Georg T. erstickte seine Frau und verbrannte ihre Leiche auf der Straße. Über die Motive schwieg er. Tanja G. tötete ihre neugeborenen Kinder, versteckte sie im Kleiderschrank. Die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh weiß, dass es meist profane Gründe sind, die aus Menschen Mörder machen: Selbsthass, Eifersucht, Einsamkeit oder Angst. Sie zeigt, wie alltäglich das Böse ist und warum sich eine Gesellschaft gerade deswegen ihre Menschlichkeit bewahren muss.

Ich bin auf die Autorin über die Doku *Täter ohne Reue* aufmerksam geworden.

So wirklich überzeugt hat mich das Buch nicht. Vieles ist mir zu fremd, wie schizoide Persönlichkeitsstörungen, von denen im Buch einige vorgestellt werden.

Interessant fand ich nur den Fall einer Frau, die ihr Neugeborenes getötet hat. Alleine davon abgesehen, dass einem bei ungebetenen Kindern das deutsche Adoptionsrecht kaum eine andere Wahl lässt, weil ich es faszinierend fand, wie die Psyche auf den Körper einwirkt. Während Frauen, die das Kind haben wollen, keine Menstruation bekommen und im Krankenhaus leiden, bekommen Frauen, die das Kind nicht wollen, oft ihre Regel und das Kind plumpst oft beim WC-Gang einfach raus. Andererseits konnte ich einmal den umgekehrten Vorgang beobachten, denn Hundi hatte eine Scheinschwangerschaft entwickelt, nachdem sie wochenlang einen Schuh betüdelt hatte.

Irgendwie war es gleichzeitig der einzige Fall, bei dem ich nicht so ganz nachvollziehen konnte, warum da irgendwer ermittelt. Vom Verstand her schon, aber sonst nicht, das passt nicht in meine persönliche Logik. Irgendwie fehlt mir da etwas, ich werde das Trara, welches andere Menschen um Kinder machen, nie verstehen können.

So bleibt eigentlich nur das Nachwort, dass viele Leute eine flexible Moral besitzen und es mehr Mitgefühl hervorruft, wenn einer alten Damen die Handtasche weggerissen wird als wenn eine wohlhabende Bankiersgattin gefesselt und geknebelt eine Nacht im Keller liegt. Eigentlich erschreckend, wie Neid das Moralgefüge der Menschen durcheinander wirbelt.

Fazit

Mir fehlte bei den Fällen einfach der Bezug zu (meiner) Realität. Unterm Strich bleibt nur die Erkenntnis, dass die Unterbringung in der forensischen Psychiatrie wesentlich länger dauern kann als ein Gefängnisaufenthalt.

Dr. med. Nahlah Saimeh, geboren 1966 in Münster/Westfalen, studierte Humanmedizin und absolvierte anschließend eine Facharztausbildung zur Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie ist spezialisiert auf Forensische Psychiatrie und seit 12 Jahren in leitender Funktion auf diesem Gebiet tätig. Gegenwärtig ist sie ärztliche Direktorin einer hoch gesicherten forensisch-psychiatrischen Klinik. Als Gutachterin ist sie mit Fragen der Schuldfähigkeitsbeurteilung und Gefährlichkeitsprognose befasst, ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der Begutachtung von Gewalt- und Sexualstraftätern.

Taschenbuch: 256 Seiten

Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 4 (12. November 2012)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3492300731

ISBN-13: 978-3492300735

Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2,2 cm

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