Welches der vergangenen zehn Jahrhunderte hat die größten Veränderungen erlebt, welches hat uns als Menschheit am weitesten vorangebracht? Mit dieser Frage beginnt Ian Mortimer seine Reise durch die Geschichte des europäischen Westens, vom 11. Jahrhundert bis heute. War es das 15. Jahrhundert als das Zeitalter der Entdeckungen? Oder doch das 16. mit dem Erfindung des Buchdrucks und der Reformation? Auf den ersten Blick würden die meisten von uns vielleicht auf das 20. Jahrhundert tippen, denn die Gründe liegen auf der Hand: Flugzeuge, Raumfahrt, Internet, der Siegeszug der Demokratie, die Globalisierung und vieles andere mehr. Warum diese »Froschperspektive« zu kurz greift (wir mit unserer Vermutung aber dennoch nicht ganz falsch liegen), erklärt Ian Mortimer – witzig, philosophisch und so klug wie prägnant.

Wilhelm von Ockham, Skizze aus einer 1341 angefertigten Handschrift der Summa logicae

Wilhelm von Ockham, Skizze aus einer 1341 angefertigten Handschrift der Summa logicae

Um das Buch in einem Rutsch durchzulesen, ist das Buch weniger geeignet. Nicht, weil es nicht gut zu lesen wäre, sondern weil sich trotz des leichten Schreibstils in den verschiedenen Kapiteln sehr viele Informationen finden, die erst einmal verarbeitet werden müssen. Ich habe es so gemacht, dass ich jeden Tag 2,3 Kapitel las.
Diese sind nach Jahrhunderten aufgeteilt und bieten am Ende jeweils eine Zusammenfassung.

Pestbeule in der Leistengegend (1)

Pestbeule in der Leistengegend
(1)

Schön finde ich, dass der Autor immer wieder an seiner Heimatstadt Moretonhampstead aufzeigt, welche Auswirkungen die Erfindungen und Erkenntnisse auf das dortige Leben hatten.
Und wie rasant sich das Sozialleben änderte, z.B. unter dem Einfluss der Beulenpest; oft war es so, dass das Leben von vor 100 Jahren mit dem nach 100 Jahren nicht mehr viel gemein hatte.

Fazit

Es wird in dem Buch sehr gut aufgezeigt, wie soziale und wissenschaftliche Errungenschaften, aber auch das Klima das Leben der Menschen beeinflusst hat. Für Mediävisten wird das Buch keine neuen Erkenntnisse bereit halten, es richtet sich an ein Laienpublikum.

Ian Mortimer, geboren 1967 in Petts Wood (Kent), studierte Geschichte und Literatur in Exeter und London. Mittlerweile ist er einer der erfolgreichsten britischen Autoren über das Mittelalter, schreibt Sachbücher genauso wie historische Romane, und gilt in diesem Genre als einer der innovativsten Historiker weltweit. Ian Mortimer lebt mit seiner Frau und drei Kindern an der Grenze zum Dartmoor Nationalpark in der südwestenglischen Grafschaft Devon.

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Piper (14. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492056695
ISBN-13: 978-3492056694
Originaltitel: Centuries of Changes. Which Century Saw the Most Change and Why it Matters to Us
Größe und/oder Gewicht: 14,3 x 4 x 22,1 cm

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(1) „Plague bubo“ von U.S. Center for Disease Control – http://www.cdc.gov/NCIDOD/DVBID/plague/diagnosis.htm. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plague_bubo.jpg#/media/File:Plague_bubo.jpg

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