Im Hawaii der 1920er Jahre wird das schwärzeste, liebenswürdigste und reichste Schaf der noblen Bostoner Familie Winterslip ermordet. Leiter der Ermittlungen wird ausgerechnet ein Chinese – Charlie Chan. Mit ebenso farbiger wie blumiger Sprache, außerordentlichem Scharfsinn und praktischem Konfuzianismus löst er den Fall und wird zum Vater aller ethnischen Detektive und zum Helden von weit über sechzig Filmen und Fernsehserien. DuMonts Kriminal-Bibliothek stellt seine Fälle erstmals in kompletten deutschen Übersetzungen vor.

Krimi-Couch

Geboren wurde Earl Derr Biggers 1884 in Warren, Ohio, mitten im noch wilden Westen, wie er später gern zu Besten gab. Einem Studium in Harvard folgte eine erfolgreiche Karriere als Humorist und Kritiker für den »Boston Traveler«. 1911 veröffentlichte Biggers seinen ersten Roman, heiratete Miss Eleanor Ladd aus Medford, Massachusetts, zog nach New York City, verfasste eine erste Theaterkomödie (»If You’re Only Human«), setzte seine Karriere als Humorist fort und begann eine neue als gefeierter, überaus produktiver Bühnenautor. 1919 brach er auf zu neuen Ufern, die paradoxerweise mitten in der Wüste lagen: Mr. Biggers ging nach Hollywood, wo man einen Mann mit seinen Talenten durchaus zu würdigen wusste.
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Der Humorist Biggers scheint in den zahllosen Aphorismen durch, die dieser seinem Helden in den Mund legt; heute erscheinen diese »Chanismen« freilich reichlich albern und abgeschmackt, wie überhaupt Chans angeblich komischen Verdrehungen der amerikanischen Sprache einen schalen Nachgeschmack hinterlassen.

Was uns zur unschönen Frage trägt, ob denn die Charlie Chan-Romane aus politisch korrekter Sicht nicht als bodenloser Sumpf rassistischer Stereotypen zu verdammen sind. Hier muss man wiederum zwischen Film und Buch scheiden, denn den Schwarzen Peter behält Hollywood. Earl Derr Biggers hat sich im Rahmen des zeitgenössischen Weltbilds durchaus weit aus dem Fenster gelehnt. Auch im »Chinesenpapagei« gibt es einige Szenen, die sehr deutlich machen, dass der Verfasser Charlie Chan ungeachtet aller skurrilen Züge ganz sicher nicht als Menschen zweiter Klasse oder Vorzeige-Exoten abgewertet wissen wollte. Statt dessen streut Biggers immer wieder Momente ein, in denen er dünkelhafte Bleichgesichter gar nicht gut dastehen lässt. Chan ist bei aller Zurückhaltung sehr wohl ein selbstbewusster, von seinen Fähigkeiten eingenommener Charakter, der als solcher von seinen denkenden Mitmenschen auch wahrgenommen und respektiert wird.

Zu Lebzeiten Earl Derr Biggers war den Charlie Chan-Romanen nur bescheidener Erfolg beschieden – mit einiger Berechtigung, wie man wohl sagen muss. Tragischerweise starb der Verfasser gerade dann, als Hollywood wirklich auf ihn aufmerksam geworden war. Charlie Chan überlebte ihn, benötigte seine ohnehin zweifelhafte Schützenhilfe auch gar nicht mehr. Bis auf den heutigen Tag ist er in immer neuen Inkarnationen präsent, während sich kaum mehr jemand seines Schöpfers erinnert.

Krimi-Couch

Das Buch war nervenaufreibend – aber nicht wegen seiner unerträglichen Spannung, sondern wegen der kompletten Abwesenheit eben dieser.

Langatmig werden Hawaii und seine Gesellschaft beschrieben, der Mord kommt erst auf Seite 50 vor, was aber auch nicht dazu führt die Handlung in Schwung zu bringen. Chans nervige Sprache tat ein Übriges, mir das Buch zu verleiden. Er ist Kriminalbeamter und wird doch als solches normales Englisch sprechen? Auf mich wirkte es leicht rassistisch, auch wenn man dieses Thema sicherlich zum Zeitpunkt des Erscheinens lockerer sah.

Fazit:

Öde und ohne Spannung plätschert sich Handlung dahin. Mehr Gesellschaftsroman als Krimi.

# Taschenbuch: 316 Seiten
# Verlag: Dumont Buchverlag (2004)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3832183256
# ISBN-13: 978-3832183257
# Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 11,4 x 2,4 cm

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