Wer in diesem Buch blättert, lernt den wahren Van Gogh kennen Die Lebensgeschichte Vincent van Goghs (1853–1890) wurde zu einem der großen Mythen der Kunst. Genie und Wahnsinn, Geldnot und Überschwang, hier fand sich alles, was der (neidvolle?) Bürger so gern der Bohème zuschreibt. Fakt ist: Während seines kurzen Lebens fand Van Goghs Werk viel zu wenig Beachtung. Familie und Freunde waren ihm Segen wie Fluch, und mit nur 37 Jahren tötete er sich selbst, indem er sich eine Kugel in die Brust schoss. Fakt ist weiters: Selbst wenn man all dies nicht wüsste, stünde man erschüttert vor seinen Landschaften, Porträts und Blumen. So unerhört frei und avanciert sind sie gemalt, so voller Gefühl und Leben. Diese TASCHEN-Monografie tut das, was zu tun ist: Sie erzählt Vincent van Goghs trauriges Dasein, sie zeigt aber auch den vollständigen Katalog seiner 871 Gemälde.

Der Maler auf dem Weg zur Arbeit - Vincent van Gogh

Der Maler auf dem Weg zur Arbeit – Vincent van Gogh

Das Buch enttäuscht auf mehreren Ebenen:

1.) Als Bildband ist das Buch schlicht zu klein. Die Bilder entfalten gar keine Wirkung. Es ist lediglich zum Lesen sehr praktisch.

2.) Ich fand das Frühwerk van Goghs sehr enttäuschend, auch wenn dies sicherlich kein Fehler der Autoren oder des Verlages ist. Auf nicht nur einer Seite sprechen die Autoren van Goghs mangelnde Begabung an und um ehrlich zu sein: Wäre van Gogh nicht zum Impressionismus übergewechselt, die Welt hätte ihn schon lange vergessen. Alles düster, seitenlang Blumensträuße, teilweise aber auch überraschend Modernes, welches ich nie mit van Gogh in Verbindung gebracht hätte.

Schädel mit brennender Zigarette von: Vincent van Gogh

Schädel mit brennender Zigarette
von: Vincent van Gogh

3.) Text und Bild passen nie zueinander, sodass man ständig am blättern ist. Und zwar über zig Seiten.

4.) Die Texte sind regelgerecht verschwurbelt und hätte ich nicht durch das van Gogh-Buch Irving Stones ein Vorwissen gehabt, so hätte ich nach dem ersten Kapitel kapituliert. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass die Autoren oder zumindest einer von ihnen van Gogh gehasst haben muss: Sehr oft ging es darum nachzuweisen, was er falsch gemalt hat, warum die Perspektiven nicht stimmen, mehrmals fiel das Wort *unbegabt*. 90% seiner Bilder gefallen mir auch nicht, andere wiederum sehr gut, aber *unbegabt*?

Fazit

Das Buch ist leider zu nichts gut. Als Bildband fehlt ihm das Format, als Informationswerk vernünftige Texte. Leider dominieren die beiden Autoren die deutschsprachige van Gogh – Literatur.

Ingo F. Walther (1940–2007) wurde in Berlin geboren, studierte mittelalterliche Geschichte, Literatur und Kunstgeschichte in Frankfurt und München. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher über die Kunst des Mittelalters sowie des 19. und 20. Jahrhunderts. Bei TASCHEN erschienen unter anderem Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Kunst des 20. Jahrhunderts und Codices illustres.
Rainer Metzger studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Deutsch in München und Augsburg. Er promovierte 1994 und war Kunstkritiker bei der Wiener Zeitung Der Standard. Er verfasste zahlreiche Bücher über Kunst, darunter Bände über Van Gogh and Chagall.

Gebundene Ausgabe: 741 Seiten
Verlag: TASCHEN (20. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3836557126
ISBN-13: 978-3836557122
Größe und/oder Gewicht: 15,2 x 4,5 x 20,3 cm

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