Er ist elf Jahre alt, er ist ein Illegaler, er ist ein Schachgenie

Hals über Kopf müssen Fahim und sein Vater aus Bangladesch flüchten. Politische Unruhen erschüttern das Land. Sie fliehen nach Europa und stranden in einem der hässlichen Vororte von Paris. Wohnungslos, ohne Papiere und immer in Gefahr, jederzeit von der Polizei aufgegriffen und abgeschoben zu werden. Bis der örtliche Schachklub auf Fahim aufmerksam wird: Was für ein Talent! Fahim schlägt jeden. Und dann kommt seinem Schach trainer Xavier die rettende Idee … Mitreißend und bewegend – eine Geschichte, die man nicht vergisst.

Rathaus Créteil (1)

Rathaus Créteil
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Das Buch schildert die Flucht des jungen Fahim und seines Vaters Nura aus Bangladesch über Ungarn nach Frankreich. Und es ist auch sehr interessant zu erfahren, welchen Widrigkeiten sie ausgesetzt sind, wie sie mangels Sprachkenntnissen immer wieder Probleme mit dem Asylamt und den Gerichten haben.
Es ist auch interessant, Geschichten aus der Schachwelt zu erfahren, vor allem, da ich sie nicht erleben durfte: Zwar hatte mich der Verein, in dem ich damals war, gefragt, ob ich mit auf Turniere gehen wolle, was damals jedoch nicht ging, da ich am Wochenende immer arbeitete. Wobei ich ohnehin hoffnungslos untergegangen wäre, sie brauchten nur Füllmaterial für ihre Mannschaft.

Trotzdem macht das Buch wütend. Nicht deswegen, weil die beiden immer mehr abrutschen, bis sie obdachlos sind. Sondern weil sich andere für die beiden einsetzen, weil Fahim so gut Schach spielt. Ich konnte bei der Lektüre nicht anders als daran zu denken, dass sie niemanden interessiert hätten, wenn er dies nicht gekonnt hätte. So wie es tausenden anderen Asylbewerbern geht. Ich finde das irgendwie widerlich und heuchlerisch, vor allem, da sich Parmentier als der große Retter darstellt.

Zum Schreibstil: Man merkt deutlich, dass zwei Laien am Werk waren. Emotionen wurden bei mir nicht geweckt, auch nicht, als die beiden kein Essen mehr hatten. Gut fand ich die abwechselnde Erzählweise, da Parmentier Fahims Erzählung aus der Sicht eines Erwachsenen einordnet.

Fazit

So sehr es mich freut, dass Fahim und sein Vater eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, so sehr hat es mich verärgert, dass er sie nicht aus der Not an sich, sondern wegen seiner Fähigkeiten bekommen hat. Ich empfinde das als ungerecht.
Die Geschichte ist nicht sehr emotional beschrieben und ließ mich unberührt.

Fahim Mohammad wurde im Jahr 2000 in Bangladesch geboren und lebt heute in Frankreich.

Xavier Parmentier trainiert seit über 20 Jahren die französische Jugendschachmannschaft. Immer wieder setzt er sich für junge Talente aus den Pariser Vororten ein.

Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (12. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453603338
ISBN-13: 978-3453603332
Originaltitel: Un roi clandestin
Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 2,2 x 18,5 cm

Die Zeit: Weltmeister ohne Papiere
Leseprobe

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(1) „Hotel de ville de Créteil France“ von Thesupermat – Eigenes Werk. Lizenziert unter GFDL über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hotel_de_ville_de_Cr%C3%A9teil_France.JPG#/media/File:Hotel_de_ville_de_Cr%C3%A9teil_France.JPG

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