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Thomas Asbridge zeichnet ein prächtiges Porträt des besten aller Ritter: Guillaume le Maréchal war der eigentliche Lancelot seiner Zeit, der Inbegriff des Ritters. Sein spektakuläres Leben zeugt von Glanz und Größe.

In mitreißenden Szenen erzählt Thomas Asbridge von der Geburt der Ritterklasse, der Kultur und Lebensart der ritterlichen Welt. Wie kein anderer verkörperte Guillaume le Maréchal (um 1147–1219; englisch auch William Marshal) die Ideale seiner Epoche. Bedingungslos verschrieb er sich dem ritterlichen Ehrenkodex und gelangte, befeuert von unersättlichem Ehrgeiz, zu einzigartigem Ruhm und Ansehen. Er war mit den Größen seiner Zeit befreundet, von Richard Löwenherz bis hin zum berüchtigten König Johann. Gleichzeitig gibt die Darstellung dieses Lebens den Blick frei auf die bestialische Realität der mittelalterlichen Kriegsführung, die Machenschaften am Königshof, und versetzt uns mitten hinein in eine entscheidende Phase unserer Geschichte, in der sich der Westen aus den dunklen Jahrhunderten herausarbeitete und an der Schwelle zur Moderne ankam.

Die Liegefigur von William Marshal in der Temple Church (1)

Die Liegefigur von William Marshal in der Temple Church (1)

Die Bedeutung des Guillaume le Maréchal für die britische Geschichte kann, zumindest laut dem Buch, kaum überschätzt werden: Er war nicht nur ein bedeutender Ritter, sondern gestaltete die Politik in seinen späteren Lebensjahren immer stärker mit. So entstand unter seiner Aufsicht die Magna Charta, wenn sie nicht sogar Züge seiner politischen Einstellung trägt. Dabei diente er fünf verschiedenen Königen, darunter so berühmten wie Richard Löwenherz und Johann Ohneland.

Die Liegestatue links ist seine. (2)

Die Liegestatue links ist seine. (2)

Dabei war es ursprünglich nicht einmal klar, dass er seine Kindheit überleben würde – im Alter von fünf Jahren, wollte ihn König Stephan innerhalb von ein paar Tagen dreimal ermorden lassen – unter anderem als menschliche Kanonenkugel.

Und danach hatte er im jugendlichen Alter das Problem, beim Erbe nicht bedacht worden zu sein, dabei hatte ein Kampfpferd den Gegenwert von gut 4500 Schafen. Und als er eines hatte, wurde es gleich getötet, sodass er um Haar mit einem Packpferd die ersten Turniere hätte bestreiten müssen.

Langweilig war sein Leben auf jeden Fall nicht und dadurch, dass er den Königen sehr eng verbunden war, war er bei allen wichtigen Entscheidungen und Schlachten dabei.

Es war ein großer Gewinn für die französische und britische Geschichtsschreibung, dass im 19. Jahrhundert die L’Histoire de Guillaume le Maréchal wiedergefunden wurde, denn sie hat viele offene Fragen beantwortet. Auch wenn er nie aus dem Gedächtnis der Briten verschwunden war, so steht im House of Lords eine Statue von ihm – zur Linken des Königsthrons.. Ein Foto davon, zusammen mit vielen anderen, ist in dem Buch enthalten.

Das Buch ist sehr interessant geschrieben und beleuchtet sehr gut, die sozialen, politischen, ethischen und gedanklichen Hintergründe der Handlungen. Interessant ist dies auch literaturwissenschaftlich, weil gerade die Lösegeldzahlung für Richard Löwenherz den Hintergrund des Robin-Hood-Mythos bildet. Dabei ist es auch für Laien sehr gut verständlich.

Fazit

Für an britischer oder auch französischer Geschichte Interessierte ist das Buch ein Muss. Auch für diejenigen, die das Mittelalter ohne Klischees kennenlernen wollen.

Thomas Asbridge, geboren 1969 in Großbritannien, lehrt Mittelalterliche Geschichte am Queen Mary College der University of London. Der Autor, der 2004 in England schon eine umfassende Geschichte des Ersten Kreuzzugs vorgelegt hat, ist nicht nur einer der besten Kenner der Quellen. Er kennt auch die geographischen Gegebenheiten aus eigener Anschauung: Denn über 500 Kilometer des alten Kreuzfahrerwegs von der Türkei bis Jerusalem hat er selbst erwandert.

Verlagsseite

Aus dem Englischen von Susanne Held (Original: William Marshal. The Greatest Knight) 1. Aufl. 2015, 478 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Karten, mit einem farbigen Tafelteil und Lesebändchen ISBN: 978-3-608-94923-0

Aus dem Englischen von Susanne Held (Original: William Marshal. The Greatest Knight)
1. Aufl. 2015, 478 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Karten, mit einem farbigen Tafelteil und Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-94923-0

(1) Von Kjetilbjørnsrud aus no, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2910296
(2) Von AlanFord – en.wikipedia.org: 17:45, 29. Mai 2005 . . AlanFord (Talk) . . 1200×1600 (459848 Byte) (Knight effigy tombs in the Temple Church, London. Photo taken by me 2004-12-09. {{PD-self}}), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=293111

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