Ein Roman wie ein Film von David Lynch – abgründig, gefährlich, anziehend

Nach dem Tod der Mutter lebt Jill mit ihrem Vater allein auf einer Farm im australischen Outback. Die beiden führen ein einfaches, aber zufriedenes Leben. Bis eines Tages Jack vor der Tür steht. Misstrauisch beobachtet der Vater, wie die heranwachsende Jill die Nähe des jungen Wanderarbeiters sucht. Doch weder Jack noch Jill haben gelernt, über ihre Gefühle zu sprechen. Langsam, aber stetig verwandelt sich ihre Liebe in Hass.

Die Geschichte zweier Menschen, die weder zueinander finden noch voneinander lassen können, besticht durch einen unverwechselbaren Ton und eigenwillig exzentrische Figuren. Der Roman wurde bei seinem Erscheinen mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet.

Spoiler

Eine Farm im Outback.

Eine Farm im Outback. (1)

Das Buch lässt mich ein wenig ratlos zurück.

Erst wird Jills Kindheit auf einer Farm im Outback geschildert, auf welcher Jack als Knecht arbeitet. Später heiratet Jill den inzwischen kriegsversehrten Jack und misshandelt ihn psychisch. Dieser wagt zwei Ausbrüche, einmal durch die Affäre mit einer anderen Frau und indem er *wegläuft*.

Wirklich sympathisch ist keine der Figuren, nicht der passive Jack, der wirklich alles mit sich machen lässt; nicht die launische und egoistische Jill, die ihn wie einen Dienstboten behandelt und auch nicht Realane (oder so ähnlich), die die beiden unter Drogen setzt und noch mehr Unheil ins Haus bringt.

Der erste Teil mit Jills Kinderzeit gefiel mir noch sehr gut, da er, wie der Schluss, das harte Leben des Outbacks schildert. Mit dem mittleren Teil hatte ich meine Probleme. Sicherlich, Jack war gezwungen, Jill zu heiraten, um aus dem Krankenhaus zu kommen und hatte sich sicherlich auch an das viele Geld gewöhnt. Und trotzdem hat mich seine Passivität, mit der er alle Demütigungen ertrug, wütend gemacht.

Im Grunde geht es um eine erzwungene Beziehung und der gegenseitige Hass, der daraus erwächst. Schön zu lesen ist das nicht, weil der Leser die Grausamkeiten voll miterlebt.

Fazit

Wer an Kings *Misery* Gefallen gefunden hat, dem könnte auch Jill & Jack gut finden. Auf jeden Fall ist es eine sehr intensive Lektüre.

Leseprobe

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (24. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3813505588
ISBN-13: 978-3813505580
Originaltitel: Jack and Jill
Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 2,2 x 20,5 cm

Helen Hodgman, 1945 in Schottland geboren, zog als Jugendliche mit ihrer Familie nach Tasmanien. 1976 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. Mit ihrem zweiten Roman gewann sie 1978 den Somerset Maugham Award, mit ihrem dritten den Christina Stead Prize. 1983 erkrankte Helen Hodgman an Morbus Parkinson. Sie lebt heute, nach längeren Aufenthalten in England und Kanada, wieder in Australien.

51hrrc677PL._SX331_BO1,204,203,200_

(1) Gabriele Delhey – Eigenes Werk via Wikipedia

Advertisements