Die Geschichte der Kreuzzüge ist eine durch die christliche Brille bzw. Chronistik gefärbte Geschichte. Der renommierte Historiker Paul M. Cobb unternimmt in diesem Buch einen spannenden Perspektivwechsel: Er schreibt diese Geschichte erstmals aus muslimischer Sicht und auf Basis arabischer Quellen. Dies ist nicht nur eine Geschichte von Kriegern und Königen und ihren Kämpfen im Heiligen Land. Sie erzählt auch von Grenzgängern und Wendehälsen, Botschaftern und Händlern, Gelehrten und Spionen. Aus der Perspektive mittelalterlicher Muslime zeigen sich die Kreuzzüge als höchst verzwicktes diplomatisches Schachspiel, als kommerzielle Chance und als Zusammenprall der Kulturen, der die muslimische Haltung gegenüber Europa und den Europäern bis zum Ausgang des Mittelalters und darüber hinaus prägte.

Saladin

Saladin

Ich wollte das Buch lesen, um zu verstehen, warum die arabische Welt von einem Krieg, den sie a.) gewonnen hat und der b.) vor langer Zeit geschah, immer noch traumatisiert ist. Mir haben schon viele Arabischstämmige erzählt, dass diese Zeit für die Region immer noch sehr schlimm ist. Ich verstehe es umso weniger, als das der Zweite Weltkrieg für mich nur eine Episode in der Geschichte ist, obwohl Deutschland den Krieg verlor und er noch nicht so lange zurückliegt. Vergangenheit eben.

Das Buch fing auch recht verheißungsvoll an, wenn über die Verehrung Saladins in der islamischen Welt berichtet wird, sei es, dass eine irakischen Provinz nach ihm benannt ist oder eine sehr große Statue in Damaskus.

Leider ging das Buch nicht so weiter. Bis Seite 150 habe ich es als eine reine Aufzählung von Kriegen, Überfällen und Intrigen empfunden. Ermüdend, aber nicht speziell islamisch. Zudem schreibt der Autor nicht objektiv, sondern stellt die Europäer durchaus als Intriganten und Barbaren dar, welche froh sein konnten, mit den Arabern den gleichen Planeten teilen zu dürfen.

Ich habe die folgenden Kapitel durchgeblättert, leider erschöpft sich das Buch weiterhin in der Aufzählung von Kriegen, Überfällen und Morden.

Fazit

Eine Analyse, warum diese Epoche für die arabische Welt nach wie vor so bedeutsam ist, fehlt leider vollkommen. Man muss sich schon extrem für die Kreuzzüge interessieren, um aus dem Buch eine Erkenntnis zu schöpfen.


Paul M. Cobb ist Professor für islamische Geschichte an der University of Pennsylvania. Islamische Sozial- und Kulturgeschichte des Mittelalters, islamische Literatur, die Beziehungen zwischen der islamischen Welt und dem Westen im Mittelalter sowie insbesondere die Geschichte der Kreuzzüge zählen zu seinen besonderen Forschungsinteressen.

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Verlag Philipp von Zabern in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (1. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3805348843
ISBN-13: 978-3805348843
Originaltitel: The Race for Paradise
Größe und/oder Gewicht: 16,9 x 3,4 x 23,7 cm

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