Alle reden vom NSA-Skandal, doch nicht minder skandalös ist die von westlichen Geheimdiensten gesteuerte Desinformation zur Lage in Syrien und anderen Ländern des Vorderen Orients. Wie keine zweite ist diese Region gebeutelt durch jahrzehntelange politische und militärische Interventionen des Westens, die allesamt mehr Fluch als Segen waren. Eindringlich schildert Peter Scholl-Latour, dem diese Länder seit sechzig Jahren vertraut sind und die er erst jüngst wieder bereist hat, das Durcheinander ethnischer, religiöser und ideologischer Konflikte, die die Völker zwischen Levante und Golf nicht zur Ruhe kommen lassen. Es gärt und brodelt überall: Syrien versinkt im blutigen Bürgerkrieg aller gegen alle, in der Türkei ringen islamistische und säkulare Kräfte um die Vormacht. Der Atomkonflikt zwischen Iran und Israel schwelt weiter, die Einmischung iranischer Schiiten wie saudischer Wahabiten in die Konflikte der Region nimmt zu. Ägypten ist in Daueraufruhr, und auch am Nordrand dieser unruhigen Weltgegend, im Kaukasus und in der Ukraine, ist die Lage explosiv. Mit der ihm eigenen Unbestechlichkeit beleuchtet Peter Scholl- Latour diese unselige Weltregion, über der ein Fluch zu liegen scheint.

Ich hatte das Hörbuch als Rezensionsexemplar bekommen, hatte aber erst einmal das Problem, dass die CD als mp3-CD auf meinem Deck nicht anspielen konnte und auf den Computer ausweichen musste. Obwohl der Sprecher sehr klar sprach, konnte ich ziemlich schnell nicht mehr folgen.

Also besorgte ich mir das Buch und ich verstand, warum ich nicht folgen konnte: Es ist stilistisch alles andere eine Wohltat und wäre es ein Schulaufsatz, wäre es knallrot zurückgeben worden. Ein Beispiel für einen Bandwurmsatz (S. 45): *Mein französischer Freund äußerte seine Entrüstung darüber, dass die Politiker der Dritten Republik, die wohl dem Einfluss der Freimaurer erlegen seien, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges den Sandschak von Alexandrette, der bis 1939 integrierter Bestandteil des französischen Mandatsgebietes Syrien war, an die Türkei abgetreten hatte, um die Erben Kemal Paschas davon abzuhalten, um mit dem Deutschland Adolf Hitlers gemeinsame Sache zu machen.* Zumindest ich bin so damit beschäftigt, die Struktur des Satzes zu erfassen, dass seine Aussage an mir vorbeirauscht.

Zudem gibt es Füllwörter wie *ja* oder *wohl* zuhauf, teilweise sind die Satzzeichen falsch gesetzt.
Manchmal wird so geschludert, dass die Aussage komplett ins Gegenteil verkehrt wird. So heißt es auf Seite 13: *…genehmigte Barack Obama das militärische Eingreifen seiner Luftwaffe mit dem Argument, es müsse ein Genozid der Christen und Yeziden verhindert werden.* Der Satz sagt aus, es stehe zu befürchten, dass die Christen und Jesiden einen Genozid am IS verüben wollten. Zuhören ist genauso unmöglich wie das Lesen des Textes.

Dabei spricht Scholl-Latour wichtige Themen an, wie die Bemerkung Helmut Schmidts über die (einseitige) Berichterstattung bis zur regelgerechten Kriegstreiberei der Medien im Ukraine – Konflikte. Wobei gerade die linke Die Zeit extrem unrühmlich hervorsticht. Schmidt soll sich angesichts der Parallelen zum Vorspiel des Ersten Weltkrieges dahingehend geäußert haben, dass er die Besonnenheit der Politiker im Gegensatz zur Kriegstreiberei der Medien sehr schätze. Warum er Die Zeit nicht zurückpfeift bleibt sein Geheimnis, vielleicht hat er angesichts der Halsstarrigkeit der Redakteure resigniert.

Fazit

Ich vermisse Scholl-Latour als Interviewpartner und ich habe ihn immer gerne zugehört, aber er war alles andere als ein begnadeter Schriftsteller.

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Propyläen Verlag (12. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3549074123
ISBN-13: 978-3549074121
Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 3,6 x 22,5 cm

Hörbuch:

Spieldauer: 10 Stunden und 49 Minuten
Format: Hörbuch-Download
Version: Ungekürzte Ausgabe
Verlag: Random House Audio, Deutschland
Audible.de Erscheinungsdatum: 21. November 2014
Sprache: Deutsch
ASIN: B00OTUOL9S

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