Seit Urzeiten war das Pferd der engste Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, verband Städte und Länder, entschied die Kriege. Doch dann zerbrach der kentaurische Pakt, und in nur einem Jahrhundert fiel das Pferd aus der Geschichte heraus, aus der es jahrtausendelang nicht wegzudenken war. Furios erzählt Ulrich Raulff die Geschichte eines Abschieds – die Trennung von Mensch und Pferd.
Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war – bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt. Ulrich Raulff zieht in seinem neuen Buch alle Register der Kultur- und Literaturgeschichte und beschreibt mit beeindruckender Erzählkunst eine untergehende Welt – ein Kapitel vom Auszug des Menschen aus der analogen Welt.

Ein Menorquiner (1)

Ein Menorquiner
(1)

Das Buch hält auch für Nicht-Pferdeliebhaber eine Menge Wissenswertes bereit, gerade auch für Militärhistoriker.
Ich dachte zum Beispiel immer, dass alle Indianer zu Pferde angriffen. Tatsächlich ritten die Apachen nur an das Ziel heran, um dann einen Angriff zu Fuß zu starten, weil ihnen die Koordination fehlte, beides gleichzeitig zu tun . Andere Stämme wie die Komantschen griffen dagegen wirklich zu Pferde an.

Rosa Boheur, Der Pferdemarkt, 1835 oder 1855, Öl auf Leinwand, 244 x 506 cm, Metropolitan Museum, New York

Rosa Boheur, Der Pferdemarkt, 1835 oder 1855, Öl auf Leinwand, 244 x 506 cm, Metropolitan Museum, New York

Oder weiß jemand, dass das Haus Hannover während eines Pferderennens auf den britischen Thron gelangte? Dass die Ostfront im Zweiten Weltkrieg ein Krieg war, in dem 2,8 Millionen Pferde auf deutscher Seite eingesetzt wurden, von denen 1 Millionen ihr Leben ließen. Die durchschnittliche Lebensdauer betrug 10 Tage. Mehr habe ich vom Zweiten Weltkrieg zugegebenermaßen nicht gelesen, da ich mich weigere, mich mit dem Thema in irgendeiner Form zu beschäftigen. Das kann selbst das Thema *Pferd* nicht aufwiegen.

Die Aufmachung des Buches weiß zu überzeugen, dass Papier ist sehr fein, es gibt zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos über das ganze Buch verstreut und einen farbigen Mittelteil.

Fazit

Ob Ackerbau, Militär, Transport oder Gesellschaft – das Buch zeigt auf, wie anormal unser Leben geworden ist, auch wenn es den Pferden heute besser geht als jemals zuvor. Wobei das so auch wieder nicht stimmt, wenn ich daran denke, dass die meisten Pferde in Gefängnishaltung leben. Aber für Pferdchen (Freilandhaltung) habe ich neues Material, um ihm zu erklären, dass es ihm nicht so schlecht geht, wie er ab und zu glaubt.

Verlagsseite

Ulrich Raulff ist Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Zuvor war er u. a. Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat Bücher über Marc Bloch und Aby Warburg geschrieben und für seine Arbeiten den Anna-Krüger-Preis für wissenschaftliche Prosa und den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik erhalten. Sein bei C.H.Beck erschienenes Buch Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben wurde 2010 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch ausgezeichnet.

Gebundene Ausgabe: 461 Seiten Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (6. Oktober 2015) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3406682448 ISBN-13: 978-3406682445 Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 4 x 22,6 cm

Gebundene Ausgabe: 461 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (6. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406682448
ISBN-13: 978-3406682445
Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 4 x 22,6 cm

(1) „Cavall“ von User:Marta Ensesa – Eigenes Werk. Lizenziert unter GFDL über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cavall.JPG#/media/File:Cavall.JPG

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