Investmentbanker gelten als Hauptbeteiligte in einem Spiel, von dem viele glauben, dass es uns unseren Wohlstand und unsere Sicherheit kostet. Aber wer sind diese Leute und was bewegt sie? Nils Ole Oermann legt ausgehend von dem 2000 verstorbenen Edson Mitchell, dem Prototypen des Investmentbankers, eine Anthropologie der Finanz- und Wirtschaftskrise vor und erzählt den Aufstieg der Deutschen Bank im globalen Investmentbanking. Mitchell machte die Deutsche Bank ab Mitte der 1990er-Jahre von einem zweitklassigen Marktteilnehmer zum Global Player im Investmentbanking. Anshu Jain etwa, der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, wurde maßgeblich von ihm geprägt. An Edson Mitchells Karriere lässt sich so gut wie vielleicht an keiner anderen erklären, wie in den letzten 15 Jahren Investmentbanking zum bestimmenden Spiel in der globalen Finanzindustrie werden konnte, nach welchen Regeln es gespielt wird und wer die Spieler sind.

Frankfurter Skyline von der Deutschherrnbrücke aus gesehen, im Vordergrund Main und Flößerbrücke ____ Foto: Roland Meinecke

Frankfurter Skyline von der Deutschherrnbrücke aus gesehen, im Vordergrund Main und Flößerbrücke
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Foto: Roland Meinecke

Wenn ich etwas an anderen Menschen (oder meinetwegen auch Personengruppen) bewundere, dann ist es Fokussion und das Durchsetzen der eigenen Ziele, egal ob es sich um einen Sportler handelt oder eben um Banker wie hier im Buch. Ich finde diese Rücksichtlosigkeit auch gerade gegenüber sich selbst großartig, vielleicht weil ich dafür selbst zu weich bin.

Das Buch nimmt den Tod von Edson Mitchell zum Anlass, die Gesellschaft der Banken und exemplarische Karrierewege zu beleuchten. Ein gewisses Grundwissen wie Schattenbanken, der Libor-Skandal, Redlining, Subprimes wird zwar vorausgesetzt, jedoch sollte der aufmerksame Zeitungsleser damit nicht überfordert sein.

Auch wenn vieles von außen ziemlich surreal wirkt, wie Duschen in den Banken, damit man ein paar Tage durcharbeiten kann oder dass es einen regelgerechten Kokon gibt, in welchem die immer gleichen ständig wieder aufeinandertreffen, so ist meine Achtung gerade dadurch noch einmal gestiegen.

Fazit

Ein gut lesbares Buch, welches das soziale Gefüge in dem Bankensystem deutlich macht. Mich hat es sehr viele offene Fragen beantwortet, die ich mir aus den Nachrichten nicht erklären konnte wie z.B. Fragen der Loyalität zwischen Chef und Angestellten.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Nils Ole Oermann, geb. 1973, ist Direktor des Instituts für Ethik und Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung an der Leuphana Universität Lüneburg und hat dort eine Professur für Ethik mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und nachhaltiges Wirtschaften inne. Weiterhin ist er Direktor am Forschungsbereich „Religion, Politics and Economics“ an der Humboldt Universität Berlin und Gastprofessor mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. Von 2004-2007 war er der Persönliche Referent von Bundespräsident Dr. Horst Köhler, dem er bis heute zuarbeitet. Seit 2009 ist er zudem beratend für den Bundesminister der Finanzen, Dr. Wolfgang Schäuble, tätig. Er lebt mit seiner Familie in der Altmark

Der Freitag hat zu dem Buch einige Videos und Texte zusammengestellt.

Q & A Investmentbanking

Das Erbe nach dem Crash

Investmentbanker – Das Erbe nach dem Crash: Warum kommt die Deutsche Bank nicht aus den Schlagzeilen heraus? Eine Erklärung liefert die Geschichte dieses Mannes. von Nils Ole Oermann

Empfohlene Wirtschaftsbücher
Lovly Books

Rezension bei Rivella49 / Martina Ramsauer, die sich recht interessante Gedanken gemacht hat und bei der ich noch Anmerkungen hinterlassen habe. Dort hat sich eine recht interessante Diskussion entsponnen.

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Verlag Herder; Auflage: 1 (12. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345130676X
ISBN-13: 978-3451306761
Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2,6 cm

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