Geert Mak hat sich wieder auf den Weg gemacht. Der Bestsellerautor von »In Europa« ist quer durch die Landschaft, durch Geschichte und Gegenwart, ja durch die Köpfe und Herzen der USA gereist. Dabei trifft er unterschiedlichste Menschen, macht außergewöhnliche Beobachtungen und erzählt hinreißende Geschichten. Mit diesem Buch begibt sich Mak auf die Suche nach den Wurzeln des großen amerikanischen Traums und beschreibt die Mythen und das Selbstverständnis jenes Landes, das uns immer noch am meisten beschäftigt.

Was ist aus dem amerikanischen Traum geworden, seit John Steinbeck 1960 die USA gemeinsam mit seinem berühmten Pudel Charley durchquert hat? Dieser Frage folgt der international bekannte Publizist Geert Mak und macht sich dafür selbst auf den Weg durch die Vereinigten Staaten, fernab ausgetrampelter Pfade, quer durch ein Land, das er liebt und zugleich kritisch betrachtet. Meile um Meile dringt er tiefer in das Land und seine Mythen, sein Selbstverständnis, seine Großartigkeit und Zerrissenheit vor. Seine Reise führt ihn von den großen Ostküstenstädten über die Kartoffelacker des Hinterlandes und die Prärie des mittleren Westens bis zum Pazifik. Er trifft Menschen – setzt sich an einen Tisch mit dem Farmer, dem Fabrikarbeiter, dem Fischer, dem Lehrer. Er streift durch die riesigen Malls und die Vororte, und er sucht nach den Wurzeln des Landes, das sich radikal verändert und doch den Glauben an den amerikanischen Traum bewahrt hat.

Die Reise startet in Sag Harbor bei New York, führt auf John Steinbecks Spuren die amerikanisch – kanadische Grenze entlang, entlang der Westküste, dann quer durch die USA um in New Orleans zu enden.

Leider lebt der Autor komplett in der Vergangenheit, ich bin die verschiedenen Kapitel durchgegangen und es ist immer ein Muster: Kurze Momentaufnahmen, Steinbecks Eindrücke und dann noch tiefer in die Vergangenheit. So wird der Leser seitenlang mit dem kanadisch-amerikanischen Krieg verwöhnt und zu Detroit gibt es auch interessantere Dinge zu berichten als Statistiken aus dem Jahr 1910.

Teilweise sind die Ausführungen zur amerikanischen Gesellschaft interessant, wenn der Begriff des *home* erläutert wird, meistens sind sie (in einem Reiseführer) mehr als unangebracht, wie Ausführungen zu Steuerpolitik. Spannend war allerdings, dass Europa als gefährlicher Ort im Fernsehen geschildert wird; getreu der amerikanischen Gehirnwäsche, dass die Welt außerhalb der USA bedrohlich ist.

Kommt Mak mit Einheimischen zusammen, werden Stereotypen aufgewärmt: In Texas kann man 2-Kilo-Steaks essen, alle tragen einen Stetson, Jeans, Reitstiefel und sind neureich. Nach der Information, dass die meisten Jobs in Texas geschaffen wurden, bekommt man eine Einführung in die texanische Geschichte.

Fazit

Wenn man nur die Gegenwart nehmen würde, bliebe ein Buch von 100-150 Seiten über, sosehr ist der Autor in der Vergangenheit verhaftet. Auf den Spuren von Berühmtheiten zu reisen ist eine Sache, aber man sollte dies in der Gegenwart tun und nicht in der Vergangenheit. Auch ist es sehr nützlich, sich für John Steinbecks Werk zu interessieren, wenn man von dem Buch wirklich etwas haben möchte.

Leseprobe

Geert Mak ist einer der bekanntesten Publizisten der Niederlande und gehört nach drei großen Bestsellern zu den wichtigsten Sachbuchautoren des Landes. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen »Amsterdam« (1997), »Das Jahrhundert meines Vaters« (2003) und »In Europa« (2005). Für sein Werk erhielt Geert Mak zahlreiche Auszeichnungen, so etwa 2008 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Seine Bücher sind internationale Bestseller und wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Verlag: Siedler Verlag (13. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827500230
ISBN-13: 978-3827500236
Originaltitel: Amerika
Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 15,2 x 5 cm

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