Nordkorea ist das isolierteste Land der Erde. Wenige Nachrichten dringen aus dem vom Kim-Clan diktatorisch regierten Staat nach außen, und wenn, dann sind es meist Negativschlagzeilen: Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, brutale Straflager, Atomwaffenversuche, Waffenhandel, Streit mit Südkorea. Die völlige ideologische Gleichschaltung wird von der Bevölkerung augenscheinlich klaglos hingenommen. Rüdiger Frank ist weltweit einer der wenigen Kenner Nordkoreas, seit vielen Jahren besucht er das Land regelmäßig. Er beschreibt die Machtstrukturen und die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Geschichtsverständnis und den Alltag. Aus seiner langen Erfahrung berichtet er aber auch von den Veränderungen, die er in den letzten Jahren beobachten konnte, und versucht eine für uns unbegreifliche Gesellschaft ein wenig begreiflicher zu machen.

Panoramablick auf Pjöngjang Fußnote (1)

Panoramablick auf Pjöngjang
Fußnote (1)

Zuerst sollte ich klären, was das Buch nicht ist: Ein Reisebericht wie die National Geographic-Bücher, in welchen jemand im Land herumreist und von der Reise berichtet. Zwar gibt es zahlreiche Anekdoten, aber das Anliegen des Autors ist es, das politische und wirtschaftliche System, vor dem geschichtlichen Hintergrund, vorzustellen. Es wendet sich also zu allererst an politikinteressierte Leser.

Und das tut das Buch sehr gut, es zeigt erst die geschichtlichen Parallelen seit dem 16. Jahrhundert zur Gegenwart auf und greift Vorfälle bis ca. 2013 auf, das neuste Ereignis war entweder die Schließung einer Sonderwirtschaftszone oder die Erschießung einer südkoreanischen Touristin, welche sich in militärischen Sperrgebiet aufhielt.
Gerade anhand dieser Sonderwirtschaftszonen beschreibt der Autor sehr plastisch, wie die beiden Landesteile sich auseinander entwickelt haben. Einen sehr großen Teil nimmt die Finanzierung Nordkoreas durch Rohstoffe und, man glaubt es angesichts der Boykotte kaum, Entwicklungshilfen der USA ein.

Bei der Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung ist der Autor anscheinend sehr neutral, berichtet er aus den 80er Jahren, dass in Kaufhäusern nichts verkauft wurde, damit die Regale immer voll sind, so ist der gegenwärtige Stand, dass in der Restaurants die Teller oft halbvoll zurückgegeben werden – also kein Grasessen, wie in den Medien immer erzählt wird.

Sehr gut fand ich, dass Frank seine Erfahrungen aus Ostdeutschland einbringen konnte, um die Menschen in Nordkorea besser zu verstehen.

Fazit

Das Buch ist sehr interessant und hilft ungemein, das Land und die Region zu verstehen. Ich hatte durchaus den Eindruck, dass es dem Autor daraum geht, ein realistisches Bild von dem Land zu vermitteln und keine Propaganda zu verbreiten.

Leseprobe

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (22. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3421046417
ISBN-13: 978-3421046413
Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 4,2 cm

(1) „0322 Pyongyang Turm der Juche Idee Aussicht“ von Sven Unbehauen – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:0322_Pyongyang_Turm_der_Juche_Idee_Aussicht.jpg#mediaviewer/File:0322_Pyongyang_Turm_der_Juche_Idee_Aussicht.jpg

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