Wer ist der Teufel? Ist es Ihr Ex-Mann, der Sie belogen und betrogen hat? Ihr sadistischer Lehrer? Ihr Chef? Ihre Kollegin? Erschreckende vier Prozent unserer Mitmenschen – einer von 25 – weisen eine oft unerkannte Persönlichkeitsstörung auf, deren wichtigstes Symptom ein fehlendes Gewissen ist. Soziopathen empfinden weder Scham, Schuld noch Reue. Sie lieben nicht und lernen früh, Gefühle vorzutäuschen. Tatsächlich aber interessieren sie sich nicht für uns. Wie erkennen wir Soziopathen? Um uns gegen sie zu wappnen, lehrt Dr. Stout, Autorität in Frage zu stellen, Schmeichelei mit Skepsis zu begegnen und vor Rührseligkeit auf der Hut zu sein.

Dieses Buch behandelt nicht die spektakulären Fälle (leider bezieht sich auch Hare zu sehr auf straffällig gewordene Psychopathen), sondern auf diejenigen, die ein ganz normales Leben ohne besondere Glanzleistungen führen.

Teilweise wird der Rahmen allerdings zu weit gefasst, so dachte ich auf den ersten Seiten nur: Autsch, passt irgendwie. Allerdings weigere ich mich zu glauben, dass jeder, der sich vom Familienvermögen nährt und nichts zu Ende bringen kann, ein Soziopath ist. Ich für meinen Teil bin zwar auch immer ziemlich schnell entflammt für ein Thema, bringe aber nicht einmal ein simples Malen-nach-Zahlen-Bild zu Ende.

Genau wie die Autorin es vorbildlich zu finden scheint, wenn einige Leute ständig kuschen, nur um beliebt zu sein. Ich werde nie vergessen, wie eine Person sich einmal vom Tennisplatz hat schmeißen lassen, obwohl wir mit dem Spielen dran waren. War nichts zu machen, sie könnte sich ja unbeliebt machen. Das war vor 20 Jahren, meine Verachtung für diese Person ist geblieben. Soviel zum Thema *Beliebtheit*, der Frau würde es überhaupt nicht schaden frei nach Dutton *von Psychopathen zu lernen*. Auf *Beliebtheit*, weil ich leicht auszunutzen bin, kann ich verzichten. Es ist in allen Büchern, die ich zu dem Thema gelesen habe ist davon die Rede, dass Psychopathen als *menschliche Raubtiere* in der Lage wären, ihre Opfer zielsicher auszusuchen. Was keiner der Autoren erwähnt, dass es Persönlichkeitsstrukturen gibt, deren Träger geradezu darum betteln, veräppelt und ausgenutzt zu werden – und zwar nicht nur von Soziopathen.
(Wobei es ohnehin ans Übermenschliche grenzt, was die meisten Frauen bereit sind zu ertragen. Ich hätte schon in einigen Fällen die Bratpfanne aus der Küche geholt, wenn ich nicht irgendwann auf Nimmerwiedersehen verschwunden wäre.)

Ansonsten ist das Buch eine echte Bereicherung, da es hilft, die Muster der Alltagspsychopathen zu erkennen und dagegen etwas zu unternehmen. Man kann es als die seriöse Variante von *Psychos* ansehen, welche sich so zueinander verhalten wie die FAZ zur Bild-Zeitung.

Gegen Mitte und Ende fällt das Buch ziemlich ab. Das Thema *Wissen Psychopathen, dass sie Psychopathen sind*, handelt Stout damit ab, dass dies egal wäre, da sie immer noch die freie Entscheidung über ihr Tun hätten. Wenn es *egal* ist, hätte man das Kapitel auch streichen können. Auch die Betrachtungen zu allgemeinen Moral und dass Soziopathen schon irgendwann unglücklich würden, wenn man ihnen auf die Schliche kommt, waren mir zu selbstgefällig.

Fazit

*Der Soziopath von nebenan* ist ein sehr interessantes Buch über das Verhalten von Psychopathen im Alltag.

MARTHA STOUT, Ph.D., hat Ihre Ausbildung am renommierten psychiatrischen McLean-Krankenhaus absolviert. Sie ist praktizierende Psychologin und klinische Dozentin an der psychiatrischen Fakultät der Harvard Medical School. Sie ist Autorin des Buches The Myth of Sanity und lebt in Cape Ann, Massachusetts, USA

Höchststrafe für den „adligen“ Scharlatan

Gebundene Ausgabe: 293 Seiten
Verlag: Springer; Auflage: 1. Aufl. 2006 (4. April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3211297073
ISBN-13: 978-3211297070
Originaltitel: The Sociopath next door
Größe und/oder Gewicht: 15,6 x 1,9 x 23,4 cm

41-PKwPHjjL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX342_SY445_CR,0,0,342,445_SH20_OU03_