Die Autorin

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Mitchell, Margaret US-amerikan. Schriftstellerin *8.11.1900 Atlanta (Georgia), †16.8.1949 ebd. Vom Winde verweht, 1936 Margaret Mitchell erlangte Weltruhm mit ihrem einzigen Roman Vom Winde verweht, in dem sie den amerikanischen Sezessionskrieg (1861-65) und seine Auswirkungen auf die Südstaatengesellschaft verarbeitet hat. Mitchells Vorfahren waren u.a. Baumwollfarmer und Bauholzfabrikanten. Bereits mit sieben Jahren fing sie an, Geschichten zu schreiben. 1918 besuchte sie ein Jahr lang das Smith College in Massachusetts. Als ihre Mutter starb, kehrte sie nach Atlanta zurück, um ihre Familie zu versorgen. Nach einer gescheiterten Ehe arbeitete sie als Journalistin und verfasste u.a. eine Serie über Georgias Generäle im Sezessionskrieg. Zehn Jahre arbeitete sie an ihrem Roman, für den sie 1937 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Im Alter von 48 Jahren kam sie bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Biografien: A. Edwards, Margaret Mitchell. Der Weg nach Tara, dt. 1983;

Das Buch

Die allermeisten Zeitgenossen verbinden mit „Vom Winde verweht“ wohl einen schnulzigen Schmachtfetzen, der im Vordergrund eine banale Liebesgeschichte erzählt. Das aber ist weit gefehlt! Scarlett OŽHara ist gegenüber aller ihr anhaftendenden Volksmeinung kein sittsam schmachtendes Naivchen oder gar die gute warmherzige Heldin, die vom Schicksal gebeutelt sich diesem ergibt. Eigentlich ist sie ein ziemlich durchtriebenes Frauenzimmer, das es mit dem Leben aufnimmt, auch über alle gesellschaftlichen Schranken hinweg und alles andere ist als bei ihren Mitmenschen beliebt. Letztlich bekommt sie alles was sie sie sich in den Kopf gesetzt hat und steht nach jedem Schicksalsschlag wieder auf, eine starke Persönlichkeit, die mit allem irgendwie fertig wird. Tragischer Weise hat sie ihr Liebesleben nicht so gut im Griff. Ihre große Liebe wendet sich aus familiärer Heiratspolitik einer anderen zu und den Mann, der sie über alles liebt, wird sie erst zu lieben wissen wenn es zu spät ist… Scarlett O`Hara ist keine einseitige, „platte“ Klischeefigur, sondern ein vielseitiger Charakter, der in bis in die Untiefen ihrer Seele hinein ausgefeilt wurde. Auch der Leser wird ihr, trotz der nachvollziehbaren Motovation für ihr Handeln, nicht immer leicht seine Sympathien schenken können… äußerlich zweifelsohne eine Schönheit, lauern in ihr jede Menge Temperament, weibliche List, kühle Taktik, Tatkraft und alle Abgründe menschlichen Seins, einschließlich einer gesunden Portion Vulgarismus.

Da ist die Antiheldin Melanie schon umgänglicher gestrickt. Sie ist der wahre Sympathieträger der Geschichte, fast engelsgleich und doch von erstaunlicher Stärke und Zähigkeit. Sie bestimmt die Handlung aus einer innewohnenden Energie, agiert aus der Zurückhaltung heraus.

Die männlichen Helden könnten unterschiedlicher nicht sein: da ist Rhett Butler, der klassische charmante Draufgänger, mit allen Wassern gewaschen, dem Herz am rechten Fleck und der Tragik sich vor der einen großen, unglücklichen Liebe nicht schützen zu können. Dagegen steht Ashley Wilkes, ein romantischer Träumer- aus heutiger Sicht ein zauderndes Weichei, das sich widerstandslos in alles ergibt.

Der Plot ist aber nicht ein reines Liebesthema. Sollte man den Inhalt auf einen einzigen Begriff zusammenziehen, so muss es „Überleben“ sein. Man taucht ein in die ritualisierte Welt des Südstaatenadels, die mit Ausbruch des Bürgerkrieges demontiert wird. Man wird Zeuge des Verfalls einer Gesellschaft, die nach eigenen festgefügten Regeln funktionierte. Allen Mitgliedern dieser Gesellschaft, die dieser eigenen Weltanschaung nach lebten, wird recht brutal der Boden unter den Füßen entzogen. Das Danach ist ebenso mitreißend wie das Leben mitten in einem Krieg, dessen Umstände seiner Entstehung und Alltag anschaulich geschildert werden. Gleiches spielt sich in der Parallelwelt der Neger ab: Sie er- und durchleben die Zeit vor dem Krieg (nämlich als Sklaven) und das Danach natürlich aus einer völlig anderen Perspektive heraus. Amazon

Die auf der fiktiven Baumwollplantage Tara bei Atlanta aufgewachsene Scarlett O’Hara liebt Ashley Wilkes, den Erben der Nachbarplantage Twelve Oaks, der jedoch seine Kusine Melanie Hamilton zum Altar führt. Aus Trotz heiratet Scarlett Melanies Bruder Charles. Die Männer ziehen in den beginnenden Bürgerkrieg, und Charles stirbt im Ausbildungslager an Lungenentzündung. Scarlett stellt fest, dass sie schwanger von Charles ist. Sie bringt Wade Hampton zur Welt, der ihr lästig ist.

