Warum geht es in Griechenland nicht endlich aufwärts? Die unbekannte Gruppierung »Griechen der fünfziger Jahre« glaubt die Schuldigen zu kennen. Aber geht die jüngste Mordserie wirklich auf ihr Konto? Kommissar Charitos ermittelt im Chaos der Stadt Athen, wo der labile soziale Frieden von radikalen Splittergruppen gefährdet wird, nicht zuletzt auch von der »Goldenen Morgenröte«.

Anhänger der Chrysi Avgi auf einer Demonstration in Komotini (1)

Anhänger der Chrysi Avgi auf einer Demonstration in Komotini
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Ich habe öfters gelesen, dass die Krimis von Markaris Griechenland auf unterhaltsame Weise erklären sollen. Leider bin ich mit dem Buch gar nicht warm geworden.

Das fängt, im wahrsten Sinne des Wortes damit, dass die illegalen, afrikanischen Einwanderer und ihre Helfer alle als nett dargestellt werden und nur in Nebensätzen zugegeben wird, dass sie in Drogenhandel verstrickt sind. Wer öfters erleben muss, wie aggressiv Frauen angebaggert werden, um eine Aufenthaltsgenehmigung + einstweiliger Versorgung zu erhalten, dem fällt das Wort *nett* wirklich nicht ein. Auch, dass in den Lokalnachrichten, welche gruseliger sind als es Stephen Kings Bücher je waren, bei Taschendiebstählen und Vergewaltigungen immer mehr bei Täterbeschreibungen von *schwarzer Hautfarbe* die Rede ist, nimmt mich nicht unbedingt für diese Leute ein.

Zudem merkt man deutlich, dass es sich um eine Serie handelt, sodass ich viele Personen gar nicht einordnen konnte. Wie die Familie zu Uli kam, einen in Athen lebenden Deutschen, fehlt mir genauso als Information wie Sissis Funktion, der mal im Obdachlosenheim, mal im Krankenhaus auftaucht.

Außerdem taucht das Buch sehr tief in die griechische Geschichte ein, ca. von den 50er Jahren bis heute, inklusive Umstürzen und Revolutionen, von denen ich nichts weiß und ohne die man die Handlung kaum verstehen kann.
Die Krimihandlung selbst spielt eher eine untergeordnete Rolle und ist ohne die erwähnten Kenntnisse von griechischer Geschichte und politischen Verhältnissen kaum nachvollziehbar. Ich habe Seite um Seite gelesen und kaum verstanden, wovon die Rede war.

Fazit

Das Buch gewährt zwar einen Einblick in den griechischen Alltag, wartet aber mit einer Menge Klischees über den deutschen Arbeitseifer auf. Zudem ist es ohne Kenntnis der Vorgängerbücher, sowie der Geschichte und Politik Griechenlands kaum verständlich.

Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, ist Verfasser von Theaterstücken und Schöpfer einer Fernsehserie, er war Co-Autor von Theo Angelopoulos und hat deutsche Dramatiker wie Brecht und Goethe ins Griechische übertragen. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann er erst Mitte der neunziger Jahre und wurde damit international erfolgreich. Er hat zahlreiche europäische Preise gewonnen, den Raymond Chandler Award 2011, den Fregene Prize 2012, den Premi Pepe Carvalho 2012 sowie den Prix du Polar européen 2013. Petros Markaris lebt in Athen.

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (25. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257069251
ISBN-13: 978-3257069259
Originaltitel: Titloi telous
Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 3,2 x 18,8 cm

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(1) „20101221 Xrysh Avgi Komotini Greece 1“ von Ggia – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:20101221_Xrysh_Avgi_Komotini_Greece_1.jpg#/media/File:20101221_Xrysh_Avgi_Komotini_Greece_1.jpg

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