England 1867. Die junge Eliza Caine fährt in die englische Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace freudig begrüßt. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass außer den beiden Kindern niemand in dem alten viktorianischen Anwesen lebt – bis sie erkennen muss, dass sie dennoch nicht alleine sind. Etwas verfolgt sie und trachtet ihnen nach dem Leben. Eliza muss längst begrabene, tödliche Geheimnisse enträtseln, wenn sie nicht selbst den düsteren Mauern von Gaudlin Hall zum Opfer fallen will.

Sieht aus, wie ein Spukschloß aussehen sollte: Fettes College from the south-eastCC BY-SA 3.0 Stephencdickson - Own work

Sieht aus, wie ein Spukschloß aussehen sollte: Fettes College from the south-eastCC BY-SA 3.0
Stephencdickson – Own work

Da hat jemand sehr gründlich *Das Durchdrehen der Schraube* von Henry James gelesen, sieht man von dem schützenden Geist ab, folgt die Dramaturgie genau dem Klassiker: Eine Gouvernante kommt auf einen verlassenen Herrensitz, zwei Kinder, Mädchen und Junge; eine Begegnung mit den Geistern an einem Gewässer (Bei Henry James ein Picknick am See, hier Schwimmen im Meer im Winter (!)), beide Male kommt die Gouvernante zurück…die Parallelen sind extrem. In *Haus der Geister* wurden gerade noch so viele eigene Elemente hinzugefügt, dass die Geschichte nicht als Nacherzählung durchgeht.

Nur schafft Boyne es nicht, den psychologischen Terror des Originals in sein Buch zu transportieren. Die Gouvernante wird im Kampf der Geister durch den Raum geschleudert, ihr werden die Hände verbrüht und trotzdem kommt sie in London auf die Idee, dass alle Geister nicht so schlimm sind wie Londons dreckige Luft, und dass sie diesbezüglich doch froh ist, wieder nach Norfolk zurückzukehren.

Ich kannte von Boyne bis jetzt nur das überragende Buch *Das späte Geständnis des Tristan Sadler* und ich bin zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht, dass er nun ein so triviales Buch geschrieben hat. Bei einem anderen Autor hätte ich den Roman als eine nett zu lesende Schauergeschichte eingeordnet, die die Cliffhanger an den richtigen Stellen hat, sodass man unbedingt weiterlesen möchte. Von ihm habe ich allerdings mehr Anspruch erwartet.

Fazit

Das thematisch sehr ähnliche *Das Durchdrehen der Schraube* ist deutlich gruseliger geschrieben, für diejenigen, welche es nicht kennen und sich einfach nur gut unterhalten lassen wollen, ist *Haus der Geister* als Softversion gut geeignet.

Verlagsseite mit Leseprobe

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«.

Erschienen am 06.10.2014
Übersetzt von: Sonja Finck
336 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-492-06004-2
€ 16,99 [D], € 17,50 [A], sFr 24,50

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