Was passiert, wenn eine passionierte Sozialforscherin nach Manhattan zieht, um dort, mitten unter den Reichen und Schönen New Yorks, ihre Kinder zu erziehen? Sie betreibt Feldforschung: Mit dem geschulten Blick der Anthropologin hat Wednesday Martin über hundert Frauen in ihrer Nachbarschaft befragt und spart nicht mit Details, wenn sie die exotisch anmutende Spezies rund um den Central Park beschreibt: Sie beobachtet Frauen, die das eigene Penthouse führen wie ein Vorstandsvorsitzender ein Unternehmen. Sie trifft Absolventinnen renommierter Elite-Universitäten, die sich von ihren Millionen schweren Ehemännern einen »Hausfrauen-Bonus« diktieren lassen. Und sie erzählt von Müttern, die ihre Kinder zu Bestnoten pushen und die Organisation eines Kindergeburtstags zum Weltereignis erklären. Das (Selbst-)Diktat, als Mutter stets perfekt und sexy zu sein, kennen auch deutsche Frauen – härter als im New York der Upper East Side aber sind die Regeln nirgendwo.

Blick über die Upper East Side, September 2007 (1)

Blick über die Upper East Side, September 2007 (1)

Je länger ich das Buch gelesen habe, desto mehr fragte ich mich, wo für mich und andere Normalsterbliche der Erkenntnisgewinn liegen könnte. Unter milliardenschwere Paare werden ich mich kaum je im Leben mischen. Vielleicht hätte ich *Die tote Geliebe* einen Tick besser und Dämmerschlaf viel besser umsetzten können. Aber daüber hinaus kommt das Buch mir wie vertane Zeit vor.

Dass Affengesellschaften andauernd mit denen der Mütter verglichen werden, gibt Sinn – bei beiden werden keine Individuen herausgearbeitet, wohl aus Angst vor Klagen, sondern es sind gesichtslose Gruppen.

Um dieses oberflächliche Buch zu schreiben, braucht man wirklich keinen Doktortitel von Yale (oder einer anderen Universität).

Ich wollte diese potthäßlichen Taschen nicht geschenkt haben, aber sie sind DAS Status- / Zusammengehörigkeits-Symbol überhaupt: Eine Birkin Bag.

Ich wollte diese potthäßlichen Altoma – Taschen nicht geschenkt haben, aber sie sind DAS Status- / Zusammengehörigkeits-Symbol überhaupt: Eine Birkin Bag.(2)

Die Frauen sind alle wunderschön, durchtrainiert, versuchen perfekte Mütter zu sein. Keine arbeitet, obwohl alle Abschlüsse von Eliteuniversitäten haben. Der Leidesdruck entsteht dadurch, dass man nicht perfekt sein könnte; sich die Füße taubspritzen lassen muss, um die Abende in High Heels zu überstehen, Botoxanwendungen und ähnlichem. Wer keine Birkin Bag vorzeigen kann, gehört nicht dazu und wird ausgeschlossen. Die Frage ist, ob man Bekannte möchte, die einen nur kennen, wenn man die richtige Handtasche vorweisen kann.

Fazit

Der Erkenntnisgewinn ist für den normalen Menschen gleich Null. Ich hatte ab Seite 150 nur noch das Gefühl, meine Zeit zu vertun.

Wednesday Martin ist Anthropologin und Sozialforscherin, studierte in Yale und lehrte an der New School for Social Research in New York. Sie ist verheiratet, hat zwei eigene und zwei Stiefkinder und lebt mit ihrer Familie in New York City. Als Journalistin und Autorin schreibt sie vor allem über Themen wie Familie, Gender und Popkultur. Ihre Beiträge erscheinen u. a. in The New York Times, The Daily Telegraph und Psychology Today.

Broschiert: 320 Seiten Verlag: Berlin Verlag (17. März 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3827013100 ISBN-13: 978-3827013101 Originaltitel: Primates of Park Avenue. A memoir

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (17. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827013100
ISBN-13: 978-3827013101
Originaltitel: Primates of Park Avenue. A memoir

(1) Von Alex Maisuradze – Eigenes Werk (Taken by self), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4327668
(2) Von Hermes_Birkin.JPG: Theorbderivative work: Regi51 (talk) – Hermes_Birkin.JPG, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17746244

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