Draußen auf dem Land, zwischen Rüben und Rhododendren, ist die Welt eine bessere? Von wegen! Nur die Stadt bietet angesagte Kneipen und Kinderkrippen, Jobs und Junkfood ebenso wie Biogemüse, Bus und Bahn und Bibliotheken. Mögen uns noch so bunte Hochglanzmagazine in Millionenauflage ein Landidyll vorgaukeln – die Realität sieht anders aus: von Vielfalt und Flexibilität keine Spur.

Barbara Schaefer und Katja Trippel lieben das urbane Gewusel so sehr wie die stille Parkbank. Sie wohnen mittendrin – und sie singen das Hohelied auf ein Leben in der Stadt.

Es gibt Dinge, die kann man (mir) nicht schönreden und Städte gehören dazu. Natürlich habe ich schon Bilder aus Rom oder Venedig gesehen und gedacht, wenn schon eine Stadt, dann wenigstens diese. Aber wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich jedes 5-Häuser-Dorf dafür stehen lassen.

Das Problem bei dem Buch *Stadtlust* ist, dass es extrem einseitig geschrieben ist; Kritik an dem Phänomen *Stadt* wird nicht zugelassen, alles ländliche ist so langweilig, dass *schon der Regen aufregend ist*. Dass es Menschen gibt, die ihre Aktivitäten sehr gerne nach draußen verlegen, kommt den Autorinnen nicht in den Sinn. Ich stelle mir Minigolfen, Reiten und Spazierengehen in einer Stadt nicht so besonders prickelt vor.
Auch sonst wird alles schön geschrieben, Differenzierungen gibt es keine:

1.) Urban Gardening

Ich für meinen Teil finde, obwohl ich einen extrem großen Balkon habe, Gartenbau auf dem Balkon sehr limitierend. Es ist nett, aber ich habe nicht die große Hoffnung, dass mein Kirschbäume jemals das Wasser an Ertrag hereinbringen, welches sie bekommen. Ich glaube, ich habe den einzigen bepflanzten Balkon im ganzen Haus und andere Häuser sehen ähnlich aus- so beliebt wie die Autorinnen meinen, scheint es nicht zu sein.

2.) Verschiedene Wohnformen

Irgendwo zu leben und dafür z.B. einen Teil der Hof- und Gartenarbeit zu erledigen, kann ich mir nur auf dem Land vorstellen. Im Gegensatz zu den Autorinnen wäre ich nicht bereit, zur Mietminderung die Toiletten zu putzen. Ich stelle mir dies auch sehr konfliktbeladen vor.
Hätte ich das gemusst, wäre ich nie wegen des Studiums nach Mainz gezogen.

3.) Liebe und Partner

Sicherlich sollte man auf dem Land diskreter vorgehen als in der Stadt. Selbst in Städten von 30.000 Einwohner gibt es Leute, die sich den Ruf erarbeitet haben, dass schon jeder Interessierte über sie drüber gerutscht ist. Es gibt aber nichts, was man inzwischen nicht übers Internet regeln könnte. Wenn es kein Internet gibt, notfalls muss man es eben über Satellit beziehen.

Aber das Thema spielt für mich keine Rolle.

4.) Berufe

Lieber ein schicker App-Designer als Bauer. Tja, ich habe schon im Fernsehen einen Dataminer gesehen, der in den schottischen Highlands wohnt – möglich ist alles. Mal ganz davon abgesehen, dass mir nicht klar ist, was an handwerklichen Berufen so verkehrt ist, solange sie halbwegs Spaß machen. In Frankfurt hat sich mindestens einmal die Woche jemand vor die U-/S- Bahn geworfen und zwar ausnahmslos im morgendlichen Berufsverkehr. So toll scheinen die Stadtberufe wohl doch nicht zu sein; mal ganz davon abgesehen, dass Banker nicht viel zur Straßenreinigung beitragen.

5.) Artenvielfalt

Von der tierischen Artenvielfalt sehe ich im Odenwald mehr als in Frankfurt. Ist einfach so. Ich gehe davon aus, dass die Rattenprobleme der Großstädte nicht gemeint sind.

6.) Kultur

Ich habe in Mainz das rheinland-pfälzische Staatstheater in 10 Minuten Laufnähe gehabt und war nie drin. Wahrscheinlich wäre dies die nächsten 4 Jahre auch so geblieben. Mitternachtspremieren sind erwiesenermaßen bescheuert: Um 0 Uhr eine Stunde Werbung, um 1 startet ein Film, den man um 18 Uhr auch ausgeschlafen ansehen könnte. Wobei ich DvDs dem Kino vorziehe, da die ganzen Chipstüten-Raschler mir auf den Nerv gehen.

Dietzenbach hat teilweise ein sehr nettes Programm, aber mir lungern dort zu viel ausländische Jugendliche vor dem Theater herum. Jedenfalls so viele, dass ich und auch andere ihr Sicherheitsbedürfnis verletzt sehen.

Und den blöden Spruch *Stadtluft macht frei* mag ich inzwischen ebenso wenig lesen, wie dieses bescheuerte Wörtchen *fein*. Die Zeiten, in denen man 1 Jahr und 1 Tag sich in der Stadt aufhalten musste, um nicht mehr als Leibeigener zu gelten, sind definitiv vorbei. Wenn die Leute wüssten, was sie daher schwatzen oder, in diesem Fall, schreiben, würde es ihnen die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Ausgehen

*Ich gehe raus und habe Kneipen um mich herum* heißt es im Buch. Das hatte ich in Mainz auch, mit dem Resultat, dass um 4,5 Uhr morgens Besoffene grölend die Straße runter liefen und auf die Klingeln drückten. Und zwar jede Nacht. Eine weitere Vielfalt, die ich nicht vermisse.


