Aus der Amazon.de-Redaktion
Zwei Kinder, zwei Familien, zwei Schicksale: Da ist Alice, deren Vater seiner Tochter einen Skikurs aufdrängt, die das aber gar nicht will, Angst hat, ein „Hosenscheißer“ zu sein, schließlich verunglückt und ein steifes Bein zurückbehält. Und da ist Mattia, der einmal, nur ein einziges Mal nicht auf seine behinderte Zwillingsschwester aufpassen wollte, und das mit fatalen Folgen.

Schon der Titel löst Beklemmung aus: Das Bild der Primzahlen, isoliert von anderen und einsam, wie Menschen, die mit der Unmöglichkeit leben, sich jemals zu berühren, Nähe zu empfinden, zueinander zu finden. Diese Unmöglichkeit, dass auch tiefste Gefühle diese Distanz brechen könnten, beherrscht von Begin an den ungeheuer imponierenden und eindringlichen Roman des noch so jungen und schon mit Italiens renommiertestem Literaturpreis ausgezeichneten Italieners.

Alice hat es schwer in der Schule, wird aufgrund ihrer Behinderung gehänselt und gemobbt von der „Vier- Zicken- Phalanx“, einer „geschlossenen, gnadenlosen Front“, geradezu gequält. „Dir ist es ganz egal, dass du mein Leben zerstört hast.“ Sie hasst ihren Vater, gibt ihm die Schuld für ein nicht gelingen wollendes Leben. Ebenso wie Mattia, den sie während der Schulzeit kennen lernt, trägt sie sich mit Schuldgefühlen: nie hat sie dem Wunschbild des Vaters entsprechen können. Tiefe Wunden auch bei Mattia, der die unausgesprochenen Vorwürfe der Eltern fühlt. Auch er zieht sich in sich zurück und was Alice die Essstörungen, das sind Selbstverletzungen für ihn. Sehnsüchte, verborgene Liebe auf beiden Seiten, und nirgendwo ein Weg sie auszuleben, mitzuteilen, die Wunden der Kindheit und Jugend zu überwinden. Nur immer wieder die starke gegenseitige Anziehungskraft: „…zwei Menschen, die im jeweils anderen die eigene Einsamkeit wiedererkannt hatten.“

Als „sensationelles Romandebüt“ wird er gefeiert, der junge Autor aus Turin und in der Tat, es ist auffällig, geradezu ergreifend, dass ein junger Mann, Jahrgang 1982, über 370 Seiten hinweg ohne Mühe und Schwächen sich so tief in die zwei Seelen seiner Protagonisten begeben kann. Überaus einfühlsam, so, dass man Verletzungen fast wie selbst erlebt empfindet, es stellenweise fast körperlich weh tut, dem Schicksal von Alice und Mattai zu folgen. Ein schmerzhafter, aber sehr warmherziger Roman über das Erwachsenwerden und die Wunden der Kindheit.

Alice macht ihren Weg als Fotografin, begegnet Mattia, der Mathematik studiert immer wieder in ihrem Leben, und obwohl sie beide wie füreinander bestimmt scheinen, bleibt die entscheidende Frage: „Du musst dich nur entscheiden. Gehst du oder nicht. 1 oder 0, wie ein binärer Code.“ Bei der Frage Lesen oder Nicht-Lesen ist die Antwort absolut eindeutig und schnell gegeben: Unbedingt lesen! — Barbara Wegmann
Pressestimmen
„“Die Einsamkeit der Primzahlen“ erzählt – sprachlich meisterhaft – von Schuld, traumatisierten Seelen und einer unmöglichen Liebe. Klingt anstrengend – und ist doch ein fulminantes Lesevergnügen, denn Paolo Giordano jongliert souverän und phantasievoll mit Bildern und hat eine wundervolle Sprache. Spannend und tiefgründig ist sein Romandebüt, das man, einmal angefangen, nur schwer aus der Hand legen wird.“ (Peter Twiehaus, ZDF Morgenmagazin )

„Ein ungewöhnlich spannendes Buch.“ (Thomas Hocke in Focus )

