Die Hamburgerin Karin Haß folgt dem Ruf der russischen Taiga – wo die Flüsse im Winter monatelang zufrieren und ein Satellitentelefon die einzige Verbindung zur Außenwelt ist. Nach anfänglichen Paddeltouren durch abgeschiedene Wälder gelangt sie nach Ostsibirien, in ein entlegenes Dörfchen am Oljokmafluss, und beschließt, acht Monate hier zu leben. Dabei lernt sie den harten Alltag der Bewohner kennen, schließt Freundschaften und findet schließlich ihre große Liebe: den Ewenken Slava, der seinen Unterhalt durch Jagd und Fischfang bestreitet. Ein einfühlsamer Bericht über eine fremde Kultur, zwei völlig verschiedene Menschen und eine Entscheidung fürs Leben.

Sibirische Taiga bei Krasnojarsk Bildquelle (1)

Sibirische Taiga bei Krasnojarsk
Bildquelle (1)

Das Buch ging leider gar nicht an mich.

Zuerst ist der Untertitel eine Mogelpackung, denn die beiden lernen sich ungefähr auf Seite 200 kennen. Zweitens ist es recht eintönig zu lesen, wer gerade wieder betrunken ist und mit welchen Tricks die Dorfbewohner versuchen an Alkohol zu gelangen, das Trinken von Insektenschutzmitteln inklusive. Viertens war das Buch recht nicht sonderlich reflexiv, ich kann mir nicht vorstellen, dass man von Hamburg ins Nirgendwo zieht und nichts vermisst. Und zu guter Letzt bleibt auf den letzten Seiten ein schaler Nachgeschmack, dass man einen Werbetext für das Unternehmen Taigaleben der Autorin gelesen hat.

Wobei man bei letzteren sagen muss, dass ich meinen Urlaub nicht unbedingt zwischen betrunkenen Russen verbringen möchte.
Ansonsten, ich erwähnte es bereits, ist das Buch ziemlich langweilig zu lesen, da nicht wirklich etwas passiert; es sein denn, man begreift Hunde verprügeln, saufen und Ausflüge in die Taiga als Solches. Ich nehme der Autorin auch nicht ab, dass man von Hamburg in ein abgeschnittenes, sibirisches Dorf wechselt und als Einziges einen Besen mit Stil vermisst. Lediglich beim Besuch eines chinesischen Restaurants 300 km vom Dorf entfernt schimmern diese Bedürfnisse durch.

Oljokma (2)

Oljokma
(2)

Auch war es mir schleierhaft, wie man mit einem Alkoholiker zusammenleben möchte, der im Zorn die Haushaltsgeräte durch die Hütte schmeißt. Ganz davon abgesehen, dass solche Berichte in mir nicht das Vertrauen wecken, die Dienste des Paares in Anspruch zu nehmen: Wie kann man so wenig Selbstachtung haben und bei so jemanden bleiben.
Was ebenfalls fehlt, ist die Beschreibung des Organisatorischen, wie Visa über eine so lange Dauer oder wie das Dorf versorgt wurde.

Fazit
Ich habe mir von dem Buch deutlich mehr versprochen. Wie man sich in diesem Sodom und Gomorra voll asozialen Gesocks wohl fühlen kann, bleibt mir schleierhaft.

(1) http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Anzhi86
(2) http://commons.wikimedia.org/wiki/User:ShinePhantom

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: NG Taschenbuch (8. Dezember 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492405584
ISBN-13: 978-3492405584
Originaltitel: Fremde Heimat Sibirien. Leben an der Seite eines Taigajägers
Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 3 x 18,4 cm

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