Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie gut kennt man eigentlich seine besten Freunde? Wieder einmal lässt sich der eher unfreiwillige Privatdetektiv Alex McKnight überreden, für einen Freund Nachforschungen anzustellen. Eigentlich möchte der ehemalige Polizist in dem Örtchen Paradise inmitten der Wälder Michigans an den Großen Seen schlicht sein Leben genießen. Doch da bittet ihn sein indianischer Kumpel und Jagdführer Vinnie, mit ihm nach Kanada zu fahren, um seinen verschwundenen Bruder zu finden. Obwohl dieser unter Bewährungsauflagen steht, hat er mit Vinnies Jagdlizenz eine Gruppe Jäger über die Grenze gebracht. Jetzt sind die Männer in den kanadischen Wäldern verschollen. Vinnie und Alex machen sich auf die Suche, die sich bald zu einer erbarmungslosen Jagd auswächst, in der die beiden Freunde die Gejagten sind und lange nicht klar ist, wer sie jagt und warum sie in der Einsamkeit der kanadischen Wälder zur Strecke gebracht werden sollen.

Himmel voller Blut ist der fünfte Roman um den ehemaligen Polizisten Alex McKnight innerhalb einer Krimiserie, die sich von Buch zu Buch steigert. Er ist zugleich Steve Hamiltons stärkster und härtester Krimi, leidenschaftlich geschrieben, voll trockenem Humor und brillanten Sarkasmen, aber ohne Zynismus oder obszöne Brutalität. Hamilton versteht es virtuos, den Lesern mit seiner geradlinigen und spannenden Erzählung Räume für die eigene Fantasie und die eigenen Ängste zu lassen. So richtet man sich selbst buchstäblich in seiner Welt ein, schon weil bei Hamilton immer alles recht harmlos beginnt.

Doch dann wächst das bedrohliche Gefühl, das in dieser idyllischen Welt allzu vieles im Verborgenen liegt. Gerade dieses Spiel mit dem verborgenen, aber doch so nahen Grauen ist Hamiltons Stärke. Und da dies alles sehr realistisch geschildert wird, wirken Hamiltons lakonische Kriminalgeschichten außerordentlich „thrilling“.

Steve Hamilton ist ein Mann, der entweder die Arbeit liebt oder ein sicheres Einkommen schätzt. Obwohl inzwischen als Schriftsteller erfolgreich, hat er seinen »richtigen” Beruf nicht aufgegeben und ist weiterhin für den Konzern IBM tätig. Sein Herz gehörte – man liest dies wohl in jeder Autorenbiografie – jedoch seit jeher dem Fabulieren. Schon mit zwölf Jahren schickte er (erfolglos) eine erste Kurzgeschichte an das «Ellery Queen Mystery Magazine”. Seine berufliche Zukunft trieb ihn freilich wie bereits erwähnt in eine ganz andere Richtung.

Nach zehn Jahren Tätigkeit für IBM ließ sich der alte Traum vom Schreiben nicht länger unterdrücken. Hamilton belegte Kurse in einer Schreibwerkstatt. Als er damit begann, einen ersten Roman zu verfassen, ging er zielorientiert vor: Ein großer Verlag lobte für den besten Krimi eines Nachwuchs-Autoren einen Preis aus und – was noch wichtiger war – versprach die Veröffentlichung. Hamilton schrieb »A Cold Day in Paradise” (1998; dt. «Ein kalter Tag im Paradies”) und gewann – auch solche Geschichten werden gern erzählt – den Wettbewerb!

Ich bin geneigt, den Titel des schlechtesten Alex McKnight – Krimis an *Himmel voll Blut zu* vergeben, auch wenn *Nördlich von Nirgendwo* in meiner Sammlung fehlt, wodurch mir entgangen ist, warum der durchaus sympathische Prudell nicht mehr als Privatdetektiv arbeitet und eine Hütte abgebrannt ist.

Stattdessen drehte sich die Handlung zum großen Teil um den mir sehr unsympathischen Vinnie LeBlanc. Ich kann noch nicht einmal sagen, warum ich ihn nicht mag, ich kann ihn einfach nicht leiden. Auch die Anzahl der Leichen war mir zu groß, zudem war die Auflösung für mich nicht schlüssig. Auch das wie in *Der Linkshänder* mit Orcas Beach, Michigan mit Lake Agawaatese ein Ort eingeführt wird, der nicht auf der Landkarte verzeichnet ist, finde ich schade und unpassened zur Serie.

Wo andere Autoren bereits auf die Zielgerade einbiegen, setzt Steve Hamilton erst richtig zum Höhenflug an. Noch mehrere aufregende Höhepunkt werden folgen, bis der Bodycount im Finale bei elf (!) Leichen steht.

Dabei bietet «Himmel voll Blut” alles andere als eine simple Metzelstory. (Der Unheil verkündete Titel ist übrigens die Übersetzung eines indianischen Personennamens.) Selten gelingt es einem Kriminalschriftsteller, so viele Bluttaten als Kette bizarrer, aber in ihrer konsequenten Sinnlosigkeit beklemmender Ereignisse zu schildern. Die elf Menschen sterben sämtlich aus den »falschen” Gründen. Die scheinbaren Schurken sind hier oft Opfer, im falschen Moment am falschen Ort, ihre Mörder eigentlich unzurechnungsfähig. Gewalt gebiert Gewalt: Eindrucksvoll weiß Hamilton diese uralte Binsenweisheit mit Leben zu erfüllen.

Krimi-Couch

Fazit:

Ich bin froh, dass ich die Alex McKnight-Serie abschließen kann, auch wenn noch ein Krimi außerhalb der klassischen DuMont-Reihe darauf wartet, gelesen zu werden.

Thrilling Detective

# Taschenbuch: 330 Seiten
# Verlag: Dumont Buchverlag (2003)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 383218323X
# ISBN-13: 978-3832183233
# Größe und/oder Gewicht: 18 x 11 x 2,4 cm