Die ersten Kartenmacher arbeiteten mit altehrwürdigen Instrumenten, den Erzählungen der damaligen Entdecker und ihrer Fantasie. Ohne Hilfe von Satelliten und modernen Messgeräten schufen sie eine Welt, die an Schönheit und Mystik ihresgleichen sucht. Dieser Atlas nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Reich der Legenden und Irrtümer. Das sagenumwobene Goldland El Dorado in Südamerika, untergegangene Kontinente wie Atlantis und ein spanischer Seefahrer, der eigentlich Indien entdecken wollte, stattdessen aber Amerika fand – in einzigartigen Geschichten, Karten, Holzschnitten und Illustrationen kommt die Fantasie der Wirklichkeit faszinierend nah. Wo beginnt die Fiktion? So ist bis heute umstritten, ob Camelot, das Reich des König Artus, wirklich existiert hat und wo. Ein rätselhafter Grabfund und frühe Zeichnungen jedenfalls schließen seine Existenz nicht aus. Eine weitere Geschichte der Welt, wie sie vielleicht nie war, aber gewesen sein könnte.

Auch wenn die Texte für mich nicht viel Neues brachten (Ich gestehe: Ich wusste nicht, dass es immer noch eine Flat Earth Society gibt), waren sie als Auffrischung sehr informativ. Neu war auch, dass es die Vorstellung einer *Insel der sieben Städte* mit dem Namen Antillia im Atlantik geben sollte oder dass die Griechen schon eine Vorstellung der Erde mit verschiedenen Klimazonen hatten.

Pro Kapitel wird eine Karte vorgestellt und man lernt regelgerecht, sich in die Gedankenwelt der damaligen Zeit einzufühlen und die Karten zu lesen. Das macht den Reiz aus, den dieses Buch austrahlt. Auch ist es faszinierend zu verfolgen, wie die Karten immer präziser werden.

Und es wird einem bewusst, dass unsere Vorstellungen von den Aliens dort draußen wahrscheinlich genauso absurd sind, wie die damaligen Vorstellungen von Seeungeheuern aller Art. Auch die Lokalisierungen nie existenter Reiche wie Atlantis (Neuerdings im Ewigen Eis verortet), oder von König Artus und des Priesterkönigs Johannes wurden damals wie selbstverständlich in das Kartenmaterial eingearbeitet.

Fazit

Hochinteressant.

Die Autorin Judyth A. McLeod war Universitätsdozentin für Landschaftsdesign und nachhaltige Architektur. Von der anerkannten Landschaftshistorikerin ist bereits das Buch „In A Unicorn’s Garden“ erschienen. Darüber hinaus arbeitet sie für verschiedene internationale Magazine.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: National Geographic Deutschland; Auflage: 1., Aufl. (31. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866901909
ISBN-13: 978-3866901902
Größe und/oder Gewicht: 27,2 x 23,2 x 3,2 cm

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Weltbild des Kosmas Indikopleustes: Flache Erde in einem Tabernakel, 6. Jahrhundert / Die Landmasse ist umgeben von Wasser
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Mecators ptolemäische Weltkarte. Beieindruckend sind die Erkenntnisse bezüglich der Breiten- und Längengrade.
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Isidors Weltsicht – Rekonstruktion der Mapa Mundi nach geographischen Ausführungen in den Etymologiae durch K. Miller
Zu beachten ist, dass im Mittelalter Jerusalem das Zentrum der Welt ist. Oben ist das Paradies, unten Europa und Afrika, getrennt durch das Mittelmeer.
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Die Tabula Rogeriana, von Al-Idrisi für Roger II. von Sizilien, 1154.
Arabische Karten waren damals besser als christliche, welche durch Dogmen eingeschränkt waren.
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Detail der Karte von 1507, auf der sich die Bezeichnung „America“ zum ersten Mal befindet. Zeichner: Martin Waldseemüller.
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Die Carta Marina ist die früheste (nach heutigem Standard einigermaßen korrekte) Landkarte Nordeuropas, die zahlreiche Details und Ortsangaben enthielt. In das Buch aufgenommen wurde sie wegen der vielen Ungeheuer.
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Ebsdorfer Karte
Auf der Karte wird das Rund der Erde dargestellt; sie ist so ausgerichtet, dass der Osten oben ist. Dort befindet sich auch die bildliche Darstellung des Paradieses. Im Zentrum der Karte liegt die heilige Stadt Jerusalem. Europa ist in der linken unteren Ecke dargestellt. Dort findet man Städte wie z. B. Nienburg (Saale), Soest, Lüneburg, Braunschweig, Meißen, Aachen, Köln, Kulmbach und Rom. Kreta, Delos, Carpatos und die neun Äolischen Inseln sind aus ungeklärten Gründen zweifach abgebildet. Insgesamt teilen sich die Karteneinträge auf 1.500 Texteinträge, 500 Gebäudedarstellungen, 160 Gewässer, 60 Inseln und Gebirge, 45 Menschen und Fabelwesen sowie ca. 60 Tiere auf.

