Spektakulärer hätte Seth Hubbard seinen Tod nicht inszenieren können. Als sein Mitarbeiter ihn eines Morgens aufgehängt an einem Baum findet, ist die Bestürzung im beschaulichen Clanton groß. Niemand hätte mit einem Freitod gerechnet. Hubbards Familie sieht das pragmatischer und ist in erster Linie an der Testamentseröffnung interessiert. Was sie nicht weiß: Kurz vor seinem Tod hat Hubbard sein Testament geändert. Alleinige Erbin ist seine schwarze Haushälterin Lettie Lang. Ein erbitterter Erbstreit beginnt . . .

Die Lösung der Streitigkeit geht zurück in die dunkle Geschichte Mississipps. Quelle: Old Picture of the Day

Die Lösung der Streitigkeit geht zurück in die dunkle Geschichte Mississipps. Quelle: Old Picture of the Day

Das Buch vergibt eine Chance nach der anderen: Ein Erbschaftsstreit zwischen einer armen, schwarzen Haushälterin und einem weißen, reichen Clan auf der anderen Seite verspricht Intrigen wie in der dänischen Serie Die Erbschaft gepaart Rassismuskritik wie z.B. in Mississippi Burning. Man hätte auch thematisieren können, wie die Erbschaft die ganzen Aasgeier in der Familie anzieht.

Leider bekommt der Leser davon nichts mit: Die weiße Familie kann sich zwar untereinander nicht ausstehen, zieht aber an einem Strang. Es wäre spannend gewesen zu erfahren, welche Intrigen dort laufen und wie sie sich gegenseitig ausbooten wollen. Leider Fehlanzeige.

Rassismus kommt zwar immer mal wieder vor, aber leider werden die Schwarze zu klischeehaft beschrieben, vor allem der Ehemann der Erbin: Prekärer Job, trunk- und spielsüchtig, am Ende im Gefängnis.
Das ist ein weiteres Manko: Die Unruhestifter werden konsequent rausgeschrieben, sei es der Ehemann oder ein schwarzer Bürgerrechtsanwalt. Kaum sind sie aufgetreten, sind sie auch schon wieder verschwunden. Vor allem war es irritierend, dass die Straftat des Gatten gar keine Rolle mehr vor Gericht spielte, und das, obwohl sich die Anwälte alle Mühe gegeben haben, die Erbin in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Zurück bleibt ein netter Roman, welcher keine kritischen Themen aufgreift oder zum Denken anregt. Schade fand ich ebenfalls, das am Ende nicht das Können des Erbschaftsanwaltes über den Ausgang des Gerichtsverfahrens entscheidet, sondern eine Zeugenaussage.

Fazit

Nett und gefällig, aber nicht anregend.

Leseprobe

Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (3. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453269101
ISBN-13: 978-3453269101
Originaltitel: Sycamore Row
Größe und/oder Gewicht: 15 x 5 x 22,2 cm

51XLDJwBABL

Advertisements