Am 9. und 11. April des Jahres 1241 erlitten christliche Heere bei Lieglitz in Schlesien und bei Mohi am Sajò in der ungarischen Theiß-Ebene vernichtende Niederlagen gegen ein Reitervolk, das über Osteuropa hinweggefegt war und nun an den Toren des Abendlandes stand. Der Name, den man dem Reitervolk gab, – Tartaren – verweist direkt auf die mythologisch Hölle, den Tartaros. Im Jahre 1243 schickt der neue Papst Innozenz IV. Kundschafter aus, um das Volk und das Reich, die das Abendland an den Rand des Untergangs gebracht hatten, genauer zu erkunden und strategisch wichtige Informationen zu sammeln. Der Franziskaner Johannes von Plano Carpini und seine Gefährten wählten in diesem Sinn die Nordroute über Russland. Als er in das fremde Reich gelangt, wird er von den Mongolen immer weitergeschickt und gelangt schließlich zum Großkhan selbst. Auf seiner Reise durchquerte er dabei innerhalb von zwei Jahren (1245-1247) fast ganz Europa und Asien, sah Gegenden und Menschen, von deren Existenz man vorher nur eine dunkle Ahnung hatte oder gar nichts wusste.

Chinggis Khan seated, with his sons Jöchi and Ögödei on the left. From Rashid ad-Din's Manuscript, Jami al-Tawarikh, early 14th century. Bibliothèque Nationale de France, Paris.

Chinggis Khan seated, with his sons Jöchi and Ögödei on the left. From Rashid ad-Din’s Manuscript, Jami al-Tawarikh, early 14th century. Bibliothèque Nationale de France, Paris.

Das Interessanteste an dem Buch war das Vorwort von Frau Schmieder, der ich während ihrer Zeit in Frankfurt einige Seminare und Übungen besuchen durfte. Der Rest des Buches ist so nüchtern beschrieben, dass es sehr schnell langweilig wird. Und trotzdem muss man es lesen, um die volle Bedeutung des Vorwortes zu erfassen.

Wenn Frau Schmieder schreibt, dass ein Autor (oder Erzähler) Geschichten immer soweit verfremdet, bis sie ins eigene Weltbild passen, dann wirkt dies erst einmal wie eine Lappalie. Wenn man dann aber von einem Kaiser (Dschingis Kahn) liest oder von Behausungen statt Jurten, dann wird sehr schnell klar, wie sehr jeder von uns vertraute Begriffe sucht, die den Sachverhalt aber nur sehr unzureichend ausdrücken oder gar verfremden.

Mongolische Jurten in einer älteren Bauform, 19. Jahrhundert (1)

Mongolische Jurten in einer älteren Bauform, 19. Jahrhundert
(1)

Eine zweite wichtige Beobachtung ist, dass es kaum möglich ist, sich in das Denken früherer Zeiten, geschweige denn des Denkens vor Jahrhunderten, wirklich hineinzuversetzen. Alleine das Konzept von Drei Indien (Ober- und Unterindien sowie Äthiopien, über letztes Land und seine christlichen Traditionen berichtet gerade Von Orten und Menschen) lässt sich kaum noch nachvollziehen. Selbst mit dem sehr umfangreichen Fußnoten lässt sich für mich die Vorstellung, dass Indien und Äthiopien in fast direkter Nachbarschaft gelegen haben sollen, kaum noch gedanklich nachvollziehen.

Der eigentliche Bericht ist derartig nüchtern und emotionslos geschrieben, dass ich ihn über kein Volk der Welt, überhaupt über keinen Sachverhalt, durchgehalten hätte. Eigentlich sollte man meinen, dass noch mehr Kulturclash geht nicht, wenn ein kleines Grüppchen Europäer zum ersten Male überhaupt zu den Mongolen reist. Der Autor hält sich selbst jedes extrem zurück und beschreibt nur. Auf heutige Verhältnisse übertragen würde sich das ungefähr so lesen:

Der Deutsche ist weißhäutig und neigt zu Übergewicht. Er wohnt in Häusern, welche aus Steinen gefertigt wurden. Morgens steht er um 6 auf und isst ein Brötchen mit Marmelade. Dabei sitzt er zusammen mit seiner Familie auf einem Stuhl vor einem Tisch. Es werden Tassen, Teller und Messer benutzt, meistens steht auch eine Kanne mit Kaffee auf dem Tisch.

Man stelle sich vor, so werden sämtliche Bereiche des Lebens auseinandergenommen. Das ist nur etwas für die ganz Interessierten.

Fazit

Das Vorwort ist sehr wertvoll und regt zum Nachdenken an. Der eigentlich Text ist sehr ermüdend. Mir haben im dem Text sehr die persönlichen Empfindungen gefehlt, auch wenn papadoxer Weise, das ganze Buch aus persönlichen Beobachtungen besteht.

Johannes von Plano Carpini wurde um 1185 in der Nähe von Perugia geboren und starb 1252 in Montenegro. Er war ein italienischer Franziskaner und war vermutlich noch direkter Schüler von Franz von Assisi. Um 1220 herum war er in Deutschland als Missionar tätig, missionierte u.a. aber auch in Tunis, Polen, Ungarn, Dänemark, Norwegen und auf der iberischen Halbinsel. Aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen, die er aus seiner internationalen Missionstätigkeit mitnahm, wurde er für die Expedition zum Volk der Mongolen -Tartaren genannt- ausgewählt. Auf dieser Reise sammelt er wertvolle Erkenntnisse über die mongolischen Stämme, ihren Alltag, ihre Religion und Sprache aber auch über ihre militärischen Strategien und ihre Rechtsprechung.

Felicitas Schmieder studierte Geschichte und Latein in Frankfurt am Main, Staatsexamen 1986, Promotion 1991; Habilitation 2000. 1987 bis 2004 Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Hochschuldozentin am Historischen Seminar der Universität Frankfurt am Main; Lehrtätigkeit in Konstanz, Gießen und Prag; seit 1995 recurrent visiting professor am Department for Medieval Studies der Central European University, Budapest. Seit Dezember 2004 Professorin für Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der Fernuniversität Hagen.

Gebundene Ausgabe: 200 Seiten Verlag: edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (28. April 2015) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3737400105 ISBN-13: 978-3737400107 Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 2,2 x 21,1 cm

Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
Verlag: edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (28. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3737400105
ISBN-13: 978-3737400107
Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 2,2 x 21,1 cm

(1) „Mongolische Jurte“ von Otto Ehrenfried Ehler (1855-1895) – Uploaded by: Immanuel Giel 8 July 2005 08:51 (UTC) – Otto F. Ehlers: Im Osten Asiens. Mit zahlreichen Illustrationen und zwei Karten. Dritte Auflage. Berlin: Allgemeiner Verein für Deutsche Litteratur, 1896. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mongolische_Jurte.jpg#/media/File:Mongolische_Jurte.jpg

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