„Fünf Tagesmärsche vom nächsten Dorf entfernt, inmitten einer unendlich weiten Natur, habe ich mich sechs Monate lang bemüht, glücklich zu sein. Zwei Hunde, ein Holzofen, ein Fenster mit Blick auf den See genügen.“ Sylvain Tessons Aufzeichnungen handeln vom Versuch, durch Weltabgeschiedenheit und Einsamkeit frei über die eigene Zeit verfügen zu können. „Ein Buch von magnetischer Anziehungskraft“ (Le Monde Des Livres), das in Frankreich Hunderttausende begeistert hat und international von Lesern und Kritik gefeiert wird.

Eine Trauermeise. _ Poecile lugubrisGemeinfrei Thomas Juchors Paoletti - Eigenes Werk

Eine Trauermeise.
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Poecile lugubrisGemeinfrei
Thomas Juchors Paoletti – Eigenes Werk

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in welchem auf der ersten Textseite die ganze Handlung steht und danach nichts Substanzielles mehr kommt.

„Einmal als Einsiedler im Wald leben, diese Erfahrung wollte ich unbedingt machen, bevor ich 40 wurde. Sechs Monate (Februar bis Juli 2010) habe ich in Sibirien in einer Hütte am Ufer des Baikalsees verbracht … 120 Kilometer bis zum nächsten Dorf, keine Nachbarn, keine Zufahrtsstraßen, ab und zu Besuch. Bis zu minus 30 Grad im Winter, im Sommer Bären. In einem Wort: das Paradies. Ich hatte Bücher, Zigarren und Wodka dabei. Der Rest – die Weite, die Stille und die Einsamkeit – war schon da. Ich führte in dieser Einöde ein schönes zurückgezogenes und auf das Wesentliche beschränktes Leben. Die Tage zogen vorüber … ich hackte Holz, ging fischen, las viel, lief in den Bergen herum und saß Wodka trinkend am Fenster. Von diesem Posten aus beobachtete ich die Regungen der Natur … Jeden Tag schrieb ich meine Gedanken in ein Heft. Dieses Einsiedler-Tagebuch halten Sie nun in Händen.“ (Zitate sind von mir selber übersetzt, ich habe auf französisch gelesen.) Aus einer Amazon-Rezi entnommen.

Den Rest des Buches zu lesen, kann man sich sparen, denn das ist der ganze Inhalt. Es werden keine Fragen aufgeworfen, was die Einsamkeit mit einem macht oder wie sich der Autor mit ihr verändert. Stattdessen tägliche Berichte vom Holzhacken und Eislöcher bohren. Das einzig spezifisch russische an dem Buch ist der enorme Alkoholkonsum, ansonsten hätte der Autor sich auch nach Norwegen oder Alaska zurückziehen können, dort gibt es sicherlich auch mehr als genug freie Plätzchen für Einsiedlererfahrungen.

Fazit

Ich wollte das Buch als Ergänzung zu Ins eisige Herz Sibiriens: Eine Reise von Moskau nach Wladiwostok lesen, aber leider erfährt man über das Leben in Russland gar nichts.

Leseprobe auf der Verlagsseite

Sylvain Tesson, geboren 1972 in Paris, ist Schriftsteller, Filmemacher und Reisender. Er fuhr mit dem Fahrrad um die Welt und unternahm viele monatelange Expeditionen – durch den Himalaya, von Sibirien nach Indien zu Fuß und immer wieder nach Zentralasien. Für seine Reisebeschreibungen und Essays wurde er 2009 mit dem Prix Goncourt de la nouvelle ausgezeichnet. „In den Wäldern Sibiriens“ erhielt 2011 den Prix Médicis.

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (3. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3813505642
ISBN-13: 978-3813505641
Originaltitel: Dans les forêts de Sibérie
Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,8 cm

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