„Giordano hat Stil. Er überträgt die Schweigsamkeit seiner Figuren auf seinen Roman selbst. Kein Wort zu viel; keine blumigen metaphorischen Girlanden; karge, einfache Sätze, die keinen Widerstand leisten. Solchen Minimalismus schätzt der Autor an Raymond Carver. Es entsteht so eine sentimentale Geschichte, die weitgehend unsentimental erzählt wird. Sie gewinnt die Gunst des Publikums auf andere Weise. Darin besteht die Kunst Paolo Giordanos. Da große Worte fehlen, muss sich der Blick an die kleinen Dinge halten. Sie verlieren dadurch ihren Charakter als Werkstoff und verwandeln sich in beziehungsreiche Symptome dessen, was verschwiegen wird. … Das ist das eigentlich Erstaunliche dieses Romans der gescheiterten Wahlverwandtschaften. Er offeriert seine Geschichte weithin im Modus der Enthaltsamkeit und findet doch üppigen Zuspruch – durchaus ein Kompliment an die Leserschaft. Deutet sich darin eine neue Sensibilität an, die am Ufer selbstbeherrschter Schriftlichkeit Erholung von medialen Überschwemmungen in Wort, Bild und Ton sucht?“ (Winfried Wehle, Frankfurter Allgemeine Zeitung )

___

Paolo Giordano wurde 1982 in Turin geboren. Dort hat er auch Physik studiert und gelehrt. Nach einigen Kurzgeschichten hat er „Die Einsamkeit der Primzahlen“ als Debüt veröffentlicht und damit 2008 in Italien einen überwältigenden Erfolg gehabt. Der Roman wurde zum meistverkauften Buch des Jahres und Paolo Giordano wurde als jüngster Autor überhaupt mit dem wichtigsten Literaturpreis Italiens, dem Premio Strega, ausgezeichnet.

Deutschlandradio

Als ich gestern noch 200 Seiten las, war ich sehr gut im Lesefluss drin und wahrscheinlich ist es ohne Probleme möglich, alle 400 Seiten in einem zu lesen.
Als ich heute wieder anfing zu lesen, dachte ich nur: Interessiert mich nicht, was das Buch mit den meisten Romanen über Beziehungsprobleme gemein hat – geht mich nichts an, ist nicht meine Welt.

Zudem gibt es eine Reihe schwerer Ungereimtheiten:
1.) Alica ist offensichtlich magersüchtig, baut sich bei Tisch kleine Burgen aus Servierten, um dort ihre Essensreste reinzupacken. Die Familie scheint dies zu ignorieren, anderen Rezensionen nach dann auch ihr Ehemann als Arzt.
2.) Mattia ritzt sich ständig die Haut auf, dies geht soweit, dass er im Biologie-Unterreicht das Seziermesser zwischen Daumen und den anderen Fingern ansetzt, um bis zum Knochen zu schneiden. Macht nichts, Verband drauf und das Leben geht weiter.
3.) Die Eltern sind merkwürdig nicht präsent. Sicherlich ist es in vielen Familien normal, dass die Eltern viel im Ausland sind und die Kinder der Haushaltshilfe, Kindermädchen ect. überlassen, aber das ist hier nicht der Fall. Sieht man von Alicas überehrgeizigen Vater ab, der seine Tochter im Prolog in einen Sport zwingt, den sie nicht ausüben möchte, gibt es die Eltern einfach nicht, obwohl sie zu Hause sind.

Dies gekoppelt mit einem Thema, welches mich nicht interessiert, haben dazu geführt, dass ich es abgebrochen habe. Das ist sehr schade, da ich zum ersten Mal seit langem die Handlung wie einen Kinofilm vor mir ablaufen sah – eine Fähigkeit, die ich schon verloren glaubte.

Primzahlen sind nur durch 1 und durch sich selbst teilbar. Sie haben ihren festen Platz, eingeklemmt zwischen zwei anderen, in der unendlichen Reihe natürlicher Zahlen, stehen dabei jedoch ein Stück weiter draußen. Es sind misstrauische, einsame Zahlen. […] Primzahlzwillinge werden sie von Mathematikern genannt: Paare von Primzahlen, die nebeneinanderstehen oder genauer, fast nebeneinander, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die verhindert, dass sie sich tatsächlich berühren. […] Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können.

(Paolo Giordano – Die Einsamkeit der Primzahlen)

Fazit:

Das Buch hat mich nicht im geringsten angesprochen.

# Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
# Verlag: Karl Blessing Verlag (17. August 2009)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3896673971
# ISBN-13: 978-3896673978
# Originaltitel: La solitude dei numeri primi
# Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,4 x 3,6 cm

FAZ
Perlentaucher
Lovely Books
Radiergummi
Literatopia
Büchereule
Ada Mitsou