Nach dem Untergang der Sowjetunion brauchte der Westen ein neues Feindbild. Osama Bin Laden lieferte es. 9/11 gab George W. Bush die Gelegenheit zu zwei Kriegen, die für alle Beteiligten desaströs ausgingen. “Feindbild Islam – Zehn Thesen gegen den Hass“ schildert prägnant und packend das Verhältnis der westlichen Welt zur muslimischen. Es zeigt die Ignoranz und Gefährlichkeit unserer Politik gegenüber dem Orient. Jürgen Todenhöfer zieht die Bilanz von fünfzig Jahren Reisen in die muslimische Welt und zehn Jahren falscher Antworten auf die Herausforderung 9/11.

Jürgen Todenhöfer (* 12. November 1940 in Offenburg) war bis 1990 deutscher Bundestagsabgeordneter (CDU), bis 2008 Manager und ist heute Autor.

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Ich habe nicht gegen Moslems, ich bin weder für sie, noch gegen sie. Eigentlich sind sie mir ziemlich egal, solange ich nicht zufällig an einem Freitag im Nachbarort bin und ich mir – je nachdem welche Volksgruppe unterwegs ist – entweder vorkomme wie in Istanbul oder Saudi-Arabien. Ich bezeichne nicht wie andere die Gepflogenheiten der Moslems als Scheißdreck oder Blödsinn (hier und hier; Kommentarbereich) und solange dies nicht zulasten der Sozialsysteme geht, sollen sie meinetwegen fasten und Ehefrauen haben, wie sie wollen.

Was in mir allerdings immer einen nach oben offenen Gruselfaktor hat, sind Salafisten und Menschen, die Gott preisen, weil jemand gestorben ist, weswegen ich mir das Buch holte. Vielleicht könnte ich noch etwas lernen. Leider war dies gar nicht der Fall, da der Autor fest an der These vom aggressiven Westen und den liebenswürdigen Moslems festhält.

Die Thesen:

1. Der Westen ist viel gewalttätiger als sie muslimische Welt.

Hier greift der Autor sehr beliebig die französische Kolonisation Nordafrikas auf. Warum erwähnt er nicht die massiven Überfälle der Araber auf Europa, wenn er schon so weit zurückgehen möchte? Oder die fast tausend Jahre lange Besetzung Spaniens? Und wieviel Unruhe heute noch als Folge in Südosteuropa herrscht? Ganz davon abgesehen, müsste, um diese These wirklich belegen zu können, ein Art Waffengleichheit herrschen und wir müssten begehrte Güter wie Öl besitzen. Die Behauptung, dass derjenige, der überlegen ist, der der Aggressivere ist, greift zu kurz.

2. Nichts fördert den Terrorismus mehr, als der Anti-Terror-Kampf des Westens

Gewalt bringt immer Gegengewalt hervor. Wobei ich der Meinung bin, dass George Bush und Osama bin Laden sich brauchten wie siamesische Zwillinge.

3. Terrorismus ist kein muslimisches, sondern ein weltweites Problem

Das sehe ich absolut nicht so. Die IRA hat ihren Befreiungskampf gegen die Besetzung Nordirlands eingestellt, die RAF ist auch schon lange Geschichte und die NSU hoffentlich ein Einzelphänomen. Dagegen gibt es Völkermorde gegen Christen in Nigeria, Sudan und teilweise im Irak, in Ägypten und Syrien haben sie Angst vor den Moslems.
Und wie liest es sich auf S. 24 / 25? Die Muslime hätten mehr Respekt vor dem Judentum und dem Christentum, als die Christen und Juden. Frage: Warum dürfen Juden dann nicht nach Saudi-Arabien einreisen? Warum wird den Christen in der Türkei ein religiöses Leben fast unmöglich gemacht? Warum gibt es Bücher wie* Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam: Vom Dschihad zum Schutzvertrag*? Ich bin sehr beeindruckt, wenn ich lese, dass in Dubai die verschiedenen Religionen ihre Gottesdienste feiern dürfen – aber das Land ist kaum repräsentativ für die arabische Welt.

4. Muslimisch getarnte Terroristen sind Mörder, christliche Angriffskrieger auch.

Wie ich schon schrieb: George Bush und Osama bin Laden waren wie siamesische Zwillinge. Einer hätte ohne den anderen nicht existieren können. Außerdem sind durch terroristische Akte mehr Moslems durch Moslems getötet worden, als durch Christen.

5. Moslems sind so tolerant wie Christen und haben unsere Kultur mitgeprägt.

Dass sie Europa mitgeprägt haben, indem es in Folge ihrer Angriffskriege heute noch Unruhen in Südost-Europa gibt, lässt sich nicht leugnen.

