Wie Willensstärke unsere Persönlichkeit prägt

Es ist das wohl berühmteste Experiment in der Geschichte der Psychologie: Ein Kind bekommt einen Marshmallow vorgesetzt und hat die Wahl – sofort aufessen oder warten, um später zwei zu bekommen? Wird es zögern oder zugreifen? Und was bedeutet diese Entscheidung für sein späteres Leben? Walter Mischel, weltbekannter Psychologe und Erfinder des Marshmallow-Tests, zeigt in seinem Buch, wie Selbstdisziplin unsere Persönlichkeit prägt – und wie sie uns, in gesundem Maße, hilft, unser Leben zu meistern.

Als Mischel vor mehr als vierzig Jahren vier- bis sechsjährige Kinder zum Marshmallow-Test bat, wollte er herausfinden, wie Menschen auf Verlockungen reagieren. Eher durch Zufall entdeckte er, dass die Fähigkeit der Kinder zum Belohnungsaufschub beeinflusste, wie sie später ihr Leben meistern würden. Je besser es ihnen gelang, sich zu beherrschen, desto eher entwickelten sie Selbstvertrauen, Stressresistenz und soziale Kompetenz.

Wie aber kommt es, dass manche Menschen offenbar über stärkere Willenskraft verfügen als andere? Und, noch wichtiger: Ist diese Fähigkeit genetisch veranlagt oder kann man sie lernen? Walter Mischel beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit diesen Fragen – im vorliegenden Buch präsentiert er seine faszinierenden Erkenntnisse zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit.

Ich für meinen Teil kann mehr als gut darauf verzichten: Marshmallows  (1)

Ich für meinen Teil kann mehr als gut darauf verzichten: Marshmallows
(1)

Als ich das Buch bekam, hatte ich ziemlich Angst davor, weil ich dachte, dass es sicherlich schrecklich kompliziert geschrieben ist. Das stimmt aber gar nicht, im Gegenteil, man kann es durchaus als populärwissenschaftlich bezeichnen.
Wie der Titel schon aussagt, geht es um den berühmten Marshmallow-Test, der einem in fast jedem Psychologiebuch begegnet. Im ersten Versuch (der bekannteste), sollten Kinder 20 Minuten der Versuchung widerstehen, eine Süßigkeit zu essen. Schafften sie es, dann bekommen sie zwei, das Warten lohnte sich also durchaus.

Um zu erforschen, wie die Kinder ihren Lebensweg gestalteten, traf der Autor sich noch einmal mit ihnen. Dabei stellte er fest, dass die Fähigkeit zum Widerstand als Kind und beruflicher Erfolg durchaus zusammenhingen.
Was mir an dem Buch fehlte, war der Praxisbezug. Wenn man z.B. rauchen möchte, soll man sich vorstellen, wie es wäre, wenn man dadurch Lungenkrebs bekäme. Ich habe nie geraucht, bezweifle aber, dass dies Süchtige vom Rauchen abhält. Genau wie es mir an sehr anstrengenden Tagen ziemlich egal ist, ob ich vom bestellten Essen zunehme oder nicht. Ich bin dann zu erschöpft zum Kochen und damit sind meine Gedankengänge am Ende angelangt.

Positiv sind jedoch die zahlreichen Anekdoten und Fallbeispiele, die das Buch zu einem amüsanten Lesevergnügen machen.

Fazit

Ich konnte für mich nicht viel für die Praxis herausholen, fand aber die Kombination aus Genetik, Verhaltenspsychologie und Kognitionsforschung sehr interessant.


Walter Mischel, geboren 1930 in Wien, gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten Psychologen der Gegenwart. Im Alter von acht Jahren floh er mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten nach New York. Er wurde in klinischer Psychologie promoviert, lehrte ab 1958 in Harvard und später an der Stanford University, wo er zum ersten Mal das Marshmallow-Experiment durchführte. Seit 1983 lehrt er an der Columbia University in New York. Für seine bahnbrechenden Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt den Ludwig-Wittgenstein-Preis (2012).

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Siedler Verlag; Auflage: 2 (9. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827500435
ISBN-13: 978-3827500434
Originaltitel: The Marshmallow Test: Mastering Self-Control
Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 4,2 x 22,3 cm

Leseprobe

(1) „Mini marshmallows in bowl“ von Dvortygirl – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mini_marshmallows_in_bowl.JPG#/media/File:Mini_marshmallows_in_bowl.JPG

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