Du kannst ihn nicht sehen. Du kannst ihn nicht hören. Aber er beobachtet dich – und er kennt deine schlimmsten Ängste …

Zwanzig Selbstmorde in fünf Jahren. Meist sind es junge Frauen, die sich auf höchst ungewöhnliche Art das Leben nehmen. Zuletzt versuchte die 19-jährige Bryony Carter sich zu verbrennen. Nicht nur die Polizei vermutet, dass irgendetwas an der ehrwürdigen Universität Cambridge nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch die Psychiaterin Evi Oliver ist besorgt. Nun soll sich DC Lacey Flint im Auftrag von DI Mark Joesbury als verletzlich-depressive Studentin ausgeben und den Lockvogel spielen. Doch je tiefer sie mit Evi Olivers Unterstützung in die Selbstmordserie eintaucht, desto bedrohlicher wird die Situation für beide Frauen. Als Lacey schließlich unter denselben Albträumen leidet, von denen die jungen Frauen in den Tod getrieben wurden, weiß sie: Sie ist die Nächste.

Ich bin auf die Autorin über das Buch *Dunkle Gebete* aufmerksam geworden, welches ich (und auch andere, denen ich es auslieh) sehr spannend fand. Leider kann der Nachfolger *Dead End* dieses Niveau nicht halten.

Nun sind Selbstmorde nicht gerade etwas Besonderes und wahrscheinlich kennt jeder mindestens ein Opfer. Oder hat zumindest von jemanden gehört oder selbst daran gedacht. Wobei es noch die feigen Methoden gibt, sich entweder Vollzufressen, Runterzuhungern oder Drogen zu konsumieren.

Aber in dem Roman kommt es in Cambridge zu einer extremen Häufung, was die Universitätspsychiaterin veranlasst, sich an die Polizei zu wenden. Ich weiß nicht, wie das Polizeiwesen in Großbritannien organisiert ist, kann mir kaum vorstellen, dass die Londoner Polizei in Cambridge aktiv eingreift. Das ist ein Logikfehler, den ich für mich nie so ganz aufdröseln konnte. Genau, wie dass die Polizistin nach einem sehr belastenden Einsatz – Die Geschichte beginnt drei Monate nach *Dunkle Gebete* – wieder so fit ist, um auf eine Undercover-Mission zu gehen.

Das ist aber gar nicht das Problem, sondern, dass der Leser sehr schnell ahnt, wie der Hase in der Geschichte läuft, gerade in dem Strang um die Psychiaterin. Ganz einfach, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Und so ist zumindest die Enthüllung eines der Täter keine große Überraschung mehr, vielmehr ahnt der halbwegs aufmerksame Leser bereits bei dessen Auftauchen, dass dieser mit drinstecken muss.
Die Auflösung war mir zu übertrieben; sicherlich war schon *Dunkle Gebete* nicht sonderlich realistisch, aber immerhin noch spannend. *Dead End* ist dagegen einfach nur ein flüssig zu lesendes Buch, welches den uberspannten Schluss nicht zu überdecken vermag.

Fazit

Als Nachfolger von *Dunkle Gebete* enttäuschend, sonst ein flüssig zu lesendes Buch ohne größere Twists.


Sharon Bolton wurde im englischen Lancashire geboren, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. „Todesopfer“, ihr erster Roman, wurde von Lesern und Presse begeistert gefeiert und machte die Autorin über Nacht zum neuen Star unter den britischen Spannungsautorinnen. Ihrem ersten Triumph folgten mittlerweile vier weitere Thriller, mit denen Sharon Bolton ihr brillantes Können immer wieder unter Beweis stellte. So wurde „Schlangenhaus“ als bester Thriller des Jahres mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Oxford.

Tipp: Bei KBVollmar kann man sich viele Fotos zu Cambridge in dem Post Appels, Porters and Eccentrics in Cambridge
ansehen.

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Manhattan (13. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442547156
ISBN-13: 978-3442547159
Originaltitel: Dead Scared
Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,4 x 3,8 cm

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Der Hawthorne-Effekt ist ein Phänomen der gruppenbasierten Beobachtungsstudien, das in den 1920er Jahren bei Experimenten in den Hawthorne-Werken (Illinois, USA) entdeckt wurde. Er besagt, dass die Teilnehmer einer Studie ihr natürliches Verhalten ändern, weil sie wissen, dass sie an einer Studie teilnehmen und unter Beobachtung stehen. Dies kann zu einer falschen Einschätzung der Wirksamkeit (z. B. einer Intervention bzw. eines Therapeutikums) führen.

Der Hawthorne-Effekt ist unter zwei Blickwinkeln interessant:

In der Soziologie und Psychologie bzw. deren Methodenlehren versteht man darunter den Effekt, dass Versuchspersonen ihr natürliches Verhalten ändern können, wenn sie wissen, dass sie Teilnehmer an einer Untersuchung sind. Es kann also sein, dass die Ergebnisse einer Studie durch die Studie selbst verfälscht oder erst durch sie hervorgerufen werden. Damit stellt der Hawthorne-Effekt eine mögliche Bedrohung der internen Validität von Untersuchungsergebnissen dar.
In der Betriebswirtschaftslehre war die Entdeckung des Hawthorne-Effekts ein Mitauslöser für die Erkenntnis, dass menschliche Arbeitsleistung nicht nur von den objektiven Arbeitsbedingungen, sondern ganz wesentlich auch von sozialen Faktoren geprägt ist (siehe Human-Relations-Bewegung).

Im Vergleich zu folgenden Kategorien handelt es sich beim Hawthorne-Effekt

analog der Systemtheorie um ein Problem der Rückkopplung (Mitkopplung)
analog der Statistik um ein Problem der Verzerrung (Kreuzkorrelation)
analog der Modelltheorie um ein Problem fehlender Orthogonalität

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