Ob Dürer, Michelangelo oder van Gogh: Kaum ein großer Name der Kunstgeschichte, der nicht Betrügern und Kriminellen zum Opfer gefallen wäre. Die Liste prominenter Fälschungsfälle ist lang. Der Heidelberger Kunst-Experte Henry Keazor fragt nach und geht den Dingen auf den Grund. Wieso gibt es Kunstfälschungen überhaupt? Warum sind sie so erfolgreich? Mit welchen Methoden können sie enttarnt werden? Was treibt die Fälscher an? Geldgier? Eitelkeit? Größenwahn? Im Gang durch die Jahrhunderte werden Ursachen, Täter und Getäuschte konsequent benannt. Auch der sensationelle Coup des Wolfgang Beltracchi, aktueller Höhepunkt einer alten Geschichte, zeigt sich so in neuem Licht.

Wahrscheinlich kein echter Van Gogh: Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife (1889)

Wahrscheinlich kein echter Van Gogh: Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife (1889)

Das Buch war recht anstrengend zu lesen. Ich jedenfalls musste es mir unterteilen, damit ich jeden Tag ein bisschen darin lesen konnte.

Chronologisch in der Antike beginnend bis zu zeitgenössischen Fälschern, wird erläutert, wie selbst renommierte Museen und Sammler immer wieder hohe Summen in Fälschungen investierten, teilweise auch, weil man es oft gar nicht so genau wissen wollte. Wie z.B. bei der Tiara des Saitaphernes, der typische Darstellungen fehlen und dafür andere eingefügt worden sind, die gar nicht aus dem Kulturkreis stammten.

Photo de la tiare de Saïtapharnès. http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k7165331/f3.image

Photo de la tiare de Saïtapharnès. http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k7165331/f3.image

Auch wird angesprochen, warum die Kunstfälschung uns alle betrifft: Dadurch, dass wir die Bilder als historische Quelle wahrnehmen, verändern sie den Blick auf die Vergangenheit. Ich fand es auch sehr interessant, dass immer wieder die Methoden der Fälscher Erwähnung fanden, wie an den Randstellen der Gemälde, aus denen auf Proben genommen werden, die Originalfabe zu belassen und eher die Bildmitte zu bearbeiten.

Fazit

Ein wenig zäh zu lesen, aber sehr informativ.

Henry Keazor ist Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte sind Neuere und Neueste Kunstgeschichte, Kunst der Frühen Neuzeit (Spätrenaissance/Barock), zeitgenössische Kunst (Architektur) und Medien (Film, Musikvideo), Kunstfälschung.

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Theiss, Konrad (22. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3806230323
ISBN-13: 978-3806230321
Größe und/oder Gewicht: 17 x 2,7 x 22,3 cm

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