Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein: Über hundert Jahre nach den Untaten des Mannes, der sich selbst „Jack the Ripper“ nannte, tauchte in London auf mysteriöse Weise das Tagebuch des Rippers auf. Die Recherchen des englischen Verlegers ergaben erst den richtigen Zündstoff: Jack the Ripper, der fünf Prostituierte bestialisch umgebracht hat, ist selbst das Opfer eines Mordes geworden – er war James Maybrick, der 1889 von seiner Frau vergiftet wurde. Noch vor der Veröffentlichung des Tagebuches in England und in den USA wurden Stimmen laut, die das Tagebuch als Fälschung abqualifizierten. Die englische Herausgeberin Shirley Harrison geht ausführlich auf diese Diskussion ein und kommt zu dem Schluß: Wenn ein Fälscher am Werk war, dann hat er Großartiges geleistet.

Formell ist das Tagebuch sehr gut aufgemacht: Bilder der Opfer, Karten, Faksimile im Anhang – das Einzige, was fehlt ist das Tagebuch (welches eine Fälschung ist). Viellicht war es auch gerade dieses Wissen, was mir zusätzlich den Spaß an der Lektüre genommen hat. Wobei mich selbst ein fiktives Tagebuch nicht gestört hätte, wenn es für sich alleine stünde.

Nur steht es nicht für sich alleine, sondern es sind immer nur ein paar Zeilen, eingebettet in die Ermittlungen und das Leben des vermeintlichen Rippers. Dabei wurde – zumindest im Deutschen – nicht besonders sorgfältig vorgegangen: Bei den (als authentisch geltenden) *Dear Boss* – Brief und der *Saucy Jacky* – Postkarte wird ziemlich schnell klar, dass Jack the Ripper recht eigenwillige Vorstellungen von der englischen Rechtschreibung hatte (Übersicht). Diese werden in den Briefen auch in der Übersetzung nachgeahmt, nicht jedoch in den Tagebuchpassagen.

Die Autoren haben es leider für nötig befunden, aus dem Baumwollhändler Maybrick (Rechtshänder!) Jack the Ripper zu machen. Mal ganz davon abgesehen, dass er die falsche Hand benutzte, qualifiziert eine Karriere als Händler nicht gerade dazu, gezielt Organe zu entnehmen und einen Bezug zu Syphilis, wie Jacky in vermutlich hatte, gibt es bei Maybrink auch nicht. Ich fände es ziemlich bescheiden, in 100 Jahren zum Serienmörder erklärt zu werden, ganz davon abgesehen, kann das Buch Neueinsteiger unnötig verwirren.

Fazit:

Einfach nur blöde gemacht, die Übersichtstabellen und Karten sind das Beste an dem ganzen Buch. Das Schlimmste an dem Buch ist ganz klar, dass es pseudowissenschaftlich ist und Erfundenes als Sachbuch präsentiert.

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James Maybrick (* 24. Oktober 1838; † 11. Mai 1889) war ein aus Liverpool stammender Baumwollhändler. Nach seinem Tod wurde seine Frau Florence Maybrick in einem aufsehenerregenden Prozess verurteilt, da sie angeklagt wurde, ihn vergiftet zu haben.

In einem später aufgetauchten Tagebuch beschrieb der Autor seine angeblichen Taten als Jack the Ripper. Dieses Tagebuch wurde als authentisches Geständnis von James Maybrick veröffentlicht; später wurde es als Fälschung entlarvt.

1992 erschien ein Dokument, das als James Maybricks Tagebuch gehandelt wurde, welches ihn als Jack the Ripper identifizierte. Der Autor erwähnte zwar nicht seinen Namen, doch bot er beständig Andeutungen und Bezugspunkte aus Maybricks bekanntem Leben und Gewohnheiten, so dass deutlich gemacht wurde, er sei es gewesen. Der Schreiber beschreibt seine Aktionen und Verbrechen detailliert über mehrere Monate hinweg und schreibt sich die Ermordung der fünf Opfer zu, für die üblicherweise Jack the Ripper verantwortlich gemacht wurde.

The Diary of Jack the Ripper wurde 1993 unter großen Diskussionen veröffentlicht, was außerdem eine andauernde Debatte auslöste, ob das Tagebuch eine fehlerfreie Darstellung beinhalte, ob es wirklich eine Darstellung von einem Mann des späten 19. Jahrhunderts sei, der die Ripper-Verbrechen begangen hatte, oder ob es von gewitzten Fälschern zu einem späteren Zeitpunkt angefertigt worden war.

Die Debatte wurde oft wieder angeheizt und ein Schreiber notierte, dass „die Saga von Maybricks Tagebuch verwirrend, kompliziert und stark gewunden“ sei. Die aktuelle Übereinstimmung ist, dass das Tagebuch eine Fälschung ist. Zu dem Schluss kam man, als verschiedene Jack-the-Ripper-Experten feststellten, dass das Tagebuch fehlerhafte Informationen über die Verbrechen enthält, die erst im 20. Jahrhundert aufkamen. Außerdem wurden Proben von der Tinte genommen, die belegten, dass das Tagebuch in jüngster Zeit geschrieben wurde und auch nur in ein paar wenigen Sitzungen und nicht, wie es am Anfang des Tagebuches heißt, über mehrere Monate hinweg. Es wurde in ein altes Einklebebuch geschrieben, bei dem die ersten zwanzig Seiten herausgerissen worden waren, was zeigt, dass ein altes halb benutztes Buch gefunden worden ist, bei dem der ursprüngliche Inhalt entfernt worden war.

Einige „Ripperologen“ beharren jedoch immer noch darauf, dieses Tagebuch als echt anzuerkennen.

Maybrick wurde außer dem Tagebuch auch eine Taschenuhr zugeschrieben, auf deren Rückseite die Initialen „J.M.“ eingeritzt waren, einhergehend mit den Initialen der so genannten „anerkannten Ripper-Opfer“. Die generelle Übereinstimmung ist wieder, dass die Uhr, obgleich auch als antik festgestellt, von einem Fälscher bearbeitet wurde, der die Initialen hinzufügte. 1995 schwor Michael Barrett in einer beeidigten Erklärung, dass er „der Autor des Manuskripts war, das von meiner Frau Anne Barrett nach meinem Diktat geschrieben wurde und als Tagebuch des Jack the Ripper bekannt ist.“ Doch zu weiterer Verwirrung führte der darauf folgende Widerruf seiner Erklärung und dann wieder deren Mitschrift.

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