In der Hoffnung, Ashley wieder zu sehen, zieht Scarlett nach Atlanta zu Melanie und Tante Pitty Pat. Dort trifft Scarlett auf den Abenteurer Rhett Butler, den sie von einer früheren Begegnung kennt und mit dem sie sich in Atlanta vergnügt. Die Truppen der Nordstaaten greifen Atlanta an und Scarlett muss währenddessen zusammen mit der hilflosen und hysterischen Sklavin Prissy Melanie bei der schweren Geburt von Ashleys Sohn beistehen. Bei der anschließenden Flucht zur Heimatplantage Tara hilft ihr Rhett Butler. Er treibt ein Pferd und einen Fuhrwagen auf und bringt sie mit Melanie und den Kindern aus dem brennenden Atlanta. An der Stadtgrenze verlässt er sie, um sich den Truppen der konföderierten Staaten anzuschließen, die sich auf dem Rückzug befinden.

Als Scarlett in Tara eintrifft, findet sie den Leichnam ihrer Mutter vor, die einige Tage zuvor an Typhus gestorben ist. Ihr Vater hat darüber den Verstand verloren, die beiden Schwestern sind krank und neben den Yankees haben konföderierte Marodeure und entlaufene Schwarze fast alles gestohlen. Die bis dahin reichen Sklavenhalter lernen Hunger und Elend kennen.

In dieser Situation wird Scarlett zum Oberhaupt der Familie, treibt Nahrungsmittel auf, versucht, den Alltag wieder in geordnete Bahnen zu bringen, treibt alle zum Arbeiten an und tötet sogar, um ihr Haus und die Familie zu schützen. Ashley kehrt in der Zwischenzeit aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Erneut versucht Scarlett, ihn für sich zu gewinnen und will sogar mit ihm durchbrennen. Doch Ashley ist durch den Krieg traumatisiert und hat sich in eine Scheinwelt vor dem Krieg zurückgezogen.

Als die Yankees überhöhte Steuern für Tara verlangen, heiratet Scarlett kurzerhand den langjährigen Verlobten ihrer Schwester, um an sein Geld zu kommen. Scarlett entwickelt sich mit dem Bauholz-Geschäft ihres Mannes Frank Kennedy zu einer gerissenen Geschäftsfrau. Sie bringt Kennedys Tochter Ella Lorena zur Welt, das ihr genauso unwichtig wie ihr erstes Kind ist, und arbeitet weiter. Sie verkehrt mit Yankees und mit dem als Kriegsgewinnler verschrienen Rhett Butler.

Nach einem Überfall auf Scarlett nimmt ihr Mann an einem Racheakt des Ku-Klux-Klan teil, der ihn das Leben kostet. Am Tag der Beerdigung von Frank Kennedy macht der schon lange heimlich in Scarlett verliebte Rhett Butler ihr einen Heiratsantrag, den sie nach kurzem Zögern annimmt. Rhett überhäuft sie mit Luxus und allen erdenklichen Vergnügungen. Obwohl Scarlett ihr drittes Kind, das Mädchen Eugenie Victoria, genannt Bonnie, zur Welt bringt, ist die Ehe nur oberflächlich glücklich, weil Scarlett noch immer an ihrer Liebe zu Ashley festhält.

Eines Abends fällt der wütende und angetrunkene Rhett über Scarlett her, um „den unsichtbaren Dritten in seiner Ehe aus ihren Gedanken zu löschen“. Scarlett traut sich allerdings danach nicht, Rhett zu gestehen, wie sehr sie diese stürmische Liebesnacht genossen hat, und so entfremden sich die Eheleute immer mehr. Trotzdem freut sich Scarlett auf ihr Kind, als sie merkt, dass sie in dieser Nacht erneut schwanger geworden ist. Als Rhett jedoch von einer Reise mit seiner Tochter zurückkehrt, kommt es zu einem tragischen Missverständnis und einem heftigen Streit, in dessen Verlauf Scarlett die Treppe hinunterfällt und eine Fehlgeburt erleidet.

Der Versuch, die Ehe zu retten, wird vom Tod der Tochter Bonnie vereitelt, die sich beim Hürdenspringen mit ihrem Pony das Genick bricht. Rhett verliert darüber fast den Verstand. Er schließt sich tagelang mit dem Leichnam seiner Tochter ein und nur Melanie gelingt es schließlich, ihn herauszulocken. Melanie ist trotz ärztlicher Warnung erneut schwanger geworden und stirbt bei der Geburt des Kindes.

Am Schluss des Romans erkennt Scarlett, dass ihre Liebe zu Ashley ein Hirngespinst war und sie eigentlich schon lange ihren Ehemann Rhett Butler liebt. Doch für Rhett, der so lange vergeblich auf Scarlett gewartet hat, kommt diese Erkenntnis zu spät. Scarletts Geständnis ist ihm gleichgültig, er verlässt sie und Scarlett beschließt, nach Tara zurückzukehren. Wikipedia

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Im Film wird Scarlett als ein mit allen Wassern gewaschenens Biest geschildert. Diesen Eindruck hatte ich in dem Buch nicht. Sie versucht zu überleben und rettet viele ihrer Angehörigen. Wer mir richtig auf den Nerv ging war dagegen Melanie. Deren Gutartigkeit und Naivität war so grenzenlos, dass es sehr unglaubwürdig wirkte. Schön geschildert wurden die Gesellschaft der Südstaaten, die geschichtlichen Hintergründe während und nach dem Krieg und die Veränderungen, welche er mit sich brachte.