Hans-Joachim Maaz zeigt, dass Gier, nach Geld oder nach anderen Lebensvorteilen, Ausdruck einer narzisstischen Störung ist. Der narzisstische Mensch ist ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch. Er tut alles, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten – durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion. Besonders ausgeprägt ist diese Störung bei den Trägern gesellschaftlicher Macht: bei Politikern, Managern und Stars. »Politik ist narzissmuspflichtig«, so Maaz. Der Autor plädiert dafür, dass wir uns von der Wachstumsideologie ebenso wie von der Leistungsgesellschaft verabschieden.

Mit freundlicher Genehmigung von Erzählmirnix.

Mit freundlicher Genehmigung von Erzählmirnix.

Das Buch war für mich ziemlich schwierig zu lesen und eigentlich müsste ich es noch einmal lesen, wobei ich dann die Kapitel noch einmal zusammenfassen müsste, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich alles verstanden habe. Zumindest musste ich einige Absätze mehrmals lesen, um ihren Sinn erfassen zu können.

Dazu habe ich den Eindruck, dass Maaz oft einfach nicht weiß wovon er redet, wenn z.B. dass Bild vom gierigen Banker beschworen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Bankangestellten, geschätzt 90-99% von ihnen, nicht mehr verdienen als andere Angestellte, drängte sich mir der Eindruck auf, dass er nie in einem Beruf mit Zielvorgaben gearbeitet hat. Wenn ich damals bei der Versicherung 1-2 Jahre meine Ziele nicht erreicht hätte, wäre ich aus gefeuert worden, bei einem Investmentbanker ist es eben teilweise bis zu 1 Milliarde Euro Vorgabe. Das sind einfach andere Summen, sowohl in der Vorgabe als auch im Verdienst. Ich habe den Kunden auch Versicherungen aufgedrückt, die mehr oder weniger überflüssig waren, nur um meinen Bonus zu bekommen. Die Leute sind nicht gierig, sie versuchen, nicht gefeuert zu werden.

Dennoch hat das Buch mir zu vielen Einsichten, teilweise in mich selbst und teilweise in das Verhalten anderer.

Als Ostdeutscher erschrecke ich, wenn ich in der demokratischen Gesellschaft eine fast totalitäre Meinungsherrschaft feststellen muss, wenn Abweichler vom Mainstream, der gesellschaftlich opportunen Situation medial gehetzt und abserviert werden und viele Menschen einfach nur nachplappern, was vorgegeben wird, ohne sich mit den Inhalten Andersdenkender ernsthaft auseinandergesetzt zu haben, Wie groß muss der Bedarf an verfolgungsfähigen Sündenböcken sein, an deren Abwertung man sich narzisstisch aufbauen kann im vermeintlichen Glauben, doch auf der richtigen Seite zu stehen. Dabei verrät die kollektive Abwehrfront, dass etwas angesprochen ist, dessen Wahrheit unangenehm sein könnte und mithin die eigene narzisstische Kompensation in Frage stellen würde.

S.48

Das erlebe ich immer wieder erschreckend im Internet.
Absolut geschockt war ich von einer Aussage in einem Blog, dass man das Buch *Deutschland schafft sich ab* rassistisch wäre und nichts taugen würde. Um das zu wissen, müsste man das Buch nicht lesen, das wäre auch so klar.
Auch wenn ich das Blog noch im Abo habe, habe ich seit dieser Aussage nie wieder eine einzige Buchbesprechung (oder sonst irgendetwas aus dem Blog) gelesen. Was soll ich denn von jemanden halten, der ein Buch verurteilt, welches er nie in den Händen hatte? Der die Bücher (und höchstwahrscheinlich den Rest der Welt mit) in falsch und richtig einteilt, obwohl er sie nicht kennt?

Ich bemerke das auch immer wieder bei ZeitOnline, wo das gesellschaftliche Miteinander so geschrieben wird, wie es idealtypisch sein sollte und von Redakteuren alles rausgelöscht wird (bis zur Kontosperrung wegen absolut nichtiger Aussagen), wenn das nicht ins links-grüne Denken passt. Mit besten Wissen und Gewissen, weil man ja auf der richtigen Seite steht.

„Die Gesellschaft wird dumm gehalten“

Echo und Narziss (John William Waterhouse, 1903, Walker Art Gallery, Liverpool)

Echo und Narziss
(John William Waterhouse, 1903, Walker Art Gallery, Liverpool)

Die Tragik und Gefährlichkeit des destruktiven Verhalts gegen andere und sich selbst liegt darin, dass es als *normal* und *richtig* erlebt wird, weil *alle* es so machen. Die eigene Selbstentfremdung ist im kultivierten *falschen* Leben nicht mehr erkennbar. Was man spricht und tut, wird von vielen anderen bestätigt und so auch für wahr und richtig gehalten. Mit rationalisierenden Argumenten werden das Fehlverhalten und die Verzerrung der Realität begründet und gerechtfertigt sowie entsprechend beklatscht.

S. 49

Das ist die berühmte Bubble, die suggeriert, dass man selbst eine *normale*Auffassung vertritt, weil sich an das Blog oder die Zeitung ein paar Gleichgesinnte angelagert haben. Natürlich wird man in einem Pferdeblog wenige Leser haben, die die Viecher am liebsten zu Lasagne verarbeiten würden; in einem Atheistenblog wenige, die jeden Sonntag in die Kirche rennen usw. Die Gefahr besteht darin, dass man irgendwann glaubt, die eigene Meinung wäre deswegen die richtige, weil ein paar Einflüsterer diese bestätigen.

