New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens – mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag …
Luca Di Fulvio wurde am 13. Mai 1957 in Rom geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet.
Im Alter von 20 begann er mit dem Studium der Theaterwissenschaften an der Accademia d’Arte Drammatica Silvio d’Amico. Es gab über 600 Bewerber, und Di Fulvio konnte damals kaum fassen, dass er tatsächlich unter den 20 Auserwählten war. Sein Lehrmeister war übrigens Andrea Camilleri, der ihn als Dozent mit seinen anschaulichen, originellen Vorlesungen immer wieder begeistert und zu eigenem Schaffen angeregt hat.
Während des Studiums gründete Di Fulvio eine kleine Schauspielgruppe (La Festa mobile), und er schrieb ein Bühnendrehbuch zu Thomas Manns “Toni Kröger”, das er auch aufführte. Die Figur des Toni Kröger faszinierte ihn ob ihres großen Identifikationspotenzials nachhaltig, und so kam er schließlich selbst zum Schreiben.
Für die Hauptfigur seines Romans “Der Junge, der Träume schenkte” gibt es eine literarische Vorlage: Die Figur des Natale-Christmas ist eine Hommage an Joe Christmas aus “Light in August” von William Faulkner. Und auch hinsichtlich der Ausstrahlung seines Helden hatte Luca Di Fulvio konkrete Vorstellungen: Er hatte nämlich Silvio Muccino vor Augen, in Italien erfolgreich als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Einer Anekdote gemäß vermochte der charismatische Muccino einst einen ziemlich granteligen Filmproduzenten, der aus seinem Desinteresse an einem angebotenen Projekt keinen Hehl machte, mit seinem Wesen so sehr zu bezaubern, dass dieser schließlich völlig gebannt zuhörte. Und so kam Di Fulvio auf die Idee, für seinen Roman eine Figur zu schaffen, der ein besonderes Erzähltalent zu eigen ist, mit welchem er andere zum Träumen anregt, aufrüttelt und mitreißt.
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Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, dieses Buch (bis Seite 250) schlecht zu finden, es sind so viele Punkte, die mich abstoßen und irritieren:
1.)
Cetta kommt aus dem dörflichen Italien, also aus einer vermutlich zumindest vordergründig konservativen Gesellschaft. Dennoch findet sie sich in New York schnell ihre Rolle als Hure herein, als wenn sie im Puff aufgewachsen wäre. Dazu kommt eine fast unglaubliche Naivität, so geht sie in einen sehr teuren Laden einkaufen und erzählt dem Verkäufer strahlend, sie wäre Prostituierte. Wenn ich dies auf die Frankfurter Goethestraße übertrage, kommt mir die Szene noch unwirklicher vor.
2.)
Frauen, egal aus welcher Gesellschaftsschicht, kommen nur als Lustobjekte vor. Auch wenn bis lange in die 50er-60er Frauen eher als Nutztiere angesehen wurden, die man praktischerweise in der Stadt halten konnte, möchte ich keine 700 Seiten darüber lesen.
3.)
Der ständige Antisemitismus ist nach einem Buch wie Wintersonate, welches gerade mal 20 Jahre später spielt, unerträglich. Der Autor verstärkt dieses Bild noch, indem Juden entweder als reiche Industrielle oder als betrügerische Pfandleiher auftauchen.
4.)
Genau wie Cetta ist auch Ruth mit fast unbegrenzter Naivität gesegnet. Wie die Tochter eines Millionärs an einen Tagelöhner geraten kann, ist mir schleierhaft; das sind Welten, die nebeneinander herexistieren und wenig Berührungspunkte haben. Und was sollte sie auch mit ihm anfangen wollen? – Sicherlich ist nicht jeder Wohlhabende intelligent und nicht jeder Habenichts dumm, aber wenn ich mir Blogs wie Fräulein Krise ansehe, wüsste ich nicht, was er ihr zu bieten hätte, sei es geistig oder materiell.
5.)
Natale-Christmas, wohl die Hauptfigur des Buches, ist auch kein Sympatieträger. Er ist zwar schlau, sieht seine Zukunft aber als Bandenchef. Muss ich auch nicht unbedingt lesen.
Der Rest der Figuren teilen sich auf Nutten und Zuhälter auf. Das mag evtl. alles zeitgemäß sein, aber ich habe bei dem Buch die wichtigesten Voraussetzungen nicht: Ich will weder wissen, wie das Buch weiter- oder ausgeht und mir fehlt zumindest eine sympathische Figur.
Fazit:
Wie authentisch das Buch für Hell`s Kitchen der 1920er Jahre ist, weiß ich nicht, mir fehlt auf jeden Fall der Drang weiterzulesen. Ich habe das Buch gekauft, weil ich das Cover mochte, aber dies war ein Fehlschlag.
Taschenbuch: 784 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 9 (25. Januar 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404160614
ISBN-13: 978-3404160617
Originaltitel: La Gang dei Sogni
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 4,2 cm

Juergen sagte:
Ein Buch, das sich allein über Cover und Titel verkauft.
Bald wird es noch mehr geben.
Das Mädchen, das träumte.
Die Frau, die schlafwandelt.
Der Mann, der aus dem Traum kam.
Und alle mit einem Cover wie bei “Die Asche meiner Mutter”, Marke “altes Schwarz-Weiß-Bild der Jahrhundertwende, am besten noch mit einem zerlumpten, aber lächelnden Kind”
nomadenseele sagte:
Das will ich noch nicht einmal sagen, bei Amazon stehen fast ausschließlich positive Rezis und früher hätte ich das Buch auch gerne gelesen. Ich glaube, ich entwickle langsam einen ziemlich seltsamen Literaturgeschmack, früher konnte ich mich darauf verlassen, dass ich gut fand, was die Mehrheit gut findet, jetzt kann ich mich darauf nicht mehr verlassen. Dazu kommt, dass meine Hemmungen abzubrechen geringer geworden sind: Filmen gebe ich maximal 45 Minuten, Serien 3-4 Folgen***, Aufführungen bis zu Pause und bei Büchern ist es variabel. Es gibt natürlich auch Leute, die quälen sich durch, *weil sie es bezahlt haben*. Wie mein (Ex?)-WoW-Spielpartner sich ausdrückt: *Wenn ich etwas bezahlt habe, dann stehe ich es auch durch*. Ich mache das nicht. Ich sitze oft im Theater oder bei Konzerten und denke *Leute, dass kann euch doch unmöglich allen gefallen*, aber ich gehöre zu den wenigen, die in der Pause gehen.
Viele sagen auch, die *zweite Hälfte war besser*, gerade auch bei dicken Büchern lassen sich die Autoren oft zu viel Zeit die ganzen Verhältnisse zu erklären, wenn es dann spannend wird, habe ich oft schon abgebrochen.
Ich weiß nicht, was für mich das entscheidende Kriterium für den Abbruch war, eine große Rolle spielte sicherlich die klischeehafte Darstellung der Juden, das kam nach dem KZ-Roman *Wintersonate* gar nicht gut.
***
Viele meinten z.B. *Band of brothers* wäre so toll und ich hatte nach Folge 3,4 absolut keine Lust mehr, es weiterzusehen.