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Weltpolitik ist auch Geopolitik. Alle Regierungen, alle Staatschefs unterliegen den Zwängen der Geographie. Berge und Ebenen, Flüsse, Meere, Wüsten setzen ihrem Entscheidungsspielraum Grenzen. Um Geschichte und Politik zu verstehen, muss man selbstverständlich die Menschen, die Ideen, die Einstellungen kennen. Aber wenn man die Geographie nicht mit einbezieht, bekommt man kein vollständiges Bild. Zum Beispiel Russland: Von den Moskauer Großfürsten über Iwan den Schrecklichen, Peter den Großen und Stalin bis hin zu Wladimir Putin sah sich jeder russische Staatschef denselben geostrategischen Problemen ausgesetzt, egal ob im Zarismus, im Kommunismus oder im kapitalistischen Nepotismus. Die meisten Häfen frieren immer noch ein halbes Jahr zu. Nicht gut für die Marine. Die nordeuropäische Tiefebene von der Nordsee bis zum Ural ist immer noch flach. Jeder kann durchmarschieren.

Russland, China, die USA, Europa, Afrika, Lateinamerika, der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Japan und Korea, die Arktis und Grönland: In zehn Kapiteln zeigt Tim Marshall, wie die Geographie die Weltpolitik beeinflusst und beeinflusst hat.

@ NASA; Quelle

@ NASA; Quelle

Das Buch hat mir sehr geholfen, aktuelle Entwicklungen in der Weltpolitik zu verstehen.

Beispiel Ukraine – Russland: Russland war statistisch gesehen alle 33 Jahre in einen Krieg mit Europa verwickelt. Da kein Gebirge dazwischen liegt, muss es sich die Nordeuropäische Tiefebene freihalten und kann die Ukraine in der EU oder gar in der NATO nicht akzeptieren.

Beispiel China – Tibet: Das Wasserbedarf Chinas speist sich aus den Strömen des Himalayas. Darüber muss es die Kontrolle haben. Und noch mehr: Es kann so anderen asiatischen Ländern den Wasserhahn abdrehen.

Beispiel Ägypten – Äthiopien: Die Bevölkerung Ägyptens ballt sich am Nilufer, schön auf den obigen Bild zu sehen. Der Blaue Nil verläuft aber zum Teil in Äthiopien. Beide Länder werden daher um einen Krieg nicht herumkommen. (FAZ: Konflikt um Nilwasser- Zur Kooperation verdammt)

Beispiel Israel: Ich habe nun verstanden, warum das Land als Selbstschutz die Golanhöhen braucht – von dort aus kann man fast ganz Israel beschießen. Das Land hat keine Rückzugstiefe.

Das sind nur einige Beispiele, wie die Geographie die Politik und auch das Denken der Politiker und Einwohner beherrscht. Der Schreibstil ist sehr eingängig, aber lange konnte ich das Buch nie lesen. Nach 1,2 Kapiteln musste ich das Gelesene erst einmal verarbeiten. Alles kann man nicht behalten, und so lohnt es sich immer wieder, dieses Buch zur Hand zu nehmen, und noch einmal nachzuschlagen.

Unterteilt ist es in Folgende Kapitel: Russland, China, USA, Westeuropa, Afrika, Der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Korea und Japan, Lateinamerika und die Arktis. Teilweise vermischen sich die Themen, da China stark in Afrika als auch über den Bau des Nicaraguakanals in Lateinamerika engagiert ist.

Fazit

Ein brillantes Buch, welches ich sicher noch öfter konsultieren werde.
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Tim Marshall, geboren 1959, ist Politik-Redakteur bei Sky News, dem englischen 24-Stunden-Nachrichten-Sender, und anerkannter Experte für Außenpolitik. Er hat aus 30 Ländern berichtet, über den Jugoslawienkrieg ebenso wie über Afghanistan, den Irak, den Libanon und Israel sowie über amerikanische Präsidentschaftswahlen. Marshall hat für die BBC gearbeitet und war lange als Europa-Korrespondent und Korrespondent für den Nahen Osten tätig. Er wurde wegen seiner Berichterstattung vielfach ausgezeichnet. Sein Blog Foreign Matters war auf der Shortlist für den Orwell Prize 2010. Marshall hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. November 2015) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3423280689 ISBN-13: 978-3423280686

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423280689
ISBN-13: 978-3423280686

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