Der tägliche Gang ins Bad war für die Römer mehr als eine Frage der Sauberkeit. Schwitzen im Heißbad, wohlige Entspannung im Warmbad und Erfrischung im Kaltbad waren Wellness pur, Muße und Freizeitvergnügen. Kein Wunder, dass die Römer die meisten Thermal- und Mineralquellen in ihrem Reich aufspürten. Ihre exzellenten Ingenieure und Architekten errichteten von Bath bis Vichy behagliche Badehäuser, darunter Luxusoasen wie die Trierer Bauten oder die Kaiserthermen in Rom mit Bibliothek,Park und Sportplätzen. Viele waren heilige Orte, in denen Archäologen wertvolle Weihegaben fanden, Heilbäder mit Behandlungsräumen und Touristenmagnete mit florierendem Souvenirgeschäft. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen diese einzigartigen Zeugnisse römischer Kultur und Zivilisation. Der renommierte Autor beschreibt auch die heute noch betriebenen Kurbäder römischen Ursprungs.

Wenn ich ein Buch lese, dann stellt sich bedingt durch die Rezensionen immer die Frage: Wer ist die Zielgruppe? In dem Fall diesen Buches weiß ich es nicht. Wer sich gut mit Alter Geschichte auskennt, für den wird das Buch zu oberflächlich sein; wer es nicht tut wird immer wieder über Kleinigkeiten stolpern, wie das Münzopfer, das Aas, Neros Badefrevel – man kann sich nur durch den Text halbwegs erklären, dass er wohl in einer Quelle gebadet hat -, oder die Bedeutung der Gorgonen. Es fehlen kleine Infokästchen, die dem Laien solche Sachverhalte kurz erklären.
Ich würde die Zielgruppe daher auf Studienanfänger der Alten Geschichte festlegen.

Modell eines römischen Badehauses (Therme) mit Fußbodenheizung. Links im Bild befindet sich das eigentliche Badehaus, rechts im Bild der angegliederte Heizraum. Der Boden ist zur besseren Sichtbarkeit teilweise aufgeschnitten (Römerkastell Saalburg). Foto: Arent - Wikipedia

Modell eines römischen Badehauses (Therme) mit Fußbodenheizung. Links im Bild befindet sich das eigentliche Badehaus, rechts im Bild der angegliederte Heizraum. Der Boden ist zur besseren Sichtbarkeit teilweise aufgeschnitten (Römerkastell Saalburg).
Foto: Arent – Wikipedia

Der Leser bekommt vom eigentlichen Inhalt als ersten eine Karte zu Gesicht, auf welcher alle erwähnten Bäder eingezeichnet sind. Diese werden jedoch zum größten Teil nicht gesondert vorgestellt, lediglich die deutschen Thermen werden knapp erklärt. Bis auf Bad Pyrmont liegen alle entlang des Rheins bzw. seiner Umgebung, was für Nord- und Ostdeutsche eine Ausflugsplanung unattraktiv macht. Andererseits ist diese Verteilung natürlich auch zwingend vorgegeben.

Der Schwerpunkt liegt bei der Technik wie z.B. der Wasserversorgung, der kulturellen Bedeutung der Bäder und dem Ablauf des Badebetriebs. Hier fiel mir auf, dass das Mittelalter und die Frühe Neuzeit als Nachfolger der römischen Kultur am Anfang des Buches platziert worden sind; ich hätte die Kapitel als Abschluß gewählt.

Fazit

Das Buch konnte mich leider nicht überzeugen. Interessierte Leser mit Vorwissen werden nichts Neues finden, für Laien wurden reichlich Stolperfallen in den Text geschrieben.

Ernst Künzl war bis 2004 Direktor der römischen Abteilung am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz und ist Autor zahlreicher Sachbücher zu antiken Themen.

Leseprobe

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Theiss (13. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3806221812
ISBN-13: 978-3806221817
Größe und/oder Gewicht: 27,6 x 21,8 x 1,8 cm

51sxYj4ekxL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_

Inhalt

Vorwort …7
Die Römer und das Wasser …8

In der Nachfolge Roms: Bäder und Kurorte …13
Die Welt der Bäder in Mittelalter und früher Neuzeit …13
Glanz der Kurorte: das 18. und 19. Jahrhundert in Europa …17

„Jede Quelle ist heilig“ …25
Neros Quellenfrevel und die Clitumnusquelle …25
Das römische Münzopfer in Flüssen, Quellen und Seen …28
Wasserorakel und Heilbad: die Aponusquelle in Norditalien …29
Wassergötter, Quellnymphen und Legenden …30

Technische Spitzenwerke: die römischen Aquädukte… …33
Aquädukte …33
Wasserverteilung …40
Quellfassungen …47

Die großen Thermen in Rom …49
Vorläufer in Griechenland …49
Die römische Republik: Stabianer Thermen in Pompeji …49
Öffentliche Bäder der Hauptstadt Rom: Agrippa, Nero, Titus …52
Die Trajansthermen, Prototyp der Kaiserthermen Roms …56
Die Caracallathermen …60
Die Diokletiansthermen …63
Kaiserthermen als Trostpflaster: Badepaläste für das Volk von Rom …65

Bäder reichsweit …71
Prunkthermen des Nordens: die Barbarathermen in Trier …71
Trier als Residenz: der Kaiserthermenplan …73
Die Gymnasion-Thermen-Komplexe Kleinasiens …76
Fensterglas und Heizung …77
Ströme frischen Wassers: die römische Hydrotechnik …80

Der Badebetrieb …83
Die Thermen: kein Schwimmbad …83
Besucherzahlen, Öffnungszeiten, Eintrittsgelder, Badeverbote …84
Männer und Frauen, getrennt oder gemeinsam? …88
Militärbäder …89
Eine Unterhaltungswelt …90
Öffentliche Toiletten …93
Ausstattungsluxus: Bildwerke, Brunnen, Bibliotheken …93
Chirurgen und anderes Badepersonal: Operationssäle in Thermen …99

Heilquellen und Kurorte …103
Die „Brennenden Gefilde“ …103
Baiae und der Golf von Neapel: die Sommerresidenz Roms …105
Wasser und Heilquellen in der römischen Medizin …108
Der Mineralwasservertrieb: die Silberschale von Flaviobriga …111
Wasserdefinitionen …113

Heilgötter und ihre Weihegaben …117
Seit 30 000 Jahren: Funde an Heilquellen der Vorzeit …117
Thermalquelle und Heilbad bei Rom: Aquae Apollinares (Vicarello) …119
An den Grenzen des Reiches: die Heilquelle von Aquae Sulis (Bath) …122
Akratopegen: die Seinequellen und der Coventinabrunnen …125
Heilgötter der Kelten im römischen Deutschland …127
Quellweihungen …129
Der Brodelbrunnen von Bad Pyrmont in Germanien …131
Heilbäder im griechischen Osten …133

Deutschlands Römerquellen …137
Von den Römern unbeachtet …137
Aachen (Aquae Granni) …138
Bad Bertrich …139
Bad Cannstatt (Stuttgart-Bad Cannstatt) …139
Bad Gögging (Neuburg an der Donau-Bad Gögging) …141
Bad Niedernau (Rottenburg-Bad Niedernau) …141
Bad Vilbel …142
Baden-Baden (Aquae) …142
Badenweiler …145
Nierstein (Buconica) …147
Wiesbaden (Aquae Mattiacae) …148

Glossar …150
Antike Autoren …150
Weiterführende Literatur …151
Register …156

Advertisements