7.) Gesundheit

Selten, dass ich einen Spezialarzt brauche. So nett es ist, bei einer baldigen OP die Klinik in der Nähe zu haben: Das ist das erste Mal, dass ich dies in Anspruch nehme. Und die Augen werden alle 10 Jahre nachoperiert. Absolut kein Grund, in der Stadt zu bleiben.
Schwimmbäder und Aquafitness/jogging/cycling benutzt meine Mutter gerne als Druckmittel, um mich in der Nähe zu halten: Es wird mich freuen ihr mitteilen zu können, dass der Odenwald mit Schwimmbädern übersät ist und in Michelstadt bieten sie auch Kurse an. Ich würde mich wahrscheinlich sogar mehr bewegen, weil ich dann öfter laufen liefe. Zum Reiten fahre ich schon in den Odenwald. Das einzige, was ich aufgeben müsste, wäre Fechten, was ich aber auch überleben würde.


8.) Multikulti

Mainz hat eine sehr große koreanische Gemeinde, die regelgerecht untergegangen ist.

In Frankfurt fühlen sich selbst Weitgereiste nicht sicher und wer nach Offenbach möchte, soll doch bitte eine Lebensversicherung zu meinen Gunsten abschließen. Offenbach-Stadt kann man guten Gewissens als lebensgefährlich einstufen. Die Offenbacher sagen nicht, sie kämen aus Offenbach, sondern aus Bieber oder Rumpenheim.

In der Kleinstadt Dietzenbach gibt es Viertel, in die sich die Polizei nicht reintraut. Und obwohl der offizielle Prozentzahl der Ausländer bei 30% liegt (die OP spricht von 50%) und es sehr nett ist, wenn der Asia-Laden, der pakistanisch-indische Lebensmittelladen und das türkische Geschäft nebeneinander liegen, ist es das unsichere Gefühl, mit dem man sich durch die Einkaufszone bewegt, nicht wert. Ich komme mir dort immer vor, wie in einem miesen Teil Istanbuls. Vor allem männliche, moslemische Jugendliche haben zudem die sehr unschöne Eigenschaft, fast ausschließlich in regelgerechten Rudeln aufzutreten, was das Sicherheitsgefühl auch nicht erhöht.

Zur multikulturellen Vielfalt gehört es auch, dass eine Bande von 10 – 13jährigen Kindern in Dietzenbach versucht hat, die Autofahrer abzuziehen, indem sie diese zum Anhalten zwangen und dann ausraubten. Ich hatte in weiser Voraussicht die Fahrertüre verriegelt. Wenn es nicht zu viele unangenehme Probleme nach sich gezogen hätte, hätte ich mit voller Fahrt draufhalten, was die einzig richtige Methode gewesen wäre. Aber Kinder sind ja so süüüß und diese weltfremden Richter haben von der Welt außerhalb des Gerichtssaales keine Ahnung, also habe ich habe ich es doch lieber gelassen. Mich möchte nicht der arme Tropf sein, der durch die Medien gezerrt wird, aber wer immer die Bande über den Haufen fährt, erweist der Gesellschaft einen Riesengefallen.
Vor 10-15 Jahren ist uns das Gleiche mit ausländischen Jugendlichen von vielleicht 16 Jahren passiert, als wir eine DvD ausleihen wollten.
*Kultursensible Urteile* haben ohnehin nur Ausländer zu erwarten.

Auf den Gestank fremdländischer Küchen in meiner Wohnung kann ich ebenfalls verzichten.

Das Leben wird durch nichts so eingeschränkt wie durch Ausländer. Ob ganze Gegenden abgeriegelt werden oder man sich dort nur unter Gefahr für Leib und Leben aufhalten kann, kommt im Endeffekt auf eins raus.

Tunesier und Nigerianer fallen in der Schweiz durch massive Kriminalität auf, so schaffte es im Kanton Jura kein einziger tunesischer Flüchtling, im Jahr 2012 nicht kriminell zu werden!

Kommentar in der Zeit

Die Vorteile wie Sushi-Lieferdienste und andere Restaurants machen die Nachteile absolut nicht wett. Vor allem, weil Lieferdienste wie Tropenkost.de, Gourmondo ect. sämtliche Spezialitäten bis ins höchste Alpendorf liefern.

Fazit

Das Buch ist extrem unreflektiert und schönfärberisch geschrieben; die Autorinnen sollten sich überlegen, ob der Gebrauchtwagenhandel nicht die richtige Branche für ihren Tunnelblick wäre.

Leseprobe

Journalistin Barbara Schaefer hat Theaterwissenschaften studiert und liebt das Reisen. Ihre Reisebücher und Reportagen für BRIGITTE, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Süddeutsche Zeitung u. a. führten sie nach New York und Shanghai, nach Kuba und Kärnten, Süditalien und Nordnorwegen. Nach Stationen in München und in Stuttgart lebt sie inzwischen in Berlin.

Katja Trippel studierte Geografie und besuchte die Hamburger Journalistenschule. Als GEO-Redakteurin schreibt sie über Wälder oder Perlenzucht, für einen Report zur Überfischung der Weltmeere erhielt sie 2008 den Henri-Nannen-Preis. Für ihre Reportagen reiste sie ins Allgäu und nach Kamerun, nach Paris, Marseille und Mayotte. Sie lebt in Berlin und Hamburg.

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (10. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764504900
ISBN-13: 978-3764504908
Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,8 cm

Stadtlust von Barbara Schaefer