Salam alaikum! Auf der ganzen Welt begrüßen sich Muslime heute mit dieser Formel 1400 Jahre nachdem der Erzengel Gabriel nach muslimischem Glauben dem Propheten Mohammed in Mekka den Koran diktierte. Fremd ist nur, was man noch nicht kennt! Nach den erfolgreichen ARD-Reihen über das Christentum und das Judentum hat sich ein Filmteam auf die Reise gemacht, den Islam kennen zu lernen und ein besseres Verständnis dieser faszinierenden Kultur zu ermöglichen.
„Gesichter des Islam“ ist ein versöhnliches, aber nicht unkritisches Porträt. Es führt zu Menschen, die den Islam als Religion und Lebensweise praktizieren, und zu Wissenschaftlern und Autoren, die ihn als Weltanschauung und gesellschaftliche Kraft verstehen, aber auch modernisieren wollen. In Interviews schildern prominente Persönlichkeiten ihre Sicht der Religion: Tarik Ramadan, der für den Islam und den Westen Wege des Zusammenlebens sucht, Shirin Ebadi, die im Kampf für eine Reform im Iran ihr Leben riskiert und als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis erhielt, und viele andere Vertreter des Islam.
Das Begleitbuch führt zu geschichtsträchtigen Stätten und in die Mitte des modernen Alltagslebens: in Moscheen, auf Märkte, in Schulen, Filmstudios, Internetcafés und in so unterschiedliche Länder wie Marokko, Indonesien, Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien, den Iran und nicht zuletzt Deutschland.

Ein Dichterfürst mit türkischen Vorfahren. Goethes Vorfahren gehen auf den türkischen Hauptmann Sadok Selim zurück. Dieser gelangte in Kriegsgefangenschaft nach Brackenheim, ließ sich auf den Namen Johannes Soldan taufen auf den viele Männer von Rang zurückgehen sollen - unter anderem Johann Wolfgang von Goethe. Und auch wenn es in der arabischen Welt gerne geglaubt wird: Goethe war kein Moslem, dies ist eine Fehlinterpretation. (Informationen von S. 82)

Ein Dichterfürst mit türkischen Vorfahren. Goethes Vorfahren gehen auf den türkischen Hauptmann Sadok Selim zurück. Dieser gelangte in Kriegsgefangenschaft nach Brackenheim, ließ sich auf den Namen Johannes Soldan taufen auf den viele Männer von Rang zurückgehen sollen – unter anderem Johann Wolfgang von Goethe. Und auch wenn es in der arabischen Welt gerne geglaubt wird: Goethe war kein Moslem, dies ist eine Fehlinterpretation.
(Informationen von S. 82)

Ich war misstrauisch, meistens ist das bei den deutschen Staatsmedien auch angebracht und das Buch geht auf eine Sendereihe *Gesichter des Islam* zurück.

In gewisser Weise bin ich auch nicht enttäuscht worden, denn  Aussagen werden nicht hinterfragt. Der Islam ist nicht imperialistisch? – Wie konnte er sich dann von Spanien bis Indonesien ausbreiten? Woher kommen dann Sprüche wie von Özdemir in der Hürryet, dass *wir mit unserem Verstand schaffen werden, was unsere Vorfahren vor Wien nicht schafften*? Auch die Aussage, dass der Islam für Respekt gegenüber anderen stehen würde, kann ich nicht nachvollziehen – ich habe schon oft erlebt, dass Frauen betatscht wurden, *weil es ja nur Deutsche sind* und Banden im Rewe die Verpackungen aufrissen, während der Wachdienst angestrengt in die andere Richtung sah.

Auch, dass es nur 20 Millionen Muslime in Europa gäbe, kann ich nicht glauben. In ganz Deutschland vielleicht (hier sollen es angeblich nur 5 Millionen sein), aber in Paris fühlt man sich wie in Nordafrika; in London, Frankfurt, Berlin und im Ruhrgebiet ebenfalls.

Sieht man von diesen Ungereimtheiten ab, informiert das Buch recht gut über die verschieden Auslegungen des Islam, wobei auch immer wieder Vergleiche zu anderen Religionen, vornehmlich dem Christentum gezogen werden. So wird z.B. erklärt, warum christliche Frauen ihren Kopf beim Beten bedecken müssen (1. Korintherbrief), es bei moslemischen dagegen umstritten ist.

Dabei werden auch unangenehme Themen und religiöse Exzesse nicht verschwiegen, wobei ich mich frage, wie repräsentativ die vorgestellten Menschen sind. Für Deutschland wird z.B. als allererstes eine Dame vorgestellt, die Germanistik, Anglistik, Evangelische Theologie (!) und Sozialpädagogik studiert hat. Das lässt mich an dem Konzept des Buches an sich zweifeln, denn natürlich kann man sich überall besonders aufgeklärte Menschen finden, aber diese als den breiten Durchschnitt darzustellen ist unseriös. Bei anderen Länder fehlt mir der Vergleich. Und so bleibt der Beigeschmack, dass es sich um staatliche Augenwischerei handelt.

Themen wie der Dschihad und Salafisten werden zwar angeschnitten, sind mir aber auch teilweise zu einlullend. Es mag sein, dass die meisten Muslime den Dschihad als persönliche Anstrengung sehen, aber die ganzen Selbstmordattentäter können in der Masse nicht alle fehlgeleitet sein.

Den Abschluss des Bandes bilden ein Epilog, eine Literaturauswahl und ein Impressum. Daneben bietet die Innenseite des vorderen Buchdeckels zwei farbige Karten zur historischen Ausbreitung des Islam, der hintere Buchdeckel eine Weltkarte, auf der der muslimische Bevölkerungsanteil der Ländern mittels unterschiedlicher Grüntöne markiert ist.

Fazit

Wenn man das Buch liest, muss man sich bewusst sein, dass es über die ARD in staatlichen Auftrag entstanden ist und dadurch nur bedingt vertrauenswürdig ist. Trotzdem zeigt es sehr gut die verschiedenen Auslegungen des Islam und die unterschiedlichen Weise den Islam zu leben.


Reinhard Baumgarten arbeitete als ARD-Korrespondent in Kairo. Er hat Islamwissenschaften und Arabistik studiert und arbeitet im Ressort Religion, Kirche und Gesellschaft beim Südwestrundfunk in Stuttgart.

Gebundene Ausgabe: 173 Seiten
Verlag: Theiss (1. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3806223742
ISBN-13: 978-3806223743
Größe und/oder Gewicht: 27,6 x 21,8 x 2 cm

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