcharbeiten müssen. Ebenfalls eine tolle Verdienstquelle und ich habe noch niemanden getroffen, der das Buch danach noch mochte.
Bei mir selbst war es ziemlich locker: Entgegen dem Ruf einer Privatschule viel Bildung zu vermitteln – auch wenn Schüler, die von der Schule auf öffentliche wechselten und danach in keinem Fach 1 ½ mehr etwas Neues serviert bekamen – kann ich mich im Deutschunterricht nur noch an *Magog* von Hohlbein und *Carrie* von King erinnern – letzteres allerdings kräftig gewürzt mit Informationen über christlichen Fundamentalismus.
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland kam im Deutschunterricht noch *Faust 1*, der Leistungskurs – dem ich mich verweigerte, weil der nur in Kombination mit Kunst zu haben war – , las noch *Nathan der Weise*. Insgesamt wohl nicht gerade die größte klassische Bildung, die man erwerben kann, aber dafür ziemlich schmerzfrei. (Edit: Bahnwärter Thiel haben wir noch gelesen. Die meisten schrieben in die Arbeit, dass das Buch total bescheuert wäre, weil keiner es verstanden hatte. Ich auch nicht, aber ich hatte mir den Inhalt von meiner Mutter vorkauen lassen und so die beste Arbeit geschrieben.)
Wirklich mit Klassikern kam ich erst im Germanistikstudium in Berührung und dies habe ich nach 2 Semestern geschmissen. Da hieß es: Meine Leselust oder das Studium, und da keine Aussicht bestand, das Studium auch nur halbwegs zu Ende zu bringen, wechselte ich dann auf Geschichte / Kunstgeschichte. Zumindest weiß ich jetzt, wie es den Schülern geht, die Texte lesen müssen, die sie nicht interessieren – nicht gut.
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Warum, weiß ich nicht. Das Blog existiert zwei Monaten und ich kann mich nicht erinnern, irgendetwas Schlimmes gesagt oder getan zu haben. Vielleicht leide ich unter Alzheimer.
Streetreader sagte:
Sorry, deine Kommentare sind von WordPress zum Spam sortiert worden, wo ich sie erst heute Morgen entdeckt habe. Habe sie dann aber auch ganz schnell freigeschaltet
nomadenseele sagte:
Dann bin ich erleichtert, weil ich dein Blog ausgesprochen interessant finde. Vielleicht bin ich als Spam markiert worden, weil ich zu viele Kommentare auf einmal geschrieben habe
Streetreader sagte:
Haha, vielleicht
Aber das soll dich auch nicht davon abhalten. Freut mich sehr, dass es dir bei mir gefällt!
kanaut sagte:
Aberziehung. Viele werden nie wieder ein Buch zur Hand nehmen, geschweige denn anderes schreiben als eine Einkaufsliste.
Im Baskenland stand an der Wand: Ein Volk das lesen kann und diese Fähigkeit auch nutzt, wird frei sein.
Nun, wie kann sich aus Zwang Freiheit entwickeln? Unmöglich. Aber ist Freiheit nicht das Gegenteil von Zwang und deshalb ohne den Zwang gar nicht denkbar?
Angesichts des Zwangs die gedruckten Kopfgeburten toter Federhelden zu lesen, fand ich meine eigene Regel: lies nichts von Toten und nichts das von Deutschen geschrieben wurde. Ich bestand die Reifeprüfung, auch dank des Verständnisses der Lehrperson.
nomadenseele sagte:
Was findest du an Klassikern und deutschen Autoren so schlimm?