Ich erinnere mich mit Grauen an das Blog eines Atheisten, der meinte, er müsse seine Kinder so richtig indoktrinieren, wenn diese mal wieder *verwirrt aus dem Religionsunterricht kommen.* Meinen hartnäckigen Nachfragen, inwiefern seine Indoktrination besser wäre als die von ihm kritisierte kirchliche, entzog er sich erst mit Verweisen auf seine Einflüsterer und am Ende mit Löschung / Sperrung meiner Kommentare. Auf die Idee, seine Kinder entscheiden zu lassen, welches Weltbild sie annehmen wollen, ist er vermutlich keine Sekunde gekommen.

Für mich ein klarer Fall des in dem Buch viel angesprochenen Themenkomplexes *Narzisstische Eltern*, welche das Kind nicht in seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten bereit sind anzunehmen, sondern ein Mini-Ich formen möchten.

Ein andere Form des eindeutig narzisstischen Mißbrauchs sind Fälle wie sie hier in diesem Zeitartikel beschrieben werden. Besser haben es da die Holländer, Dänen oder auch Belgier. Dort können Paare in der Regel nicht nur ihre Kinder ab der achten Lebenswoche in die Kita geben,

Was ist das für eine Frau (von Mutter kann man nur im biologischen Sinne reden), die davon träumt, ihr Kind in der 8. Lebenswoche (!) in den Kindergarten abschieben zu können? Und warum bekommt man dann überhaupt ein Kind, wenn man es doch nicht um sich haben möchte? Das ist narzisstische Befriedigung in Reinform. Habgier in seiner übelsten Ausprägung.

Vor allem haben mir die Sätze (aus Copyright-Gründen habe ich nur kleine Ausschnitte abgetippt), erklärt, warum einige Leute so ausrasten, wenn man ein von ihnen geliebtes Objekt, sei es ein Computerspiel oder wie hier das Buch *Der Junge, der Träume schenkte* so ausrasten. Ich habe gerade im Umfeld von *World of Warcraft* Leute erlebt, die sich so in den Hass auf den Kritiker reinsteigern konnten, dass sie Gesetze und Persönlichkeitsrechte überhaupt nicht mehr kümmerten. Nur, weil man etwas kritisch sah, was sie gerne hatten. *Gemeingefährliche Irre* ist für Leute mit narzisstischen Größenklein, wie der Autor sie nennt, noch eine gelinde Untertreibung. Dazu kommt obiges Zitat, dass man sich gegenseitig in den Wahn reden kann, selbst bei Gesetzesbrüchen noch auf der richtigen Seite zu stehen.

Das Problem ist wie immer: Diejenigen, die davon betroffen sind, werden das Buch nicht lesen und sich dementsprechend nicht erkennen und korrigieren.


Ich habe mir das ganze Video nicht angesehen, aber laut Buch beleuchtet der Film, wie Bushs Narzissmus die westliche Welt in den Irakkrieg stürzte.

Die mühevoll errungenen Lebenserfolge und die Anpassung an die gesellschaftlichen Bedingungen dienen vor allem der Kompensation narzisstischer Defizite. Deshalb muss man ein *gutes Leben* notfalls herbeireden, sich selbst suggerieren und nach außen überzeigend vertreten.

S. 51

Auch wieder so eine typische Internetgeschichte.
Komischerweise haben alle immer den *besten Ehemann von allen.* Drunter geht es nicht. Nicht der Partner, der zu einem passt, nein, der beste.
Ich kenne auch nur ein Blog, in welchem ehrlich über die persönlichen Nöte geschrieben wird. Die sonst komischerweise im Internet sonst keiner hat. Alles wunderbar, man hat den besten Partner, ist wer-weiß-wie-intelligent, wohnt im schönsten Dorf der Welt, schreibt immer nur Einsen und, und, und… Mal ganz davon abgesehen, dass es langweilt, weiß ich auch nicht, was diese Kunstmärchen bezwecken sollen. Wenn sie andere neidisch machen sollen, dann kann man konstatieren, dass der entsprechende Blogger minderbemittelt ist. Der Normalmensch kann wütend sein, zornig, das verraucht irgendwann. Aber Neid frisst sich ein, also warum dieses Gefühl in anderen erzeugen? Und wen wollen diese alles-ist-toll-Menschen täuschen? Sich selbst, andere, beide?

Genau wie ich ein Bild nicht mehr aus dem Kopf kriege, auf dem er groß gemalt voran marschiert und sie in Viertelgröße hinterher. Besser kann man die Beziehung Narzisst – Co-Narzisst, welche im Buch immer wieder eine auf verschiedenen Ebenen Rolle spielt, nicht illustrieren. Auch da stellt sich die Frage: Wie kann man im wahrsten Sinne des Wortes sein Innerstes so selbst entblößen? Wie groß muss da der Selbstdarstellungsdrang sein, den diese Person mit ihren großartigen Talenten gar nicht nötig hätte?

Fazit

Das Buch bringt zum Nachdenken über das eigene Verhalten, dessen Ursachen, aber auch über das Verhalten anderer. Besonders nachdenklich machte mich das Kapitel auf körperliche Symptome. Die Politikerbeispiele beziehen sich alle auf Deutschland, im Ausland wird man evtl. mit von Guttenberg oder Hannelore Kohls Lichtallergie nicht viel anfangen können.

Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Psychoanalytiker, war lange Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Diakoniekrankenhauses in Halle.

Bloginterne Seite *Psychologie*.

Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423348216
ISBN-13: 978-3423348218
Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 12,2 x 2,3 cm

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