„Ich habe das Gehirn eines Serienmörders“.

Die genetische Veranlagung, nicht das soziale Umfeld prägt den Charakter eines Menschen – so die Überzeugung des Neurowissenschaftlers James Fallon. Im Rahmen einer Alzheimer-Studie entdeckt er jedoch unter den anonymisierten Hirnscans einen Scan, der die typischen Strukturen eines Serienkiller-Hirns aufweist. Noch größer wird der Schock, als er feststellt: Es handelt sich um sein eigenes Gehirn! Nun muss er seine These komplett hinterfragen: Anscheinend hat er die Anlagen eines Psychopathen, z.B. fehlende Empathie oder die Neigung zu Gewalttätigkeit. Aber seine Familie, Freunde und die von seiner Mutter ahnungsvoll dicht verplante Freizeit haben ihn offenbar davor bewahrt, dass seine dunkle Seite zum Ausbruch kommt. Diese Erkenntnis stellt nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch die komplette Wissenschaft auf den Kopf.

Ein Vorfahre des Autors, der es schon wüst getrieben hat: Darstellung König Johann Ohnelands aus der Historia Anglorum (1250-59)

Ein Vorfahre des Autors, der es schon wüst getrieben hat: Darstellung König Johann Ohnelands aus der Historia Anglorum (1250-59)

Das Buch hat mich nicht überzeugen können.

Das fängt alleine damit an, dass nicht erklärt wird, was einen Psychopathen ausmacht. Es wird zwar wiederholt von der Hare-Skala gesprochen, aber was sie beinhaltet, bleibt außen vor. Wer *Gewissenlos* oder auch *Der Soziopath von nebenan* nicht gelesen hat, bekommt nur eine sehr verschwommene Vorstellung im Laufe des Buches.

Das ist schade, denn Fallon kombiniert genetische und soziale Faktoren anhand seiner Biographie, um aufzuzeigen, dass es eine Kombination aus beiden bedarf, damit ein Psychopath wirklich aufblühen kann und in welche Richtung er sich entwickelt. Wie Benecke im ersten Teil des Buches Sadisten, zeigt auch Fallon an seiner Ahnenreihe, wie sich die Psychopathie über Lizzie Borden, über zahlreiche verurteile und unter Mordverdacht stehende Vorfahren bis zu König Johann Ohneland hinzog.

Über weite Teile war das Buch für mich unangenehm zu lesen, weil sich der Autor einem Seelenstrip unterzieht als wolle er eine Beichte ablegen.

Fazit

Wer sich für die neurologischen, genetischen und sozialen Faktoren der antisozialen Persönlichkeitsstörung interessiert, ist bei dem Buch richtig. Nur hätte der Autor auch psychologische Exkurse machen sollen, wie er es z.B. bei der Genetik sehr ausführlich getan hat.

James Fallon, geb. 1947, ist preisgekrönter Neurowissenschaftler und seit 35 Jahren Professor für Psychiatrie an der University of California. Sein Spezialgebiet sind die Gehirnstrukturen von Serienmördern. Mit seinem Unternehmen „NeuroRepair“ erreichte er einen entscheidenden Durchbruch in der Stammzellenforschung. Er ist seit 45 Jahren verheiratet und hat drei Kinder.

Materialsammlung – Psychopathen

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Herbig (23. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3776627514
ISBN-13: 978-3776627510
Größe und/oder Gewicht: 14,1 x 3 x 22,1 cm

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