Ansonsten siehe Nr. 3:
Die Kopten und syrischen Christen sind in Panik, was nun auf sie zukommt, in Saudi-Arabien besteht ein Einreiseverbot für Juden, christlichen Gemeinden werden in der Türkei diskriminiert, Völkermorde in Nigeria und Sudan, aus dem Irak sind fast alle Christen geflohen. Sehr tolerant.
Auf S. 33 bekommt man fast den Eindruck, dass die Europäer für die Besatzung Spaniens dankbar sein sollten.
Edit: FAZ – Syrien Eine Auslöschung

6. Auch im Koran stehen Gebote der Nächstenliebe

Was einige Verwirrte nicht davon abhält, Gott für den Tod eines Menschen zu preisen und so die eigene Religion in den Schmutz zu zerren.

7. Die westliche Politik leidet unter der Ignoranz einfachster Tatsachen.

Das gleiche kann man auch vom Autor behaupten. Um seine kruden Thesen zu behaupten, führt er auf S. 43 an, in Vietnam würden sich die Frauen auch im Sommer komplett verhüllen, um nicht braun zu werden, also wäre doch eine (Zwangs-) – Verschleierung auch in Ordnung. Ich gehe im Sommer nach 12 Uhr auch nicht raus und wenn dann nur Waldwege. Ich trage dann auch manchmal langärmlige, leichte Kleidung. Kann man daraus ableiten, dass es in Ordnung ist, alle Frauen in die Wohnung zu sperren?

In anderen (islamistischen) Ländern kämpfen Frauen gegen den Kopftuchzwang. Hier kämpft man mittlerweile für die Kopftuchfreiheit. Auch in Deutschland gibt es Frauen/Mädchen, die von Angehörigen unter das Kopftuch gezwungen werden – zumindest kannte ich vor wenigen Jahren eine solche junge Frau, und ich würde mich doch stark wundern, wenn solche Familien in kurzer Zeit allesamt eine Kehrtwende um 180° gemacht hätten.
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Ich habe Freundinnen, die gläubige/praktizierende Musliminnen sind, ohne ein Kopftuch („vor sich her“) tragen zu müssen. Die gehören aber auch noch einer anderen Generation an, nicht dieser „neuen türkischen Welle“ – salopp formuliert. Damit meine ich vor allem junge Frauen, die ihre Identität in einer Verbundenheit mit der Türkei suchen, die mir übertrieben scheint und mich beunruhigt.
Ich habe im Bekanntenkreis einige Frauen aus Afghanistan und Iran, die froh sind, dass sie hier nicht mehr dieses „Kleidungsstück“ tragen müssen.

Kommentare in der Zeit

8. Der Westen muss die arabische Welt genauso fair behandeln wie Israel

Da hat er ausnahmsweise mal Recht. Israel ist der wahrscheinlich –zusammen mit den USA – gefährlichste und aggressivste Staat überhaupt. Bekämen die Israelis, was sie verdienen würden – gerade auch wegen ihrem Verhalten den Arabern gegenüber – müsste das ganze Land auf Steinzeitniveau zurückgebombt werden.

9. Die Muslime müssen sich für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts einsetzen.

Wo war den der Aufschrei bzw. die Kommentare, als jemand Gott für den Tod eines Menschen pries? Bei einem der meistgelesenen WordPress – Artikel hat sich kein Moslem gefunden, der die Autorin darauf hinwies, in welch schlechtes Licht sie ihre Religion rückt? Das gibt mir persönlich schon arg zu denken.
Ansonsten sehe ich nicht, warum sich ganz normale Moslems gegen Salafisten aussprechen sollen; ich spreche mich auch nicht gegen evangelikale Abtreibungsgegner aus.

10. Staatskunst statt Kriegskunst

Hier stellt der Autor schon fast die These auf, die USA würden aus lauter Kriegslust irgendwann den Iran angreifen und würden deswegen alle Verhandlungen abbrechen oder nicht aufnehmen. Was ich denen auch zutraue, aber nicht weiß. Seit rauskam, dass die CIA für den Afghanistan – Krieg festlegte, dass die deutschen Medien die Frauenrechte betonen und die französischen auf die Freiheit konzentrieren sollten – was dann auch so geschah – ist mir wieder klar geworden, dass man ohnehin nichts glauben sollte.

Fazit:

Propagandamaterial. Auf der Internet – Seite des Autors heißt es z.B. *Nicht ein einziges Mal in den letzten zweihundert Jahren hat ein muslimisches Land den Westen angegriffen. Die europäischen Goßmächte und die USA waren immer Angreifer, nie Angegriffene.*. – Dann waren 9/11 und die Bombenangriffe von Spanien wohl ein Versehen. Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass die USA sich durch ihre ganze Politik seit dem 2. Weltkrieg 9/11 redlich verdient haben.

Broschiert: 64 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (21. November 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570101355
ISBN-13: 978-3570101353
Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 0,8 cm