Auch mehr als 125 Jahre nach seinem ersten Fall erfindet sich Sherlock Holmes immer wieder neu: Benedict Cumberbatch interpretiert den genialen Meisterdetektiv moderner und persönlicher denn je, Regisseur Guy Ritchie inszeniert ihn als humorvoll-amüsanten Gentleman und Herr-der-Ringe-Star Ian McKellen wagt sich an eine Version des pensionierten Holmes. Aber woher rührt der weltweite Mega-Erfolg des unkonventionellen Privatermittlers? Was fesselt Generationen von Lesern, Hörern und Zuschauern an den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle? Und wer ist das reale Vorbild für die vielleicht größte literarische Figur aller Zeiten? Der schwedische Sherlock-Holmes-Experte Mattias Boström begibt sich in diesem aufwändig recherchierten Buch auf Spurensuche, um das Erfolgsgeheimnis des Mannes aufzudecken.

Am Anfang war ich von dem Buch entzückt. Boström erzählt ausführlich, wie Doyle die Figur des Sherlock Holmes entwickelte, wer das Vorbild war und wie die berühmten Illustrationen zustande gekommen sind. Nachdem Doyle tot war, ging die Erzählung jedoch den Bach runter: Es geht fast nur noch darum, wer die Rechte an den Geschichten hatte, wie um diese Rechte gekämpft wurde, wie die die Figur Holmes zweckentfremdet wurde und welches Unglück das Geld über die Nachfahren des Autors gebracht hat. (Auch wenn ich dieses *Unglück* gerne hätte.)

Schmunzeln musste ich, dass die bekannteste Geschichte, Die Liga der Rothaarigen, die einzige Holmes-Geschichte ist, die ich auswendig kenne. (Na gut, der Hund von Baskerville noch durch den Film mit Christopher Lee.) Ich glaube, sie ist deswegen so bekannt, weil die Geschichte und die Auflösung so unglaublich bescheuert sind.

Was nur am Rande gestreift wird, sind neuere Entwicklungen, sogar die Serie *Sherlock* wird mit ein paar Sätzen abgetan. Es gibt die Serie und fertig.

Was gar nicht erwähnt wird, und dies gehört zu einem umfassenden Holmes-Buch dazu, sind die Computerspiele. Teilweise sind es echte Gurken, beginnend ab *Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper*, gehören die Spiele mit zu dem Besten, was der Adventure-Markt hergibt. Man spielt nicht Sherlock Holmes (und teilweise Watson und Toby, den Hund aus *Das Zeichen der Vier*), sondern man beginnt mit dem Charakter zu verschmelzen, stellt Untersuchungen an, macht die Holmes-typischen Experimente, und, wenn man am Ende eines Kapitel alle Beweise zusammen hat, muss man streng logisch Schlussfolgerungen ziehen.

Mich verwundert es immer, warum nicht viele Krimileser nicht auch Krimi-Adventures spielen. Der einzige Grund, der mir einfällt ist, dass man nicht alles vorgekaut bekommt, sondern selbst nachdenken muss.

Schlussfolgerungen ziehen. Aus: Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper.

Dass dieses wichtige Kapitel des neuzeitlichen Holmes keinen Platz gefunden hat, lässt bei mir einen unvollständigen Eindruck des Buches zurück. Genau, wie schon geschrieben, auf die Serie *Sherlock* nicht eingegangen wird.
Eine Analyse der Holmes-Romane auf das Krimi – Genre fehlt ebenfalls.

Fazit

Das Buch ist unterhaltsam geschrieben wie ein guter Krimi. Nur fehlen sehr viele neue Entwicklungen, was dem Buch einen sehr unvollständigen Charakter verleiht.

Verlagsseite mit Leseprobe

Mattias Boström, Jahrgang 1971, ist einer der führenden Sherlock-Holmes-Experten weltweit. Er ist Mitglied der prestigeträchtigen Gesellschaft „Baker Street Irregulars“, welche ihn für seine Schriften über die Arbeit von Sir Arthur Conan Doyle auszeichnete. Für „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ erhielt er außerdem den Schwedischen Krimipreis für das beste Sachbuch. Bei Twitter, Facebook und in seinem Blog http://www.mattiasbostrom.se informiert er seine Follower regelmäßig über aktuelle Projekte. Er lebt mit seiner Frau und einer Tochter in der Nähe von Stockholm.

 € 14,99 [D] € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empf. VK-Preis) Taschenbuch, Klappenbroschur ISBN: 978-3-442-71336-3 Erschienen: 14.12.2015

€ 14,99 [D]
€ 15,50 [A] | CHF 20,50*
(* empf. VK-Preis)
Taschenbuch, Klappenbroschur ISBN: 978-3-442-71336-3
Erschienen: 14.12.2015

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