Literaturempfehlungen: Die besten Bücher des Jahres

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Literaturempfehlungen: Die besten Bücher des Jahres

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Carl Campeau – Meine Seele kriegt ihr nie: Als Geisel verschleppt, gefoltert und zum Islam gezwungen

Carl Campeau ist seit Jahren für die UN in den gefährlichsten Ländern der Welt im Einsatz. Bis er in Syrien von Terroristen der al-Nusra-Front entführt wird und einen unvorstellbaren Horror erlebt. Er wird verschleppt, eingesperrt und psychisch gefoltert. Campeau kämpft täglich gegen die Verzweiflung und seine Frau, eine Syrerin, versucht über Telefon und Skype das Leben ihres Mannes zu retten. Irgendwann kann Campeau fliehen und für ihn beginnt der lange Weg zurück ins Leben. Dieser Weg kreuzt sich auf spektakuläre Weise erneut mit einem seiner Geiselnehmer: Dieser wird als anerkannter Flüchtling in Deutschland festgenommen. Es kommt zu einem aufsehenerregenden Prozess, der durch die internationalen Medien geht. Für Campeau ist dieser Prozess ein weiterer Kampf, den er durchstehen muss. Neben dem Trauma der Entführung ist es besonders die Zwangskonversion zum Islam, die ihn zutiefst geprägt hat. Inzwischen wieder Christ, setzt er sich damit auseinander, beschreibt, wie er die Konversion als psychische Belagerung erlebt hat und wie er mit dem Islam, aber auch dem Christentum nach seiner Befreiung umzugehen versucht. Ein herausragendes Buch, das mit der Konversion ganz andere Themen in den Fokus setzt als vergleichbare Bücher. Und das die Geschichte eines Mannes erzählt, der nicht nur um sein Leben und seinen Glauben, sondern auch um Gerechtigkeit kämpft.

Landschaft nahe Aleppo (1)

So erschütternd und individuell schlimm Campeaus Schicksal in der Hand des IS gewesen ist, so wenig schockiert es nach Aqils *Mitten unter uns*. Gemein ist beiden Büchern, dass beide ihre Folterer in Deutschland wiedererkannten, allerdings werden wir dank unserer Sonnenkönigin wohl einige dieser *Flüchtlinge* in Deutschland haben.

Aqils Erlebnisse waren deutlich schrecklicher, was Campeaus Erfahrungen wie eine Luxusunterbringung wirken lässt. Ich möchte keinesfall durchmachen müssen, was er und seine Familie erleben mussten, aber wie schon geschrieben, im Vergleich ist es eher eine Unterkunft im Waldorf Astoria gewesen.

Dennoch schildert er sehr überzeugend den Psychoterror, den er ausgesetzt gewesen ist. Skandalös war geradezu, dass weder die UNO, in deren Auftrag er immerhin im Land war, noch Kanada bereit waren, ein Lösegeld für ihn zu zahlen. Er war also komplett auf sich alleine gestellt und musste sich auf der Flucht komplett auf sein Glück verlassen.

Fazit

Ein gut zu lesendes Buch, aber auch wenn es unredlich ist, Leid gegeneinander aufzuwiegen: Es gab (und gibt) härtere Schicksale in der IS-Gefangenschaft.


Carl Campeau (53) stammt aus Kanada, er ist studierter Jurist und Philosoph. Er arbeitet seit fast zwanzig Jahren für die UN. Er war in Bosnien, Albanien, dem Kosovo, Liberia und Syrien im Einsatz. Ab 1997 an war er als Wahlbeobachter, Menschenrechtsbeauftragter und Berater in Kriegs- und Krisengebieten tätig. Derzeit arbeitet er als Analysit für die Vereinten Nationen. Sein Aufenthaltsort kann aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht werden. Carl Campeau ist verheiratet und hat Kinder.

Terrorprozess in Stuttgart: 3,5 Jahre Haft für Syrer

Verlagsseite

Meine Seele kriegt ihr nie: Als Geisel verschleppt, gefoltert und zum Islam gezwungen
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Verlag Herder; Auflage: 1 (4. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3451379643
ISBN-13: 978-3451379642
Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 2,5 x 20,5 cm

(1) Von Taras Kalapun from Homs, Syria – Tree on a mountain, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4098462