Die Geschichte Jerusalems ist die Geschichte der Welt
Jerusalem ist die Stadt der Städte, die Hauptstadt zweier Völker, der Schrein dreier Weltreligionen, der Schauplatz des jüngsten Gerichts und der Brennpunkt des Nahost-Konflikts. Jerusalems Geschichte bedeutet 3000 Jahre Glauben, Fanatismus und Kampf, aber auch das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen.
Packend und farbig schildert der Bestsellerautor Sebag Montefiore in seiner fulminanten Biographie die zahlreichen Epochen dieser sich ständig wandelnden Stadt, ihre Kriege, Affairen, Könige, Propheten, Eroberer, Heiligen und Huren, die diese Stadt mitgeschaffen und geprägt haben. Basierend auf dem neuesten Stand der Forschung und teilweise unbekanntem Archivmaterial macht er die Essenz dieser einzigartigen Stadt greifbar und lässt sie in ihrer Einzigartigkeit leuchten. Denn nur Jerusalem existiert zweimal: im Himmel und auf Erden.

Über den Autor
Simon Sebag Montefiore, geboren 1965, studierte Geschichte in Cambridge. In den neunziger Jahren unternahm er ausgedehnte Reisen in die ehemalige Sowjetunion, besonders in den Kaukasus, die Ukraine und Zentralasien. Er lebt in London.

Es gibt Orte, die haben für mich etwas Mystisches und ohne je dort gewesen zu sein, verschafft es mir eine ungeheure Befriedigung, dass ich dort sein könnte, wenn ich wollte. Von all diesen Orten nimmt Jerusalem die herausragendste Stellung ein und solange ich denken kann, bin ich der Überzeugung nur in Frieden sterben zu können, wenn ich vorher dort gewesen bin. (Praktisch habe ich dies allerdings dann wegen der Lage in Israel nie umgesetzt; immer wenn ich gerade Zeit hatte, braute sich dort etwas sehr Unschönes zusammen, mal ganz davon abgesehen, dass es wenig Sinn macht seit bestimmt 20 Jahren israelische Produkte zu boykottieren, um dann vor Ort mein Geld auszugeben.)

Auf jeden Fall ist Jerusalem vor mich der anziehendste und faszinierendste Ort dieses Planeten und immer dann gemeint, wenn ich sage, dass alles für mich Interessante entweder in Europa oder seinem Dunstkreis liegt. Und dass ich dieses wunderschöne Buch mit seinem golden glänzenden Aufdruck auf dem Cover haben musste, war Ehrensache.

Nur leider verlor ich dann wegen einer Amazon-Rezi recht schnell die Lust, das Buch weiterzulesen:

Den Fünf-Sterne-Rezensenten kann ich mich leider nicht vorbehaltlos anschließen, auch wenn ich das Buch bisher erst zur Hälfte gelesen habe. Montefiore mag im Großen und Ganzen ordentliche Arbeit geleistet haben; jedenfalls liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam, auch wenn der Umgang mit den Quellen mir manchmal zu unkritisch vorkommt bzw. da, wo er kritisch ist, nicht ganz auf der Höhe der Zeit scheint. Aber was solls – ist ja schließlich eine populärwissenschaftliches Werk, da darf man auch mal behaupten, was in keiner Quelle steht, wie etwa, dass die christlichen Konzilsentscheidungen des vierten und fünften Jahrhunderts von den jeweiligen Kaisern getroffen worden seien oder dass das Markusevangelium keine Auferstehung Jesu kenne (S. 174, Fehlinterpretation des „sekundären Markusschlusses“). Die deutsche Übersetzung setzt allerdings noch einiges an Merkwürdigkeiten drauf: der Prophet Elisa wird zu einer Frau (S. 351), der Deutschordensmeister Hermann von Salza kurzerhand zum Herbert umbenannt (S. 386) und aus der Stadt Bonifacio auf Korsika wird ein ansonsten gänzlich unbekannter Herr namens Bonifatius (S. 377). Kennengelernt habe ich auch zwei neue Religionen: Zoroastriker und Evangelikalisten, bisher waren mir nur Zoroastrier und Evangelikale ein Begriff, aber bitte! Weitere Beispiele auf Anfrage. Ganz offensichtlich kann sich der S. Fischer Verlag keinen Lektor leisten, denn nur so sind derlei Klöpse zu erklären, von denen jeder für sich nicht tragisch ist, die in ihrer Häufung aber leider den Lesegenuss trüben.