Die Absicht des Autors war es nicht, eine geographisch korrekte Karte der Welt anzufertigen. Die Stadt Rom ist zum Beispiel fast genau so groß wie die Insel Sizilien. Vielmehr spiegelt die Karte das historische, mythologische und theologische Wissen dieser Zeit wider. Die Welt selbst wird mit dem Leib Christi verglichen, zu erkennen an Kopf, Händen und Füßen an den Rändern der Karte. Des Weiteren sind in der Karte das Paradies, die Arche Noah und der Turm zu Babel verzeichnet. Auf der Mythologie und antiken Sagen beruht beispielsweise die Darstellung der Amazonen.
Wikipedia
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Weltkarte des Juan de la Cosa (1500) Oben abgebildet ist das Paradies.

Priester Johannes in einer Kartendarstellung (Atlas de Diego Homen, 1561 Portugal)
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Dhū l-Qarnain baut eine Mauer gegen Gog und Magog (Persische Miniaturmalerei 16. Jh.)
Auf zahlreichen Karten werden beide Völker von Alexander dem Großen in Schach gehalten.

Mit der eher grob-schematischen angelsächsischen Weltkarte aus der Cotton-Sammlung von ca. 1000 (als neuzeitliche Kopie erhalten) wird das Reich von Gog und Magog relativ nahe an den Polarkreis und das Nordmeer gesetzt. Es findet sich nördlich von Aserbaidschan, in der Nähe des Kaspischen Meeres, aber wiederum deutlich nordöstlich eines am Ostmeer dargestellten Löwen in einer Region, die man heute China zuweisen würde. Die identifizierbaren umliegenden Regionen weisen die Region klar nach Zentralasien.

Der Sprachforscher Mahmud al-Kaschghari stellt in seinem Werk Kompendium der Sprachen der Türken Karte der Alten Welt in Scheibenform aus dem Jahr 1072, die sich heute im Pera-Museum in Istanbul befindet, die Wüste Taklamakan und den Altai in die Mitte. Die Darstellung ist so gewählt, dass der Osten oben liegt, wie auf allen christlichen Karten der Zeit. Im Süden sind Hindustan, und Kaschmir neben dem Gebiet von Gog and Magog notiert.

Auf der Tabula Rogeriana aus dem Jahr 1154, die Al-Idrisi in seiner Zeit am Hof von Roger II. (Sizilien) zugerechnet wird, einer rechteckigen Weltkarte, in der der Süden oben liegt, findet sich das Land Magog im äußersten Nordosten. Eine Beurteilung der tatsächlichen Vollständigkeit der Darstellung in diesem Bereich ist nur schwer möglich. Eine Gleichsetzung mit dem Reich der Gök-Türken bzw. dem Reich der Mongolen unweit der chinesischen Mauer durch den Kartografen deutet sich an.

Auf der Weltkarte des Pietro Visconte von 1326 liegen Gog und Magog im äußersten Osten der Welt, jenseits von Cathay und China[3]. Auf der Karte des Andrea Bianco von 1436 bewohnen sie eine Halbinsel im äußersten Osten der Welt, gegenüber dem irdischen Paradies[4] In späteren Karten rücken sie in den Nordosten Asiens, ungefähr in die Gegend der Kamtschatka.

Auf der Karte Geographia sacra von Abraham Ortelius (Theatrum orbis terrarum, Antwerpen 1601) ist Magog eine Stadt im nördlichen Mesopotamien, an dem Fluss Arbonai, der als Nebenfluss des Euphrat dargestellt ist und in der ungefähren Gegend des Orontes liegt, freilich mit umgekehrter Fließrichtung, unweit des Paradieses.

Wikipedia
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Die Polarkarte des Mercator. Schon damals war die Darstellung der Pole falsch, man beachte den Magnetberg in der Mitte. Bildquelle: Sueddeutsche, Vorstellung des Buches

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Das Buchcover zeigt die erste Darstellung von Mexiko-Stadt (Zeichner: Georg Braun und Frans Hogenberg). Es zeigt eine falsche Idylle, die Stadt wurde nach der Ermordung der Ureinwohner auf den Ruinen der Stadt Tenochotilan gegründet.
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Some of the rocks at America’s Stonehenge. Zusammen mit dem berühmten Kensington Stone, einer mittelalterlichen Festung an der Ostküste und Indianererzähleungen ein mögliches Indiz für eine mittelalterliche Besiedlung Amerikas.
Foto: Stan Shebs
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Vinland-Karte, wahrscheinlich eine Fälschung. Laut Buch wurde die Tintenbestandteile nicht vor 1923 benutzt.
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Die Weltkarte des John Speed. Kalifornien traf es hart und wurde zur Insel, beherrscht von der Königin Kalifia. Auch befand sich der Staat neben Indien.
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Weltkarte des Theatrum Orbis Terrarum von 1570. Die erste kommerziell erfolgreiche Karte hat ein bißchen viel Landmasse im Süden.
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Die Karte des Piri Reis
Eine der umstrittensten Weltkarten: Im Süden sieht man die Küste der Anktarktis, außerdem die Westküste Afrikas und die Ostküste Südamerikas mit einer Exaktheit, die für 1519 einmalig ist. Vor allem wird der Festlandverlauf der Ankarktis so gezeigt, als wäre sie – wie vor 6000 Jahren – frei von Eis.
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Mapa Africa von Sebastian Münster. Quelle: Evolution of the Map of Africa (sehr lesenswert).
Der Nil speist sich aus Mondbergen in Südafrika

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