In eigener Sache: Das Ende der Belletristik – Durststrecke

Hervorgehoben

In letzter Zeit erschienen recht viele Sachbücher, und ich weiß, dass diese viele nicht interessieren. Es gehe aber davon aus, dass es Mitte der nächste Woche einen massiven Wechsel gibt. Sonntag kommen noch mal 2 Kochbücher, Montag haben 2-3 Sachbücher ihren Erscheinungstermin, Dienstag weiß ich noch nicht, aber für Mittwoch ist auf jeden Fall ein Krimi geplant. Da ich auch langsam Sachbücher über habe, werden die dann nur noch vereinzelt rezensiert werden. Zudem wird auch die Belletristik (hoffentlich) ein wenig mehr Mainstream sein.

Der September wird noch mal sachbuchlastig, die Geschichtsinteressierten können sich aber vorab auf afrikanische Königreiche und Byzanz freuen.

Philippe Pujol – Die Erschaffung des Monsters: Elend und Macht in Marseille

Marseille, Inbegriff von mediterraner Weltoffenheit, ist zugleich ein städtischer Kosmos, in dem massive soziale Gegensätze aufeinanderprallen. Philippe Pujol beschreibt die Stadt und ihre Akteure, von den minderjährigen Straßendealern bis zu der unheiligen Allianz zwischen Lokalpolitikern und Immobilienhaien. Wie in einem Brennglas zeigt er, was auch anderswo in Frankreich, ja europaweit zunehmend politischen und sozialen Sprengstoff birgt: Korruption und Klientelismus, ganze gesellschaftliche Bereiche, die in Armut, Kriminalität und Perspektivlosigkeit versinken und so zum Nährboden politischer Radikalisierung werden. Eine aktuelle Reportage von enormer literarischer Kraft und politischer Brisanz.

Notre-Dame de la Garde, la Calanque de Sugiton, le Vieux-Port, la Tour CMA-CGM (1)

Es ist gut 15 Jahre her, als mir jemand erzählte, dass er aus Marseille stammt. Ich für meinen Teil war begeistert und meinte, dass dies sicherlich ein sehr schöne Stadt wäre. Worauf die Replik kam, es gäbe dort sehr viel Kriminalität. Was ich wiederum schulterzuckend zur Kenntnis nahm, denn so kann es alles nicht sein – es ist schlimmer.

Wer das Buch liest, kann sich nicht vorstellen, dass solche Wohnviertel in Europa überhaupt existieren, diese Gewalt, diese Hoffnungslosigkeit, unternährte Babys, 10jährige Kinder, welche schon drogensüchtig sind und von einer Gangsterkarriere träumen; 17jährige, welche praktisch illiterat sind und deren Knastkarriere schon im vollen Gange ist. Beschrieben wird auch das Sozialsystem durch entsprechende Vereine drum herum, welche die Korruption fördert und bis in höchste Politikerkreise reicht.

Anzumerken ist allerdings, dass es eines der Bücher ist, für deren Thema man sich wirklich sehr interessieren muss, sonst wird die Lektüre trotz des leichten Schreibstils schnell schwergängig. Französische Besonderheiten in der Politik werden durch Fußnoten erklärt.

Fazit

Ich wollte immer mal nach Marseille, aber das ist mir ein zu heißes Pflaster.

Philippe Pujol, 1975 geboren, lebt und arbeitet als Journalist in Marseille. Seine Reportagen für die Tageszeitung La Marseillaise wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Albert Londres. Seit 2016 schreibt er zudem für die Schweizer Zeitschrift Sept.info. Die Erschaffung des Monsters ist sein erstes Buch auf Deutsch.

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Hanser Berlin (21. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446256865
ISBN-13: 978-3446256866
Originaltitel: La fabrique du monstre
Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 2,9 x 21,2 cm

(1) Von Exmagina, Arnaud 25, Michel Roux, Benh LIEU SONG – File:Tour cma cgm 2 credits Exmagina.jpg, File:Vieux port de Marseille.JPG, File:Calanques.jpg, File:Notre Dame de la Garde.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24068462