Robin Hood ist eine überaus schillernde Gestalt. Der Vogelfreie aus dem Sherwood Forest verkörpert als Outlaw und Gesetzloser wie kein anderer die Ideale von Freiheit und Gerechtigkeit. Immer neue Deutungen haben sich an die überlieferten Geschichten angelagert und den gewitzten Räuber in einen vorbildlichen Sozialrebellen verwandelt. Längst hat Robin Hood auch in Film, TV und Comic Karriere gemacht und zählt weltweit zu den beliebtesten Symbolfiguren der Popkultur. Judith Klinger lässt uns eintauchen in die mittelalterliche Welt von Robin und Marian, von Little John und Bruder Tuck. Ihre spannende Spurensuche durch acht Jahrhunderte lässt den Mythos Robin Hood wieder lebendig werden und zeigt neueste Erkenntnisse zur historischen Wahrheit auf. Die einzigartige Beliebtheit Robins und seiner ‚Merry Men‘ belegen auch die zahlreichen Fotos und Illustrationen, die dem Band beigegeben sind.

Robin Hoods Grab (1)

Robin Hoods Grab (1)

Vorbemerkung:
Leider habe ich zur Vorbereitung keinen lesbaren, authentischen Text zu den Balladen (Gest) von Robin Hood gefunden. Die vorhandenen Bücher sind alles Kinderbücher. Im Internet findet sich zwar der Text im Original, was aber bedeutet, dass er auf Mittelenglisch verfasst ist. Ich fand ihn selbst mit Erklärungen nicht lesbar. Auch ein Abgleich mit Filmen ergab nicht, dass sich einer auch nur halbwegs an die originale Handlung hält. Ich musste mir daher den Inhalt der Balladen rein über dieses Buch hier und über den sehr guten Artikel in der englischsprachigen Wikipedia erschließen.

"And walke up to the Saylis, And so to Watlinge Strete, And wayte after some unkuth gest, Up chaunce ye may them mete. / Und geh hinauf nach Sayles und von dort zur Watling Street, und warte auf unbekannte Gäste, durch Zufall können sie dir begegnen. (I.18) (S. 17) (1)

„And walke up to the Saylis,
And so to Watlinge Strete,
And wayte after some unkuth gest,
Up chaunce ye may them mete. / Und geh hinauf nach Sayles und von dort zur Watling Street, und warte auf unbekannte Gäste, durch Zufall können sie dir begegnen. (I.18) (S. 17) (2)

Über Karten und Text Hoods Wirkungsgebiet und Örtlichkeiten verdeutlicht, wie Little Johns Höhle, Robin Hoods Höhle, wovon es mehrere gab; sein Grab und das Kloster in der Nähe, in welchem er durch Verrat verblutete. Die Ortsbezüge der Gest* werden genau auseinandergenommen, wobei immer wieder betont wird, dass es nicht klar ist, ob Robin Hood eine rein literarische Figur ist oder auf ein oder zwei realen Personen basiert. Selbst die Gest selbst gibt über seine Herkunft keine Auskunft, erwähnt aber durchaus die Fähigkeiten Hoods zu höfischen Umgangensformen.

Robin Hoods Quelle. Da man nicht nur in Deutschland liederlich mit seinem kulturellen Erbe umgeht, wurde das Quellengebäude verlegt, um einer Straße zu weichen.

Robin Hoods Quelle. Da man nicht nur in Deutschland liederlich mit seinem kulturellen Erbe umgeht, wurde das Quellengebäude verlegt, um einer Straße zu weichen.(3)

Das Buch behandelt dann recht eindrücklich die sozialen und kulturellen Bedienungen, welcher der Ballade zugrunde liegen, sowie das zugrunde liegende Justizsystem. Selbst wenn man sich für Robin Hood selbst nicht interessiert, so lernt man zwangsläufig sehr viel über die englische Geschichte.
Auch interessant zu lesen ist, wie der Mythos in Frühen Neuzeit verfremdet wurde, um in unserer Zeit wieder eine neue Wandlung zu erfahren.

Fazit

Das Buch ist leicht zu lesen, bietet aber trotzdem einen schwergewichtigen Inhalt. Die Aufmachung des Buches mit vielen Karten und Bildern vermag genauso zu überzeugen, wie das Quellenverzeichnis.

Dr. Judith Klinger ist wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik / Institut für Germanistik der Universität Potsdam. Sie studierte Germanistik und Anglistik sowie Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik.

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten Verlag: Lambert Schneider (1. September 2015) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3650400545 ISBN-13: 978-3650400543 Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 2,7 x 24,6 cm

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Lambert Schneider (1. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3650400545
ISBN-13: 978-3650400543
Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 2,7 x 24,6 cm

* Ballade, wobei ich bei Wikiepdia unter *Gest* nur Bierhefe fand.
(1) „Robin Hood’s Grave, Clifton – geograph.org.uk – 177704“ von Humphrey Bolton. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Robin_Hood%27s_Grave,_Clifton_-_geograph.org.uk_-_177704.jpg#/media/File:Robin_Hood%27s_Grave,_Clifton_-_geograph.org.uk_-_177704.jpg
Robin Hood’s Grave, Clifton. The enclosure was built in the 18C in an attempt to stop people from chipping pieces from the gravestone, which were supposed to cure toothache. The iron cage was made by the Birkenshaw Iron Works. Unfortunately at some time in the 20C the grave was badly damaged by vandals using oxy-acetelyne equipment to cut through the iron bars, and toppling two of the decorative corner posts. Why anyone should take the trouble to do this is a mystery, as nothing was taken. The tablet was also made in the 18C and reads, in Chaucerian language, ‚Hear Underneath dis laitl stean Laz robert earl of Huntingtun Ne’er arcir ver az hie sa geud An pipl Kauld im robin heud Sick utlawz az hi an iz men Vil england nivr si agen Obiit 24 Kal Dekembris 1247‘ . Yew trees have been planted around the grave. Note that to see this you need to book a place on the twice-yearly Calderdale Heritage Walk in the Kirklees estate.
(2) „Watling Street Richborough“ von Ian Macnab. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Watling_Street_Richborough.jpg#/media/File:Watling_Street_Richborough.jpg
(3) „Robin hoods well“ von a_man_alone (talk) – I (a_man_alone (talk)) created this work entirely by myself.. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Robin_hoods_well.JPG#/media/File:Robin_hoods_well.JPG Picture of Robin Hoods Well. The off colour plate at the top left of the well used to contain a plaque explaining that the well has been moved from its original location when the dual carraigeway (visible in the background) was built.

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