Lost Places – verfallene Palazzi, ver Theater, stillgelegte Fabriken, eine kaputte Kirche, vermoderte Behandlungssäle, mehr Gruselkabinett als Krankenstation. Sven Fennema reist durch Europa zu vergessenen Orten und dieser seltsam-faszinierenden Gegenwelt mitten unter uns. Er fotografiert Plätze ohne Hektik und Lärm, an denen die Natur sich ihren Teil wieder nimmt. Ein Bildband über geheimnisvolle Orte, mit faszinierend komponierten Fotografien.

Gibt es so etwas wie einen positiven Schockzustand? Wenn ja, dann habe ich gerade einen. Denn ich bespreche ein Buch, wie ich es noch nie in der Hand hatte. (Was natürlich insofern Unsinn ist, als das jede Auflage ein Unikat ist.)

Aber dieses Buch ist wirklich ein sehr besonderes Buch. Das fängt schon beim Auspacken an, wenn man merkt, dass das Cover auf Leinen gespannt ist. Und es geht im Buch weiter: Fotographien, die vom Zerfall und von der Endlichkeit des menschlichen Schaffens handeln und trotzdem wunderschön sind. Die nachdenklich machen, was in diesen Gebäuden passiert ist, wie die Familien dort gelebt haben und was zu ihrem Untergang geführt hat. Vor jedem einzelnen Foto habe ich verharrt, ich habe dieses Wochenende mit diesem Buch verbracht – und es nicht bereut. Ob auf Seite 76 / 77 ein Garten der selbst im Zerfall aussieht wie gemalt, die Fresken an den Wänden, die teilweise immer noch kräftigen Farben, die wunderschön gearbeiteten Säulen … und der Wunsch, wirklich viel Geld zur Verfügung zu haben, um sie restaurieren zu können. Und immer wieder der Gedanke: Wie haben die Familien dort gelebt? Wie viele Generationen von Mönchen und Nonnen sind die Kreuzgänge entlang geschritten, bevor das Kloster aufgegeben worden ist? Was haben die Kinder in der Heimen erlebt, wie viel Leid, aber auch Leben hab es dort?

Es ist sicherlich ein Buch, auf welches man sich einlassen muss. Texte gibt es so gut wie keine, die Bildunterschriften sind oft so dürftig, dass nicht einmal ein Ort vermerkt ist. Dies hat Vor- aber auch Nachteile: Oft hätte ich gerne über den Ort recherchiert, aber gerade dadurch, dass ich es nicht konnte, konnte ich mich umso mehr auf das Foto einlassen, es auf mich wirken lassen und lauter faszinierende Details entdecken. Das war oft nicht einmal das Offensichtliche, auf das der Fotograph hinaus wollte, wie ein verrotteter Sessel, sondern ich fand die Kleinigkeiten interessanter – ich erwähnte es bereits: Ein Farbe, ein Wandschmuck, ein Kreuzstein oder einfach, wie in diese zum Teil prächtigen Häuser der Verfall Einzug gehalten hat.

Fazit

Das Buch lädt zum Verweilen und zum Nachdenken ein. Die Bildqualität ist so exzellent wie der die Ausstattung des Buches.

Anmerkung: Leider habe ich keine Probebilder bekommen, ich bemühe mich daher, in den nächsten Tagen Besprechungen mit Bildbeispielen zusammenzutragen.

Festhalten wollen, was nicht festzuhalten istDer Fotograf Sven Fennema reiste nach Norditalien zu längst vergessenen Orten. Seine beeindruckenden Bilder zeigen den Verfall architektonischer Meisterwerke.

Verlagsseite

Sven Fennema, 1981 geboren, kam 2007 als Autodidakt zur Fotografie und nimmt seit 2009 an nationalen und internationalen Ausstellungen und Publikationen teil. Viele Reisen führten ihn zu verlassenen Orten in ganz Europa. Für seinen ersten groß angelegten Bildband »Nostalgia« recherchierte er im Norden Italiens. Seine Bilder werden auch von der Galerie Lumas vertreten. Er lebt in Krefeld.

Petra Reski ist Journalistin und Schriftstellerin und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien, nicht nur Reportagen und Sachbücher sondern auch Romane. Einer ihrer Themenschwerpunkte ist die Mafia.. Zuletzt schrieb sie den Palermo-Roman „Die Gesichter der Toten“.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Frederking & Thaler Verlag GmbH; Auflage: 1 (19. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954161869
ISBN-13: 978-3954161867
Größe und/oder Gewicht: 37,4 x 29,8 x 3,6 cm

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