Tess von Thomas Hardy war bis zur Mitte recht zäh zu lesen, danach zog mich das Buch jedoch regelgerecht in seinen Bann.

Nicht nur, weil an Tess Beispiel die Doppelmoral des Viktorianschen Zeitalters aufgezeigt wird (die sexuellen Verfehlungen des Mannes vergibt er sich, die Verführung / Vergewaltigung seiner Frau jedoch nicht), während immer mehr die kulturellen Leistungen dieser Zeit in den Vordergrund rückt. Was den Roman auf den ersten Blick zäh erscheinen ließen, waren die langen Naturbeschreibungen, die aber später entweder abnahmen und ich hatte mich an sie gewöhnt. Was ebenfalls sehr zur Atmosphäre des Buches beigetragen hat, war die Beschreibung des Hereinbrechens der Industriellen Revolution in den Alltag der Bauern: Bis zur völligen Erschöpfung müssen die Landarbeiter den *unersättlichen Verschlinger* befüllen, der keine Pause duldet.

Gespannt bin ich auf den Film Tess von Roman Polanski. Gespannt bin ich vor allem, wie Polanski sich in der Szene entschieden hat, in welcher Tess ihre Unschuld verliert – Vergewaltigung oder Verführung?

DVD-Rezi