Die Aufnahmen sind ebenso schockierend wie faszinierend. Um die Jahrhundertwende 1900 revolutionierte die noch junge aufkommende Fotografie die Aufklärung von Kriminalfällen. Exakt und detailreich, ohne Emotion auf Spurensuche – die Tatortfotografie hatte zu dokumentieren, was vorgefallen war. Angehörige der Opfer, Täter und die beteiligten Ermittler sind verstorben und die Akten vernichtet. Zu einigen Fotografien finden sich Notizen. Wilfried Kaute recherchierte in den Pressearchiven die Umstände der jeweiligen Kriminalfälle. Ein Datum, ein Ort oder der Name eines Opfers halfen bei der Suche nach der Geschichte der Fotos. Die Artikel lesen sich wie Kriminalromane. Mit ihrer spannenden und authentischen Berichterstattung ergänzen sie die Dramatik der Fotografien. Ein Buch, das keinen kaltlässt, das aufwühlt und in den Bann zieht.

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Das ist eines der abstoßendsten Bücher, die ich je in der Hand hatte. Wer sich in Krimis an möglichst ekligen Beschreibungen von Leichen ergötzen kann, der findet hier neuen Stoff. Ich gehöre nicht dazu.
Irritierender Weise wurden ausgerechnet die Morde, welche mich interessierten, nämlich die des New Yorker Nachahmungstäter von Jack the Ripper (bloginterne Seite hier) vom Verlag zensiert. Vielleicht, weil es sich um Kinder handelte, wobei ich immer verwirrt bin, dass die meisten Menschen es schaffen, die Gleichwertigkeit aller (!) Menschen anzunehmen, nur um Kinder als bevorzugte Gruppe herauszunehmen. Mit Logik darf man dieser Weltsicht nicht begegnen.

ich habe nun also ein Buch voller echter Leichen. Leider macht der Autor daraus sehr wenig. Die Beschreibungen wurden 1:1 vom New Yorker Department of Records übernommen, man hat sich die Mühe einer Übersetzung der Fotobeschreibung nicht gemacht. Ich habe auch ein komplett englischsprachiges Kapitel entdeckt, aber zurück zu den Fotos: Ab und zu ist ein Zeitschriftenartikel zu den Fotos beigefügt, eben das, was sich in der Polizeiakte fand. Leider wurde sich nicht die Mühe gemacht, die Fälle zu recherchieren, gerne hätte ich etwas über die Umstände der Tat erfahren und das Umfeld, in dem sie stattfanden und die Opfer und Täter lebten. Leider unterbleibt dies außerhalb der Zeitungsausschnitte, welche nicht zu allen Fotos bereitgestellt werden.

Fazit

Ein Buch, welches sicherlich bei jedem normalen Menschen Alpträume auslöst. Jenseits der Fotos hätte ich mir tiefergehende Informationen zu den Taten gewünscht. Was jedoch gut vermittelt wird, sind die Lebensumstände jener Zeit, da viele Fotos in Privatwohnungen entstanden sind.

Fotos (aus dem Buch) unter http://nycma.lunaimaging.com/luna/servlet/view/all/who/Clement+Christensen,+badge+%23529/what/Crime+and+criminals/Police?os=0&pgs=50

Wilfried Kaute, 1948 in Duisburg geboren, lebt als Kameramann, Filmproduzent und Autor in Köln. Die Entdeckung dieses einzigartigen Fotoarchivs hat ihn nicht mehr losgelassen. In unzähligen Stunden hat er das Fotomaterial aus ca. 30 000 Bildern und die dazugehörigen Artikel ausgewählt und zusammengestellt. Jed Rubenfeld, geboren 1959 in Washington, D.C., ist Jurist, Juraprofessor an der Yale University und Bestsellerautor, unter anderem des Buchs ‚The Interpretation of Murder‘.

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten Verlag: Emons Verlag (15. Oktober 2015) Sprache: Englisch, Deutsch ISBN-10: 3954517302 ISBN-13: 978-3954517305 Größe und/oder Gewicht: 25,1 x 2,7 x 30,7 cm

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Emons Verlag (15. Oktober 2015)
Sprache: Englisch, Deutsch
ISBN-10: 3954517302
ISBN-13: 978-3954517305
Größe und/oder Gewicht: 25,1 x 2,7 x 30,7 cm

(1) „Panorama Skyline Manhattan Empire State Building“ von Andinem aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Panorama_Skyline_Manhattan_Empire_State_Building.jpg#/media/File:Panorama_Skyline_Manhattan_Empire_State_Building.jpg

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