Tatsächlich:

Ich habe den Palast Davids gegoogelt, von dem Montifiore es als Tatsache hinstellt, dass er gefunden wurden. Bei *Spektrum der Wissenschaft*heißt es dagegen:

Zwei Lösungen bieten sich an. Entweder bauten hier die ursprünglichen Bewohner Jerusalems (die biblischen ‚Jebusiter‘) im 12. Jh. v. Chr. eine Wehrburg oder die Anlage wurde tatsächlich von David (oder Salomo?) erbaut, aber dann muss die frühere Eisenzeit (I) irgendwie noch bis ins 10. Jh. v. Chr. angedauert haben. Dies hält auch Eilat Mazar inzwischen für möglich. Leider ist das Problem nicht ganz so eindeutig zu lösen.

Wenn etwas als Tatsache hingestellt wird, was nicht eindeutig belegt ist, hat dies in einem populärwissenschaftlichen Buch auch so dar zustehen und nicht *in der Bibel steht es so und da wurde als Beleg ein Palast ausgegraben* – jede Hausarbeit im Grundstudium würde gnadenlos durchfallen. Damit ergibt sich schnell das Problem: Was von dem, was in dem Buch steht, soll ich überhaupt noch glauben? Wenn ich dem Autor nicht vertrauen kann, sorgfältig mit den Quellen und daraus abgeleiteten Behauptungen umzugehen, macht mir keinen Spaß mehr, das Buch zu lesen.

Was schade ist, denn die Informationen, dass es zur Jesu Zeit keine Volkszählung gab, sondern Joseph und Maria unterwegs waren, um im Tempel zu opfern, die Jungfernschaft Marias aus der römischen / griechischen Mythologie stammt und sie evt nach dem Tod Josephes wieder heiratete (Johannes: Marie, Frau des Klopas bzw. Simon, Sohn des Klopas (Bruder Jesu) durchaus interessant. Ebenso fand ich es sehr eindrucksvoll, dass aus einer Steintafel von Simon, dem Fürst der Fürsten, die Rede ist, der nach drei Tagen wieder auferstehen wird.) Nur: Ich will nicht alles nachprüfen müssen, was in dem Buch steht, sonst könnte ich es gleich selbst schreiben. Immerhin macht sich der Autor die Mühe den historischen Jesus zu belegen, der laut ihm nicht nur in den Evangelien erwähnt wird, sondern auch bei Tacticus und Josephus; was wiederum beweist, dass Atheisten nicht nur mitleidserregend und verachtenswert sind (würde man sich um sie Gedanken machen), sondern auch ausgesprochen dumm und arrogant. (Nicht, dass dies etwas Neues oder Überraschendes wäre).

Ebenfalls negativ fällt auf, dass die zahlreich vorhandenen Fotos ohne Sinn und Verstand angeordnet wurden: Was macht ein Bild von Konstantin dem Großen in den Kapiteln, die bis 30 n.Chr. reichen?

Fazit:

Das Buch bietet einen guten Überblick und ich werde auch immer mal wieder bei Bedarf einzelne Kapitel daraus lesen. Allerdings muss man sich darüber klar sein, dass der Autor es mit den Fakten nicht allzu genau nimmt.

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Perlentaucher

Gebundene Ausgabe: 880 Seiten
Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 3. Auflage. (8. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3100506111
ISBN-13: 978-3100506115
Originaltitel: Jerusalem
Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,2 x 5,4 cm