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Wo Gegensätze aufeinandertreffen

Von Ravenna und Rimini über Apulien und die Straße von Otranto nach Albanien; von Dubrovnik über Split nach Rijeka, das einst Fiume hieß; nach Triest, Abbazia und Venedig. Uwe Rada hat die wichtigsten und spannensten Orte der Adria bereist und legt eine Kulturgeschichte vor, die die Vielfalt und den kulturellen Reichtum dieser Sehnsuchtslandschaft einfängt.

Die Adria – reich an geschichtlichen Verwerfungen – ist der Schauplatz einer Vielzahl von Ereignissen: Im morbiden Charme des Lido konnte Thomas Mann seine homoerotische Novelle Tod in Venedig ansiedeln. Unweit davon liegt Triest, die einstige Hafenstadt der Habsburger, und an der Südspitze von Istrien, in Pula, gründeten die Argonauten in der Antike eine neue Stadt, statt nach Griechenland zurückzukehren. Die Adria ist aber auch von jeher ein Machtzentrum gewesen, und im politischen Kräftemessen des Kalten Kriegs ging der Eiserne Vorhang quer durch sie hindurch. Und die Adria ist noch viel mehr, war sie doch ein erstes Urlaubsziel von Deutschen und Österreichern in den 50er und 60er Jahren und damit Landschaft und Meer einer kollektiven Sehnsucht.

Uwe Rada erzählt diese Geschichten äußerst lebendig und zeigt zugleich, wie die Vielfalt der Adria heute wieder zum gemeinsamen Gut geworden ist. Einmal mehr wächst Europa an den Rändern zusammen und nicht in den Hauptstädten. Die nämlich liegen weit entfernt von der adriatischen Küste.

Die Stadt, nach der ein ganzes Meer benannt wurde: Adria, heutzutage landeinwärts gelegen. (1)

Die Stadt, nach der ein ganzes Meer benannt wurde: Adria, heutzutage landeinwärts gelegen. (1)

Ich habe bereits vor Jahren folgende Theorie entwickelt: Belletristik kann man irgendwie immer lesen, egal, wie wenig einen das Thema interessiert. Mit etwas eisernen Willen kann man sich durchkämpfen. Wenn man sich dagegen nicht für das Thema eines Sachbuches interessiert, wird man das Buch irgendwann abbrechen.

Ich erwähne dies deshalb, weil der Autor alles ihm Mögliche tut, damit das Buch eine möglichst geringe Leserschaft anspricht. Wie viele Leser werden sich wohl für den Einfluss von Byzanz auf Ravenna interessieren? Für die türkischen Einnahmen Italiens? Wie viele für das Ringen Venedigs und Konstantinopels auf der Adria? Für venezianische Kolonien im heutigen Kroatien? Sollte dies nicht interessant sein – Pech gehabt, darum geht es in 4/5 des Buches, die Gegenwart kommt nur am Rande vor. Der Autor fährt zwar die Adriaküste ab, aber eigentlich hätte er auch zu Hause bleiben und die Reise auf der Landkarte vollziehen können. Denn die 1/5 Gegenwart fällt auch nicht mehr ins Gewicht.
Er kommt in einem Ort an, und erzählt die jahrhundertelange Geschichte des Ortes. Dann geht es weiter. Bis zu *Der Faschismus wurde an der Adria erfunden*, im hinteren Drittel des Buches, habe ich durchgehalten. Danach war meine Geduld aufgebraucht.

Nehaj, die Burg der *roten Zora*. (2)

Nehaj, die Burg der *roten Zora*.
(2)

Insofern ist auch der Untertitel *Die Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes* mehr als täuschend, denn er suggeriert, dass sich das Buch mit der Gegenwart beschäftigt. Aber es könnte nichts falscher als eben das sein, da das Buch fast ausschließlich die Jahrhunderte zurückblickt und die Gegenwart ausblendet.

Fazit

Man muss schon sehr am byzantinisch-römisch-venezianischen Kulturaustausch interessiert sein, wenn man dem Buch etwas abgewinnen möchte.

Leseprobe

Im Buch erwähnte Literatur

Riccardo Bacchell; Die Mühle am Po
Vera von Falkenhausen; Die Städte im byzantinischen Italien (nicht gefunden)
Anna Radovani; Der Walnussbaum (nur eBook)
Kurt Held; Die rote Zora und ihre Bande

 € 14,99 [D] € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empf. VK-Preis) Paperback, Klappenbroschur ISBN: 978-3-570-55222-3 Erschienen: 01.09.2014

€ 14,99 [D]
€ 15,50 [A] | CHF 20,50*
(* empf. VK-Preis)
Paperback, Klappenbroschur ISBN: 978-3-570-55222-3
Erschienen: 01.09.2014

(1) „Adria Italy“ von Parrot of Doom – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Adria_Italy.jpg#/media/File:Adria_Italy.jpg
(2) „Nehaj Senj Croatia 01“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nehaj_Senj_Croatia_01.jpg#/media/File:Nehaj_Senj_Croatia_01.jpg

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