Keine Regung ist rätselhafter als der Neid: seit jeher ringen die Menschen mit jener Todsünde, die uns begehren lässt, was uns nicht gehört. Die uns antreibt, wenn wir nachlassen. Und die wir überall enttarnen, nur nicht bei uns selbst. Ein schwieriges Terrain für Forscher – die der gelben Emotion trotzdem auf der Spur sind.

Der Neid (allegorisches Gemälde von Giotto, um 1300)

Der Neid (allegorisches Gemälde von Giotto, um 1300)

Ich hatte mir das Heft für 0,99 Euro irgendwann einmal gekauft, bin aber erst über einen Artikel / eine Diskussion bei Alles Evolution auf den Gedanken gekommen, dass ich es auch mal lesen könnte. Man muss es leider so sagen: Der Blogartikel ist gehaltvoller. Ich fand es zumindest bei Lektüre faszinierend, für welchen Quatsch Forschungsgelder verschleudert werden: Zwei Kinder bekommen unterschiedlich große Schüsseln Popcorn und das Kind mit der kleineren Schüssel wird neidisch. Tolle Erkenntnis.

Schon gehaltvoller war der Anfang, dass Menschen eher bereit sind, sich selbst Schaden zuzufügen, um den beneideten zu schaden. (Das Experiment lief so ab, dass Teilnehmer mit geringen Gewinnen an einem Börsenspiel (oder so ähnlich) den Teilnehmern mit hohen Gewinnen je ein Pfund vom Gewinn abzuziehen, wenn sie selbst auf 25 Cent verzichteten. Was viele taten.

Ansonsten werden Platituden verbreitet, wie dass Neid aus einem Unterlegenheitsgefühl kommen. Was sein kann, dass letzte Mal richtig neidisch war ich in World of Warcraft auf zwei Schattenpriester – toll gespielt, super ausgestattet, und ich gurkte wie üblich im unteren Mittelfeld herum. Gut, ich hatte leichte Magenschmerzen vor Neid. Bis mir einer von beiden erzählte, dass er eine sehr seltene neurologische Störung hat, die sich wie ein ständiger Sonnenbrand anfühlt. Mein Neid war ziemlich schnell verflogen.Wobei ich zugeben muss, dass mich der Neid in WoW immer noch am schnellsten packt, wahrscheinlich weil ich weiß, dass ich das Spiel (zeitweise) sehr gerne spiele, aber im Grunde total unfähig bin. Und durch monatelange Pausen nicht unbedingt besser werde.

 

Ansonsten wüsste ich nicht, wo mich im Alltag der Neid packt: Jemand erzählte mir einmal, dass er bei der Bank mehr Geld verdienen würde, als er für Geld und Nutten ausgeben kann – schön für ihn, aber er hat am Tag mehr Strass als ich in einem Jahr. Andere können ausdauernder Kraulen als ich? – Dann muss ich eben vernünftiger essen und mehr trainieren. Andere können besser reiten? – Gut, ich kann mich oben halten, für meine Belange reicht es. Leome und Driapala haben die besser laufenden WoW-Blogs? – 1. Sind sie besser als ich zu meinen besten Zeiten und 2. liest man bei mir seit 2,3 Jahren nur Geheule und Gejammer. Mich verwundert es eher, dass mein WoW – Blog auch nur noch einen einzigen Follower hat. Mir hat mal jemand gebeichtet, er wäre lange Zeit neidisch auf mich gewesen, weil ich drei Chars auf dem Höchstlevel hatte und er nur einen oder zwei. Das ist doch Irrsinn!

Wenn in mir einmal ansatzweise Neid aufkommt, dann sage ich mir immer: *Stopp! Was hast du dafür getan, dass du das verdienst?*. Mir ist zu der Frage noch nie etwas eingefallen. Die Basis zum glücklich und unneidisch sein ist eigentlich ganz einfach: Es muss einem nur ein bisschen besser gehen als der Umgebung. Oder, um eine Studie zu zitieren: Es ist den Leuten lieber, 100.000 Dollar zu haben, wenn ihre Umgebung nur 85.000 Dollar hat, als wenn sie 110.000 Dollar bekommen und die anderen 200.000.

„Neid“ von Pieter Brueghel, Hieronymus Cock - unbekannt. Lizenziert unter Bild-PD-alt über Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Neid.jpg#mediaviewer/File:Neid.jpg

„Neid“ von Pieter Brueghel, Hieronymus Cock – unbekannt. Lizenziert unter Bild-PD-alt über Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Neid.jpg#mediaviewer/File:Neid.jpg

Viele suchen ja geradezu die Bekanntschaft mit Wohlhabenden, nur was haben sie davon? Mich hat auf einem Golftunier einmal jemand gefragt, wie ich mit meinem Koch zufrieden wäre. Ich bin nie wieder dorthin gegangen. Jemand anderes aus meinem Haus dagegen organisiert Golftuniere für sehr namhafte Leute, ist auf Feiern, auf denen der hessische Ministerpräsident zu Gast ist – und hat offensichtlich seit Monaten kein Geld das Garagentor reparieren zu lassen. Das muss doch genauso unglücklich machen, wie Promimagazine lesen, was die Stars alles haben? Ich für meinen Teil versuche mich möglichst bedeckt zu halten, aber trotzdem kann natürlich jeder, der meinen Alltag beobachtet seine Schlüsse ziehen; auch wenn mein persönliches Vermögen eher bescheiden ist.

Fazit

Ich hatte mir erhofft zu erfahren, wie man mit neidischen Menschen umgehen kann, da dies für mich im Moment sehr wichtig ist. Leider werden nur die Ursachen des Neids erklärt, die offenkundig sein sollten, aber nicht der Umgang mit ihm.

Format: Kindle Edition Dateigröße: 798 KB Seitenzahl der Print-Ausgabe: 19 Seiten Verlag: GEO (21. März 2013)

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 798 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 19 Seiten
Verlag: GEO (21. März 2013)

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